sagen:der_kobold_in_der_muehle
Unterschiede
Hier werden die Unterschiede zwischen zwei Versionen angezeigt.
| Beide Seiten der vorigen RevisionVorhergehende Überarbeitung | |||
| sagen:der_kobold_in_der_muehle [2022/12/23 10:10] – ewusch | sagen:der_kobold_in_der_muehle [2023/11/15 15:57] (aktuell) – gelöscht ewusch | ||
|---|---|---|---|
| Zeile 1: | Zeile 1: | ||
| - | ====== Der Kobold in der Mühle ====== | ||
| - | Valvassor Ehre von Crain B. 3. Cap. 28. I. 420–421 | ||
| - | |||
| - | Es machten einmal zwei [[typ: | ||
| - | |||
| - | Sie waren beide hungrig und durstig und da auf dem Tisch eine Schüssel mit Speise und eine Kanne mit [[typ: | ||
| - | |||
| - | Die zwei Studenten legten sich zum Schlafe nieder, aber etwa nach einer Stunde griff den einen der [[typ: | ||
| - | |||
| - | Darnach faßte er die Bierkanne, that einen guten, pommerschen Zug und nachdem er also seine Begierde etwas gestillt, legte er sich wieder zu seinem Gesellen. Doch als ihn über eine Weile der Durst aufs neue plagte, stand er noch einmal auf und that einen zweiten so herzhaften Zug, daß er dem Haus-Geist nur die Neige hinterließ. Nachdem er sichs also selbst gesegnet und wohl bekommen geheißen, legte er sich und schlief ein. | ||
| - | |||
| - | Es blieb alles ruhig bis zu Mitternacht, | ||
| - | |||
| - | Nun begann er seine Arbeit, wischte den Tisch, darnach die Tisch-Füße sorgfältig ab und kehrte dann, wie mit einem Besem, den Boden fleißig ab. Als das geschehen war, ging er noch einmal zur Schüssel und Kanne zurück, ob es jetzt vielleicht besser damit stehe, stieß aber beides wieder zornig hin. Darauf fuhr er in seiner Arbeit fort, kam zu den Bänken, wusch, scheuerte, rieb sie, unten und oben; als er zu der Stelle gelangte, wo die beiden Studenten lagen, zog er vorüber und nahm das übrige Stück unter ihren Füßen in die Arbeit. | ||
| - | |||
| - | Wie er zu Ende war, fing er an der Bank oben zum zweitenmal an und überging auch zum zweitenmal die Gäste. Zum drittenmal aber, als er an sie kam, strich er dem einen, der nichts genossen hatte, über die Haare und den ganzen Leib, ohne ihm im geringsten weh zu thun. Den andern aber packte er an den Füßen, riß ihn von der Bank herab, zog ihn ein paarmal auf dem Erdboden herum, bis er ihn endlich liegen ließ und hinter den Ofen lief, wo er ihn laut auslachte. | ||
| - | |||
| - | Der Student kroch zu der Bank zurück, aber nach einer Viertelstunde begann der Kobold seine Arbeit von neuem: kehrte, säuberte, wischte. Die beiden lagen da, in [[typ: | ||
| - | |||
| - | Die Studenten wollten nun nicht mehr auf der Bank liegen, standen auf und erhuben vor der verschlossenen Thüre ein lautes Geschrei, aber es hörte niemand darauf. Sie beschlossen endlich, sich auf den platten Boden hart nebeneinander zu legen, aber der [[typ: | ||
| - | |||
| - | Er begann sein Spiel zum drittenmal, kam und zog den schuldigen herum und lachte ihn aus. Dieser war zuletzt wüthend geworden, zog seinen [[typ: | ||
| - | |||
| - | Der Müller verwies ihnen am Morgen, daß sie seiner Ermahnung nicht nachgelebt und die Speise nicht unangerührt gelassen; es hätte ihnen leicht das Leben kosten können. | ||
| - | |||
| - | //Quelle: Brüder Grimm, Deutsche Sagen, Band 1, S. 93–96, 1816// | ||
| - | ---- | ||
| - | {{tag> | ||
sagen/der_kobold_in_der_muehle.1671786656.txt.gz · Zuletzt geändert: (Externe Bearbeitung)
