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sagen:deutschemaerchenundsagen069

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-====== Von viel anderen, welche gleicherweise vor Gottes Gericht geladen worden ======+====== Die Lappländer zu Langdorf ======
  
-Im Jahr Christi 1003 wollte Meinwerkus, der zehnte Bischof von Paderborn, die sinkende Zucht im Kloster Korvei wiederum erheben und aufrichtenkam deshalb dahin und wollte des Reformierens einen Anfang machenEs widerstand ihm aber darin der Abt Walo, der durchaus keine strengere Regel gestatten oder zulassen wollte. Der Handel kam vor den Kaiser und wurde die Sache so weit gebracht, dass der Abt seines Amtes entsetzt wurde. Nun getraute sich der Bischof, beharrlich in seinem guten Vornehmen von Neuem, eine andere Ordnung zu Korvei einzuführen und wollt beim Gottesdienst in der Kirche den Anfang machenEs war aber im Kloster ein Kustos oder Sakristeimeistermit Namen Boso, der wollte ihm die priesterlichen Gewänder zum Altar folgen lassen, warf auch alles vom Altar hinwegwas der Bischof selbst an Kleidern mitgebracht hatteEr blieb auch darin halsstarrigobwohl man ihn zweimal deswegen ermahnte und ihm das verwies.+Zu Langdorf gab es ehedem eine große Menge von Kabautermännchen oder Lappländern, ganz kleine Kerlchen, die viel Böses und wenig Gutes stifteten. Sie kamen häufig bei meiner Mutter GroßvaterBerg, um sich Küchengeräte von ihm zu leihenGab man es ihnen nichtdann wollte es mit der Arbeit auf dem Hof den ganzen Tag nicht recht fort und allerlei Unangenehmes stellte sich den Dienstleuten in den WegGab man es ihnen aber, dann ging alles nach Wunsch und Willen. Zumeist erfragten sie sich LöffelGabeln und TöpfeGab man ihnen dieselben sauberdann bekam man sie schmutzig zurück. Empfingen sie dieselben aber schmutzig, dann gaben sie diese rein zurück.
  
-Der Bischofdurch so große Unbill bewegtforderte den gottlosen Mönch vor Gottes Gericht und sprach»Du musst dem höchsten Gott über diese freventliche Tat Rechenschaft ablegen+Als man ihnen eines Morgens einen eisernen Kessel liehum Bohnen darin zu kochen – denn zu der Zeit kannte man noch keine Kartoffeln –gingen sie damit in die Scheune, steckten einen Stock in das Stroh, machten ein großes Feuer und hingen den Kessel an den Stock darüber. Als Berg das sah, lief er erschrocken hinzu und rief»Was macht ihr da, ihr steckt meine Scheune in Brand und meinen ganzen Meierhof mitIst das der Dank für meine Güte?«
  
-Solches Drohen achtete der Mönch für nichts und lachte den Bischof nur aus, der aber nicht gefehlt in seiner Situationdenn in derselben Stunde, in welcher der Bischof gestorben war, starb auch der Mönch Boso eines jähen Todes unter des Barbiers Hand, während man ihm den Bart schorEs ist bei uns Deutschen ein altes Sprichwort: Gott richt’twenn niemand spricht.+Die Kabautermännchen lachten aber und sprachen: »Seid nicht besorgt darumes wird nichts verbrennenStatt euch irgendwie Schaden zu tunwollen wir für euch arbeiten.«
  
-Sankt Benno war ein Bischof in Meißen und hatte seinem Bistum vierzig Jahre mit solch heiligem Wandel vorgestandendass er mit großen Wunderzeichen leuchtete.+Es war damals just in der Erntezeit. Die Knechte zogen aus ins Feldum das Korn zu mähen, doch als sie kamen, war die Arbeit schon getan. Das Korn war so schön gemäht, wie man es nur wünschen konnte. Gegen Mittag kamen die Männchen wieder an die Tür und erfragten sich abermals den eisernen Kessel.
  
-Darunter ist das Folgende nicht das Geringste: Otto Markgraf zu Meißen zog widerrechtlich die Kirchengüter des Bistums an sich. Sankt Benno ermahnte ihn freundlich, dieselben wieder zu erstatten, sprach dabei, falls er das nicht tue, gäbe es einen gerechten Richter, bei welchem man Recht suchen müsse; der wisse wohl um all Unrecht und räche es zu seiner Zeit. Der Markgraf, der ein wilder Mensch warnahm die Zurede übel auf und gab dem heiligen Benno einen Backenstreich.+»Den will ich euch geben«, sprach Berg»aber werdet ihr auch für mich arbeiten?«
  
-Darauf sprach Sankt Benno: »Von heute ab übers Jahr eben auf diese Zeit wird Gott diese Unbill rächen+»Weil ihr uns das abfragt, nein, heute nicht mehr«, sprachen die Männchen, »wohl aber morgen, wenn ihr uns außer dem Kessel noch Gabel und Löffel leiht
  
-Der Markgraf lachte indessen und sprach: »Sage mirBischof, wer hat dich zum Kanzler im Himmel bestellt! Oder bist du unseres Herrn Geheimer Rat?«+Berg versprach ihnen dieselben und als man am folgenden Tag das Korn in Garben binden wolltewar das auch schon getan. Man brauchte die Garben nur in die Scheune zu fahren.
  
