sagen:der_schwanritter
Unterschiede
Hier werden die Unterschiede zwischen zwei Versionen angezeigt.
| Beide Seiten der vorigen RevisionVorhergehende ÜberarbeitungNächste Überarbeitung | Vorhergehende Überarbeitung | ||
| sagen:der_schwanritter [2020/05/05 17:03] – ewusch | sagen:der_schwanritter [2023/10/17 11:49] (aktuell) – gelöscht ewusch | ||
|---|---|---|---|
| Zeile 1: | Zeile 1: | ||
| - | ====== Der Schwanritter ====== | ||
| - | Nach Conrads von Würzburg Gedicht | ||
| - | |||
| - | Herzog Gottfried von Brabant war gestorben, ohne männliche Erben zu hinterlassen; | ||
| - | |||
| - | Die Herzogin beschloß daher, bei dem König zu klagen; und als bald darauf Carl nach Niederland zog, und einen Tag zu Neumagen am Rheine halten wollte, kam sie mit ihrer Tochter dahin und begehrte Recht. Dahin war auch der Sachsen Herzog gekommen, und wollte der Klage zu Antwort stehen. Es ereignete sich aber, daß der König durch ein Fenster schaute; da erblickte er einen weißen Schwan, der schwamm den Rhein herdan und zog an einer silbernen Kette, die hell glänzte, ein Schifflein nach sich; in dem Schiff aber ruhte ein schlafender Ritter, sein Schild war sein Hauptkissen, | ||
| - | |||
| - | Carl und der ganze Hof verwunderten sich höchlich ob diesem seltsamen Ereigniß; jedermann vergaß der Klage der Frauen, und lief hinab dem Ufer zu. Unterdessen war der Ritter erwacht und stieg aus der Barke; wohl und herrlich empfing ihn der König, nahm ihn selbst zur Hand, und führte ihn gegen die Burg. Da sprach der junge Held zu dem Vogel: flieg deinen Weg wohl, lieber, Schwan! wann ich dein wieder bedarf, will ich dir schon rufen. Sogleich schwang sich der Schwan, und fuhr mit dem Schifflein aus aller Augen weg. Jedermann schaute den fremden Gast neugierig an; Carl ging wieder ins Gestühl zu seinem Gericht, und wies jenem eine Stelle unter den andern Fürsten an. | ||
| - | |||
| - | Die Herzogin von Brabant, in Gegenwart ihrer schönen Tochter, hub nunmehr ausführlich zu klagen an, und hernach vertheidigte sich auch der Herzog von Sachsen. Endlich erbot er sich zum Kampf für sein Recht, und die Herzogin solle ihm einen Gegner stellen, das ihre zu bewähren. Da erschrak sie heftig; denn er war ein auserwählter Held, an den sich niemand wagen würde; vergebens ließ sie im ganzen Saale die Augen umgehen, keiner war da, der sich ihr erboten hätte. Ihre Tochter klagte laut und weinte; da erhob sich der Ritter, den der Schwan ins Land geführt hatte, und gelobte, ihr Kämpfer zu seyn. | ||
| - | |||
| - | Hierauf wurde sich von beiden Seiten zum Streit gerüstet, und nach einem langen und hartnäckigen Gefecht war der Sieg endlich auf Seiten des Schwanritters. Der Herzog von Sachsen verlor sein Leben, und der Herzogin Erbe wurde wieder frei und ledig. Da neigten sie und die Tochter dem Helden, der sie erlöst hatte, und er nahm die ihm angetragene Hand der Jungfrau mit dem Beding an: daß sie nie und zu keiner Zeit fragen solle „woher er gekommen, und welches sein Geschlecht sey?“ denn außerdem müsse sie ihn verlieren. | ||
| - | |||
| - | Der Herzog und die Herzogin zeugten zwei Kinder zusammen, die waren wohl gerathen; aber immer mehr fing es an, ihre Mutter zu drücken, daß sie gar nicht wußte, wer ihr Vater war; und endlich that sie an ihn die verbotene Frage. Der Ritter erschrak herzlich und sprach: nun hast du selbst unser Glück zerbrochen und mich am längsten gesehen. Die Herzogin bereute es aber zu spät, alle Leute fielen zu seinen Füßen und baten ihn zu bleiben. | ||
| - | |||
| - | Der Held waffnete sich, und der Schwan kam mit demselben Schifflein geschwommen; | ||
| - | |||
| - | Beim geheimnisvollen Schwanenritter handelt es sich wohl um den nicht weniger sagenumwobenen Helden [[vip: | ||
| - | |||
| - | //Quelle: Brüder Grimm, Deutsche Sagen, Band 2, S. 312-314, 1818// | ||
| - | {{tag> | ||
sagen/der_schwanritter.1588690995.txt.gz · Zuletzt geändert: (Externe Bearbeitung)
