sagen:der_mordkeller
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| - | [[sagen: | ||
| - | ====== Der Mordkeller ====== | ||
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| - | Es haußten – so erzählt die Sage – vor Olims Zeiten drei Brüder, deren Geschlechtsname nicht auf die Nachwelt gekommen ist, von denen man den Aeltesten den blutigen Joseph, den zweiten den schwarzen Görgen und den dritten Schmorpaul nannte, auf dem sogenannten Drechslerberge bei [[geo: | ||
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| - | Die Eule haßt das Tageslicht \\ | ||
| - | und lebt in dunkeln Höhlen;\\ | ||
| - | warum? – Weil ihre Werke sich\\ | ||
| - | den Menschen nicht empfehlen.\\ | ||
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| - | anwenden; denn finster wie ihre Wohnung war ihr Gewerbe und schauderhaft, | ||
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| - | Zufällig war es ihnen auch einigemal gelungen, ihren Verfolgern zu entschlüpfen, | ||
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| - | So lebten diese Unholde, von welchen die alte, gute Margarethe, die ihr teuflisches Wesen haßte, jedoch da Niemand diese gefürchtete Einöde besuchte, keine Seele hatte, der sie ihr Leid klagen und die – wenn ihre Vettern auf [[typ: | ||
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| - | War der Abend vor dem heiligen [[zeit: | ||
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| - | Einige Zeit nachher kamen die beiden Aeltern aus der Zittauer Gegend, welche – nach ihnen gewordener Kunde – ein reicher Kaufmann in Begleitung eines einzigen Knechts passiren sollte, dessen fahrende Habe sie für eine gute Prise erklärten. Ob sie nun gleich in ihren Armen ein Heer fühlten, so glaubten sie doch, daß Vorsicht nie schade, daher sie, um sich ihres jüngsten Bruders Beistand zu versichern, nach Hause eilten. Als sie ungefähr noch eine Stunde von ihrer Heimath entfernt waren, gewahrten sie ein wunderschönes Mädchen in reicher Tracht auf einer Wiese Blumen pflücken, deren Saumthier in einiger Entfernung graste, auf der andern durch ein Bächlein getrennten Seite lagerten mehrere Reisige, die sich bei Speis’ und Trank gütlich thaten. | ||
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| - | „Du, Joseph! – hub Georg an – schau mal dort ’s Mädel, das wär ’n Fressen für unsern Paul, wobei wir – mit Pantomimen auf den Schmuck deutend – auch nicht hungern würden, ihm fehlten dann nur noch zwei und so hätten wir dann die Aussicht den Jungen nicht wie ein Goldhähnchen bewachen und wie ein rohes Ey hüten zu dürfen.“ | ||
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| - | „Hast Recht!“ sagte der blutige Joseph, „die Dirne soll gleich unser seyn!“ sprach’s, sprang vom Rappen, schloß – nachdem er ihr den Mund verstopft hatte – das Mädchen in seine nervige Arme, schwang sich auf den Gaul und eilte mit seiner Beute, in Gesellschaft seines saubern Bruders – ehe jene Reissige den Raub gewahreten und von ihrer Tafel aufsitzen konnten – in ihre Mordhöhle. Jede Nachspürung war vergebens, weil Wünschelruthen wohl verborgene [[typ: | ||
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| - | Froh und heiter empfing Paul – dem nun bald die Meisterschaft winkte – seine theuern Brüder, willigte sofort in den Diebsritt, die Geraubte wurde wohl verwahrt, ihr reichlich Speis’ und Trank gereicht und sie somit zum Mahle gemästet. | ||
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| - | Als die Brüder fort waren, schlich die alte Margarethe – welche gleich ihren jüngern Schwestern, Mutter Eva’s Neugierde plagte – umher, um zu wissen, wer die schöne goldige Dirne sey, die gleich beim ersten Schauen Gemüth und Verstand der Alten in Beschlag genommen hatte, da der prächtige Rosenkranz, der ihr am Gürtel hing, der Alten eine fromme Christin verkündete, | ||
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| - | Weh dir, Töchterlein der Frommen,\\ | ||
| - | bist in’s Mörderloch gekommen.\\ | ||
| - | Heute bist du frisch und roth,\\ | ||
| - | doch in Bälde sicher todt;\\ | ||
| - | wird das Herz dir raus gerissen\\ | ||
| - | und verspeist als guter Bissen.\\ | ||
| - | Weh dir, Töchterlein der Frommen,\\ | ||
| - | bist in’s Mörderloch gekommen.\\ | ||
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| - | Der Tremulant der Alten weckte das Mädchen aus betäubendem Schlummer, sie horchte dem oft wiederholten grausenvollen Liedlein, in dem sie demungeachtet etwas Tröstliches fand, daher sie Muth faßte und rief: „Wo bin ich, wer rettet mich aus dieser Finsterniß? | ||