-Nicht lang danach fing Sankt Benno an zu kränkeln und endete nicht lang darauf im Gebet sein LebenDas war im Jahr Christi 1106.+Ein anderes Mal sollten Bäume gefällt werden, wahrscheinlich hatte man den Männchen auch wieder nicht ganz nach ihrem Sinn getan, denn die Bäume waren wohl gefällt, aber sie lagen quer über der Straße und man konnte sie trotz aller Mühe nicht von der Stelle bringen. Man versuchte also die Männchen zu beruhigen. Da versprachen sie denn auch, die Bäume aus dem Weg zu räumen und sie selbst zum Hof zu bringen, nur müsse man Pferde und Karren in die Nähe bringen und da allein stehen lassen. Da führten sie die Bäume weg, eine große Eiche ausgenommen, die ließen sie liegen. Die Leute gaben sich nun alle Mühe, den Baum zumindest ein wenig zur Seite zu bringen, doch das ging nicht, denn damals kannte man die Winden und andere Hebevorrichtungen noch nicht. Die Kabautermännchen standen inzwischen da und lachten die Leute derb aus, bis Berg ihnen wieder ihren Willen tat; da brachten sie den Baum weg.
  
-Als nun das Jahr herum war und der von Sankt Benno bestimmte Tag erschienda sprach der Markgraf: »Sehtheute ist der gefährliche Tag, mit dem Benno mir gedroht hatEr ist fast herum und mit ihm auch die Weissagung hin.« Kaum hatte er aber die Worte aus dem Mundals er jählings zu Boden stürzte und schrieman sollte ihm helfen. Aber der Tod tat das seine. Er riss den seufzenden und streitenden Markgrafen vors Gericht, wie Sankt Benno geweissagt hatte.+Da sie nun sehr häufig schlimme Streiche spieltensetzte die Polizei sich auf die Hinterbeineum sie zu fangen, aber nie konnte sie die Männchen ertappen, denn wenn sie irgendwo zusammensaßen, dann stießen sie ein großes Messer, welches sie stets bei sich trugen, mit der Spitze in den TischKam die Polizei dann in die Nähedann bewegte sich das Messer, zitterte und fuhr hin und wiederund zugleich verschwand das kleine Volk mit Kessel und Kannen.
  
-Kaiser Otto Iwurde von seinem Sohn WilhelmBischof zu Mainzwegen der Heirat mit Frau Adelheid mit scharfen Worten gestraftweswegen der Kaiser ihn in das Gefängnis werfen ließ.+Einmal aber hatte man sie doch überrascht und das war in einem teilweise niedergefällten WaldDa saßen sieaßen, tranken und tanzten auf den Ellenbogen, die Beine in die Höhe gestreckt, in die Runde. Als man ihnen nicht zu nähern vermochterief man den Pfarrerdoch der konnte auch nichts gegen sie ausrichten.
  
-Da rief Wilhelm seinen Vater vor Christi Gericht und sprach: »Am heiligen Pfingsttag wollen wir beide vor dem Herrn Jesu, unserem Richter, erscheinen und den Handel ausmachen.« +Diese Lappländer oder Kabautermännchen waren während des deutschen Krieges ins Land gekommenDie Franzosen haben sie herausgejagtSeitdem hat man nichts mehr von ihnen gesehen.
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-Und wahrlich, der Kaiser ist am 7Mai am heiligen Pfingsttag in Sachsen an einer schnellen Krankheit gestorben, nachdem sein Sohn Wilhelm ihm einige Monate früher dahin vorgegangen war.+
  
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   * //[[autor:johanneswilhelmwolf|Johannes Wilhelm Wolf]], [[buch:deutschemaerchenundsagen|Deutsche Märchen und Sagen]], Leipzig, F. A. Brockhaus, 1845//   * //[[autor:johanneswilhelmwolf|Johannes Wilhelm Wolf]], [[buch:deutschemaerchenundsagen|Deutsche Märchen und Sagen]], Leipzig, F. A. Brockhaus, 1845//
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