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sagen:deutschemaerchenundsagen108

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-====== Das Zauberweib zu Assenede ======+====== Bertolf von Zähringen ======
  
-Vor längerer Zeit lebte zu Assenede ein altes Zauberweibvor der ein jeder Angst hatte. Eines Tages ritt ein junger Bursche zu einem nahen Dorf und fand sie unterwegs.+Eines Tages wandelten ein paar Männer in der Gegend des Berges Giber, der, irren wir nicht, in Sizilien liegt und ein gewaltiger Vulkan ist, und hörten eine Stimme, die rief: »Macht den Ofen zurecht!« Dieser Ruf wurde noch zweimal wiederholt.
  
-Er fragte sie im Scherz»Aha, wie steht esIhr lauft wie ein Mädchen von achtzehn Jahren.«+Nach dem dritten Mal fragte eine andere Stimme»Wofür denn
  
-Sie sah ihn einmal an und sprach mit ihrer rostigen Stimme: »Lasst die in Ruhedie Euch in Ruhe lassen+Und die erste Stimme antwortete»Unser guter Freund kommtder Herzog von Zähringen, der uns so viel Dienste schon bewiesen hat
  
-Der Bursche lachte sie aus und ritt seines Weges weiter. Als er aber abends nach Hause zurückkehren wollte und kaum das Dorf verlassen hatteda siehekam ihm eine große Katze entgegen, die stellte sich vor sein Pferd und schrie dreimal ihr Miauaber das mit einer Stimmedass sich dem Burschen die Haare auf dem Kopf in die Höhe richtetenDann lief sie weg. Ein paar Schritte weiter kam eine zweite und die machte es ebensoschrie auch dreimal Miau und lief weiter. So ging es über den ganzen Weg bis nach Assenede, wo der Bursche mehr tot als lebendig ankam.+Das machte die Männer aufmerksam und sie zeichneten den Tag und die Stunde aufwo sie die Stimme gehört hatten, und meldeten alles dem Kaiser Friedrichzugleich fragendob Herzog Bertolf vielleicht um die Zeit gestorben wäreBald darauf hörten sie, dass das in der Tat so war.
  
-Ein anderer kam abends spät noch über Feld und wollte nach Hause zu, als er plötzlich eine rostige Stimme neben sich hörtedie fragte: »Wie spät ist es?«+Bertolf aber war ein unmenschlicher Tyrann und so geizig, dass keiner ihm darin gleich kam. Als er am Tode lag, trug er seinen Vertrauten auf, all seine Reichtümer auf einen Haufen zu werfen und zu verbrennen. Da fragten ihn mehrerewarum er das wolle. Er antwortete: »Wenn ich all die Schätze so lasse, wie sie sind, können sich meine lachenden Erben leicht darin teilen. Sind sie aber zusammengeschmolzendann schlagen sie sich tot darum.«
  
-Er schaute sich umsah das alte, krüppelhafte Weib und lieft was er konnte, um das Dorf zu erreichenEin paar hundert Schritte weiter dachte ernun könne er wohl langsamer gehendenn das Zauberweib schlich nur mit Mühe stets an ihrem Stab fort.+Eine ähnliche Geschichte noch erzählt Caesarius von einem Schulzen von Lechenicheinem Dorf bei [[geo:Köln]]Einige Flämigedie über Meer zogenhörten an demselben Berg die Worte: »Ach, da kommt unser Freund Siward, der Schulz von Lechenich!« Sie merkten Namen, Wohnort, Tag und Stunde an und erfuhren später, dass der Mann in demselben Augenblick gestorben sei.
  
-In demselben Augenblick aber hörte er ihre allzu bekannte Stimme neben sich die Frage wiederholen: »Wie spät ist es?« +//Quelle: [[autor:johanneswilhelmwolf|Johannes Wilhelm Wolf]], [[buch:deutschemaerchenundsagen|Deutsche Märchen und Sagen]], Leipzig, F. A. Brockhaus, 1845//
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-Kalten Todesschweiß auf der Stirn, begann er zum anderen Mal zu laufen und ruhte auch nicht, bis er an seiner Tür ankam. Als er jedoch kaum den Schlüssel eingesteckt und dieselbe geöffnet hatte, stand das Weib zum dritten Mal neben ihm und fragte: »Wie spät ist es?« +
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-Man braucht wohl nicht zuzufügen, dass er in aller Eile ins Haus schlüpfte und froh war, von ihr erlöst zu sein. +
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-//Quellen:// +
-  * //[[autor:johanneswilhelmwolf|Johannes Wilhelm Wolf]], [[buch:deutschemaerchenundsagen|Deutsche Märchen und Sagen]], Leipzig, F. A. Brockhaus, 1845//+
  
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sagen/deutschemaerchenundsagen108.1711058841.txt.gz · Zuletzt geändert: (Externe Bearbeitung)