sagen:der_wassermann_ey
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| - | Einstmals gehen ein paar Mädchen aus Zellerfeld dahin und wollen trockenes | + | Einstmals gehen ein paar Mädchen aus Zellerfeld dahin und wollen trockenes Holz holen. Beide sind flink, jung und hübsch. Als sie auf den Teichdamm treten, so steigt aus dem Wasser halb herauf ein Mann, sein Haar ist grün und trieft von Wasser. Seine Brust ist breit und hochgewölbt und sein Gesicht freundlich und gut. Ja die Mädchen, obgleich sie sich erst erschreckt haben, freuen sich über ihn. Das geht aber so geschwind, dass man es kaum sagen kann. Der Mann – es ist nämlich der Wassermann gewesen – hat eine Rolle Band in der Hand, das glänzt und spielt in allen Farben. Dies Band wickelt er los und lässt es vom Wind den Mädchen über dem Wasser zuwehen. Als die Spitze den Damm erreicht, wo die Mädchen noch stutzig stehen, winkt er ihnen, das Band zu fassen. |
| - | Das älteste Mädchen, das so recht habgierig und putzsüchtig ist, greift gleich zu und wird auch in dem Augenblick an dem Band, das es nicht wieder loslassen kann, in das Wasser hinabgezogen, | + | Das älteste Mädchen, das so recht habgierig und putzsüchtig ist, greift gleich zu und wird auch in dem Augenblick an dem Band, das es nicht wieder loslassen kann, in das Wasser hinabgezogen, |
| - | Da spricht der Vater: »Kommt, lasst uns den Damm durchgraben, | + | Da spricht der Vater: »Kommt, lasst uns den Damm durchgraben, |
| Mit aller Kraft und Eile beginnt die Arbeit und in Kurzem fließt das Wasser schon durch die Rinne und hilft mit, den Damm zu durchbrechen. Das Wasser nimmt zusehends ab und schon sieht man die Spitze eines Kristalldaches aus der Oberfläche des Teiches und noch immer arbeiten die acht rüstigen Männer. Endlich, da sie dem Wasser die Durchbrechung des Dammes allein überlassen können, gehen sie mit ihren Äxten an den Berg und hauen große Tannenbäume um. Diese prasseln mit Gekrach den steilen Abhang hinunter, werden auf den Teichdamm vollends hingezogen und dann in den Teich auf das heraussehende Dach geschoben. So ist bald die Brücke dahin gelegt und der Älteste der Söhne geht mit seiner Axt im Arm darauf hin. | Mit aller Kraft und Eile beginnt die Arbeit und in Kurzem fließt das Wasser schon durch die Rinne und hilft mit, den Damm zu durchbrechen. Das Wasser nimmt zusehends ab und schon sieht man die Spitze eines Kristalldaches aus der Oberfläche des Teiches und noch immer arbeiten die acht rüstigen Männer. Endlich, da sie dem Wasser die Durchbrechung des Dammes allein überlassen können, gehen sie mit ihren Äxten an den Berg und hauen große Tannenbäume um. Diese prasseln mit Gekrach den steilen Abhang hinunter, werden auf den Teichdamm vollends hingezogen und dann in den Teich auf das heraussehende Dach geschoben. So ist bald die Brücke dahin gelegt und der Älteste der Söhne geht mit seiner Axt im Arm darauf hin. | ||
| - | Da steht er nach wenigen Schritten oben über, wo der [[typ: | + | Da steht er nach wenigen Schritten oben über, wo der [[wesen: |
| - | Zwei von den Brüdern, die am beherztesten gewesen sind, steigen hinein in das Innere des Kristallpalastes und eilen gleich zu der gläsernen | + | Zwei von den Brüdern, die am beherztesten gewesen sind, steigen hinein in das Innere des Kristallpalastes und eilen gleich zu der gläsernen Flasche, in welcher ihre Schwester in ein kleines Herz verwandelt ist, das aber noch schlägt. Der eine der Brüder nimmt die gläserne Kapsel von der Flasche und in dem Augenblick steigt eine kleine Flamme aus dem Gefäß empor, die sich mehr und mehr vergrößert, |
| O wie freuen sich alle, wie freut sich das Mädchen, wie geht sie aus einem Arm in den anderen und der Jubel über die Rettung ist ohne Ende. Alle danken Gott innig dafür. Hierauf aber sagt das Mädchen, ihre Brüder möchten sich auch derer erbarmen, die noch da unten in eben solchen Flaschen schmachteten. Da gehen vier der Brüder hinunter in das Haus des Wassermanns, | O wie freuen sich alle, wie freut sich das Mädchen, wie geht sie aus einem Arm in den anderen und der Jubel über die Rettung ist ohne Ende. Alle danken Gott innig dafür. Hierauf aber sagt das Mädchen, ihre Brüder möchten sich auch derer erbarmen, die noch da unten in eben solchen Flaschen schmachteten. Da gehen vier der Brüder hinunter in das Haus des Wassermanns, | ||
| - | Kurze Zeit nach dieser wunderbaren Rettung wird ein [[typ: | + | Kurze Zeit nach dieser wunderbaren Rettung wird ein Hochzeitsfest gehalten, hier in Zellerfeld, wie es seit der Zeit nicht wieder vorgekommen ist, denn das gerettete Mädchen wird mit seinem Bräutigam, und die sieben Brüder mit ihren geretteten Bräuten auf einen Tag ehelich verbunden. Als man am Abend, wo die ganze Gesellschaft in einem großen Haus versammelt ist, auf die Begebenheit zu sprechen kommt, der man das Fest verdankt, so will man den fremden Gästen auch Schein und Beweis davon geben, und jeder der glücklichen jungen Ehemänner holt das Stück Wand her, das er sich vom Kristallpalast des Wassermanns abgeschlagen hat. Da entstehen aber neue Freude und neuer Jubel und Bewunderung, |
| Seit der Zeit hat sich aber der falsche Wassermann nie wieder im Langen Teich sehen lassen. So oft man aber dahin kommt und den Teichdamm ansieht, der jetzt noch durchbrochen ist, und das Wasser, das noch immer so unheimlich aussieht, so denkt man jedes Mal mit Schrecken und Freude an diese Begebenheit. Das war die merkwürdige Geschichte vom Wassermann. | Seit der Zeit hat sich aber der falsche Wassermann nie wieder im Langen Teich sehen lassen. So oft man aber dahin kommt und den Teichdamm ansieht, der jetzt noch durchbrochen ist, und das Wasser, das noch immer so unheimlich aussieht, so denkt man jedes Mal mit Schrecken und Freude an diese Begebenheit. Das war die merkwürdige Geschichte vom Wassermann. | ||
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