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| - | „Ich will es thun, wenn Du mir traust!“ antwortete in liebevollem Tone die Alte. „Doch sage mir, wer Du bist?“ | ||
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| - | „Ich heiße Agnes und bin des Polenkönigs Tochter, der mich zu seinem Vetter, dem König von Böhmerland sandte, um dessen Sohn, meinen Bräutigam, zu schauen; da nun, unweit von hier, die Reissige eine fette Trift und frisches Wasser fanden, stiegen sie ab, die Pferde zu weiden und zu tränken, ich – pflückte Blumen. Während dessen hatten sich Jene im Trunk übernommen, | ||
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| - | Drauf steckte Margarethe die [[typ: | ||
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| - | „Das war ein Fleischerritt!“ schnaubte Joseph, „den Burschen hat eine Unpäßlichkeit von nicht großer Bedeutung angewandelt, | ||
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| - | Margarethe war unvergessen das Gehörte ihrem Schützlinge – dem nunmehr Essen und Trinken besser mundete – mitzutheilen und Plan und Stunde der Flucht zu bestimmen. | ||
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| - | Schon dunkelte der Abend, als die Mordrotte sich zu ihrem Frevelritt anschickte. Es wurde ein Imbiß genommen und dann ging es getrost zum Werk der Finsterniß. „S ist doch sonderbar, – bemerkte unterwegs Paul – daß der fette Vogel, den wir heut’ im Sprenkel fangen wollen, seine Reisen allemal zur Nachtzeit macht. – Wenn es nur nicht wieder ein Aprilritt ist.“ – | ||
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| - | „Das ist meine Sorge,“ – fiel ihm Joseph in die Rede – „ich bin von Allem genau unterrichtet und will meinen Bart verwetten, daß er uns heute auf die Leimruthe fällt, ich kenne zu genau meinen Schnüffler, | ||
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| - | Unter diesen und ähnlichen Gesprächen gelangten sie an den Platz, die Posten wurden ausgestellt, | ||
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| - | Eine Stunde nach der [[typ: | ||
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| - | Ohne Erinnern kann man sich denken, daß die Reißige, welche Agnes begleitet hatten, fürchtend die schwere Strafe ihrer Sorglosigkeit, | ||
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| - | An einem heitern Frühlingstage, | ||
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| - | „Woher des Landes? – riefen sie ihnen schon in einiger Entfernung zu – habt ihr keine Dirne mit oder ohne Begleitung, gleichviel, gesehen?“ | ||
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| - | Die beiden Flüchtlinge schreckten zusammen, denn nicht so belebt, wie gegenwärtig, | ||
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| - | „Bei’m [[gott: | ||
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| - | „Nun, soll mich Perkun!“ entgegnete Fardo, indem er sich den Hut rückte und die Haare aus dem Gesichte strich, „das ist ja unsre verlorne Prinzessin, sah’ ich’s doch gleich an dem stattlichen Fingerreifen.“ | ||
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| - | Beide sprangen entzückt von den Pferden, stürzten ihr zu Füßen und riefen: „Glück, Heil und Segen, schöne Agnes, gelobt seyn die Gestirne, die uns so glücklich leiteten! Victoria, Victoria! daß wir euch haben! Nun, ohne Säumen, Holde! schwingt euch schnell auf’s Roß, denn gewiß harrt mit Ungeduld euer der königliche Bräutigam, der euch halbwegs entgegen gezogen ist, euch zu schauen.“ | ||
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| - | Agnes bestieg den Gaul, den der Eine beim Zügel fortführte. „Vergeßt meine Retterin nicht!“ rief die [[typ: | ||
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| - | Bald vereinigten sie sich mit den übrigen Reißigen, die sie jauchzend empfingen und so gelangten sie endlich ohne weiteres Abenteuer zum [[typ: | ||
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| - | Die [[typ: | ||
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| - | Allein anders war es im Buche des Schicksals beschlossen; | ||
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| - | Margarethe genau mit allen Gängen und Schlichen der Wildniß – wo sie oft mit ihrem Vater gejagt hatte – bekannt, zeigte den Weg und verrieth das Losungswort, | ||
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| - | Endlich wurden die Mordräuber überwältiget, | ||
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| - | //Quelle: Heinrich Gottlob Gräve: Volkssagen und volksthümliche Denkmale der Lausitz. Reichel, Bautzen 1839, Seite 150; [[https:// | ||
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sagen/der_mordkeller.1663759673.txt.gz · Zuletzt geändert: (Externe Bearbeitung)
