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sagen:deutschemaerchenundsagen101

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-====== Der Spielmann zu Sankt Gallen ====== 
  
-Auf einer großen Versammlung der Schweizer Kantone in Baden sollten an einem gewissen Tag die Abgeordneten der dreizehn eidgenössischen Orte in dem Herrenhof prächtig bewirtet werden. N. Steuchler, ein Spielmann zu St. Gallen, kam an demselben Tag in Sankt Gallen auf die Brücke am Multertor. Da fand er nebst mehreren Bürgern auch den hochberühmten Theophrastus Paracelsus auf einer Bank sitzen und redete ihn folgendermaßen an: »Nun werden die Herren Gesandten sich zu Baden im Herrenhof lustig machen, denn ich habe gehört, sie halten heute allda eine prächtige Mahlzeit. Wäre ich nun da, ich könnte mir mit meinem Spiel einen schönen Stüber verdienen.«+====== Bischof Conrads von Würzburg Tod ======
  
-Darauf sprach Paracelsus: »Habt Ihr Lustein gutes Trinkgeld da zu gewinnen, dann geht und zieht andere Kleider an, nehmt Eure Flöte und kommt wieder herIch will Euch ein Pferd besorgen, auf dem ihr binnen einer halben Stunde in Baden seid.« +Conrad WilhelmBischof von Würzburg und Herzog von Franken, stellte im Jahre 1684 eine Lustfahrt zu Wasser an zu seinem Lusthof zu VeitshochheimAls er an dem adligen Fräuleinkloster Unterzell vorbeifuhrlag seine Schwesterdie Prioringerade im Fenster und sah, wie im Schiff vor ihrem Bruder eine schwarz überdeckte Totenlade standSie allein sah dieselbe und niemand außer ihrDie Bedeutung dieses Gesichtes offenbarte sich am achten des Herbstmonats desselben JahresIn der Nachtwelche dem Tag vorhergingfiel des Bischofs Leibpferd plötzlich tot zur Erde niederohne dass man an demselben zuvor auch nur das geringste Zeichen von Krankheit gefunden hätte, und an dem Tag selbst starb der Bischof.
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-»Herr Theophrastus«antwortete Steuchler»ich weißdass Ihr mehr versteht denn andere Leute; ich will denn gehen und tun, wie Ihr gesagt habt.« Er ging flugs nach Hause, kleidete sich um und kam bald zurück an das Multertor, wo ihn Paracelsus erwartete. +
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-»Geh nun«, sprach dieser zu ihm, »zu der Spießhütte, da findest du ein weißes Pferd gesattelt. Setze dich darauf und reite damit hin, aber sieh wohl zu, dass du nicht sprichst, ehe du wieder abgesessen bist, dann siehst du binnen einer halben Stunde Baden.« +
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-Steuchler bedankte sich, ging zu der Spießhütte und fand das Pferd wirklich dort, band es los, setzte sich darauf und fuhr durch die Luft hin, kam auch in einer halben Stunde zu Baden an, welches doch sechzehn tüchtige Stunden von Sankt Gallen entlegen ist. +
- +
-Gleich am Schloss ließ das Pferd sich nieder, er sprang ab und es verschwandZur Stunde begab er sich in den Herrenhof und spielte vor dem Gesandten von Sankt Gallen sehr künstlich auf seiner Flöte. +
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-Als der Gesandte ihn sahfragte er ihn barsch: »Welcher Teufel hat dich denn hierher getragen?« +
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-Steuchler antwortete: »Ja Herrja Herr; der lebendige Teufel und kein anderer Heiliger.« Er erzählte alles, was ihm begegnet war, fügte aber hinzu: »Gott behüte und bewahre mich, dass ich nie wieder ein solches Pferd besteige.« +
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-Der Gesandte merkte die Zeit an, wo er Steuchler in Baden gesehen hatte und fragte später in Sankt Gallen, wenn er noch da gesehen worden war, befand dann auch justdass derselbe nicht mehr und nicht minder Zeit zu der Fahrt gebraucht hatte, denn eine halbe Stunde.+
  
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sagen/deutschemaerchenundsagen101.1711058526.txt.gz · Zuletzt geändert: (Externe Bearbeitung)