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sagen:der_schneider_aus_wendisch-drehna

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-====== Der Schneider aus Wendisch-Drehna ====== 
  
-In Wendisch-Drehna lebte einmal ein Schneider vor sehr langer Zeit, der 
-schneiderte selten und trank viel. Da machten sich die Leute oft einen Spaß mit ihm. 
-Einmal hatte er eine Ziege gehandelt in Klein-Krausnick und da machte er sich auf, 
-sie zu holen. Weil es sehr heiß war, ging er bei frühen Zeiten weg und wollte auf 
-Mittag wieder zu Hause sein. Als er nach Wehnsdorf kam, sah der Schenker aus 
-seinem Hause. Und weil er Schneider vorüber gehen wollte, sagte er: „Gevatter, du 
-kannst mir auch einen Groschen auf die Schwelle legen.“ Der Schneider hatte erst 
-nicht einkehren wollen und freute sich, daß der Krüger ihn verführte. Er trank ein 
-Pulleken und noch ein und trank bis er duhne war. Dabei erzählte er dem Schenker, 
-was er für ein Gewerbe heute habe. 
- 
-Endlich ging er fort, aber die Sonne ging schon über Mittag weg. Er kam nach Klein- 
-Krausnigk und die Leute gaben ihm die Ziege. Der Schneider führte sie an einem 
-Strick und kam wieder nach Wehnsdorf. Es war schon gegen Abend. Er ging wieder 
-in den Gasthof und band derweil die Ziege draußen an. Der Schenker war aber ein 
-Schalk und hatte einen Bock im Stalle. Da sagte er zu einem seiner Söhne: „ Geh 
-und binde für die Ziege den Bock an.“ Das tat der. Danach, als der Schneider genug 
-getrunken hatte, ging er davon und zog den Bock nach sich. Bei ganz dunker kam er 
-zu Hause an. Die Frau schlief schon. Da weckte er sie und sagte, sie solle aufstehn 
-und die Ziege melken. Die Frau war schon ärgerlich, weil er so lange geblieben war 
-und schimpfte. Dann aber nahm sie einen Topf und ging in den Stall. Erst wunderte 
-sie sich über das kleine Euter und dann fühlte sie, daß es ein Bockbeutel war. Da 
-machte die Frau großen Lärm und wollte ihrem Manne den Topf an den Kopf werfen. 
-Der war ganz erschrocken und gab ihr gute Worte und versprach, er wolle den Bock 
-gleich am andern Tag umtauschen und es den Betrügern in Klein-Krausnigk 
-ordentlich geben. Da war die Frau endlich zufrieden. 
- 
-Am anderen Tag regnete es sehr stark und sehr lange, so daß der Schneider erst 
-am Nachmittage gehen konnte. Als er nach Wehnsdorf kam, ging er in die Schenke 
-und schimpfte auf die Leute und trank einige. Derweile er drinnen war, hieß der 
-Schenker seinen Sohn den Bock mit der Ziege zurück zu tauschen. Als der 
-Schneider satt war, machte er sich auf den Weg nach Klein-Krausnigk. Da kam er 
-an, als die Leute schon schliefen. Er klopfte an die Tür und machte solchen Lärm, 
-daß auch die Nachbarn heraus kamen und meinten Wunder was wäre. Als die alten 
-Leute ihn fragten, was er wollte, schimpfte er sie Betrüger und sie hätten ihm einen 
-Bock für eine Ziege verkauft. Die Leute verwunderten sich und beguckten die Ziege 
-und konnten nicht sehen, daß es ein Bock wäre. Da lachten die Leute den 
-Schneider aus und wollten ihm den Buckel vollhauen, weil er die Leute Betrüger 
-geheißen hatte. Da mußte er wieder gute Worte geben, Dann ließen sie ihn 
-gehen.Als er durch Wehnsdorf kam, war die Schenke schon zu und er mußte durstig 
-bis nach Drehne wandern. Da wartete seine Frau auf ihn. Der Schenker aber stand 
-in der Gaststube und lauerte durch das Ladenherz und wollte sich totlachen über 
-seinen Streich. Seit der Zeit verkauft man an „Drehnsche“ die Ziegen immer bloß bei 
-Tage. 
- 
-//Quelle: E.H.Wusch: Sagen meiner Heimat, eine Sammlung mündlich übertragener Sagen der Niederlausitz// 
-{{tag>sagen niederlausitz neu}} 
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