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sagen:der_knecht_und_das_luettchen_zu_goellnitz

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-====== Der Knecht und das Lüttchen zu Göllnitz ====== 
  
-Der Lüttchenberg bei [[geo:goellnitz|Göllnitz]] hat seinen Namen von den Lüttchen, kleinen Leuten, 
-die tief im Inneren des Berges ihr Wesen treiben. Was sie dort treiben ist ihr 
-Geheimnis, doch geht die Sage von unendlichen Gold- und Edelsteinschätzen, 
-welche die Lüttchen dort gewinnen und bearbeiten.  
- 
-Einmal nur, in einer Nacht des 
-vollen Mondes, kommen die Lüttchen hervor und dann auch nur in der Stunde von 
-12 bis 1 Uhr um Mitternacht. Nur ein Sonntagskind, welches noch dazu in einer 
-Vollmondnacht zu mitternächtlicher Stunde geboren sein muß, kann die kleinen 
-Wichte dann beobachten. Kaum einem ist es daher gelungen, die Lüttchen wirklich 
-bei ihrem Treiben zu beobachten, daher sind auch die Berichte über sie so dunkel 
-und verworren.  
- 
-Einmal ist jedoch einer der kleinen Männer einen ganzen Monat lang 
-in menschlicher Gesellschaft gewesen und davon soll hier berichtet werden. 
- 
-In einer hellen Frühlingsvollmondnacht strömten aus dem Lüttchenberg helle 
-Scharen der kleinen Männer aus sich öffnenden geheimen Pforten. Sie rüsteten zu 
-ihrem Mondfest, schleppten Tische, Stühle, Speisen und Getränke herbei. Sie 
-setzten sich schließlich um den gedeckten Tisch, ließen sich die Speisen und 
-Getränke munden. Hell klangen die gefüllten Gläser aneinander, Messer und Gabeln 
-klapperten auf den Tellern und bald ertönten ihre schönen Lieder in die Nacht 
-hinaus.  
- 
-Nur eines der Männchen hielt sich fern von der Tafel. Ihn plagte die Unruhe 
-und die Neugier. Ihn zog es in das Menschenreich. Er wollte doch zu gern das Dorf 
-sehen, in welchem die Menschen zu Hause waren. Und so lehnte er an einer alten 
-Eiche und sah zu den Häusern von Göllnitz hinüber, von wo eben die 
-Kirchenglocken ihr Geläut ertönen ließen. Unser Lüttchen kam, von dem herrlichen 
-Anblick des Dorfes und dem erhaben Geläut der Glocken betört, ins Träumen – und 
-da schlug die Kirchturmuhr schon die erste Stunde des neuen Tages!Oh weh, das 
-war der Augenblick, in welchem sich der Berg verschloß und unser kleiner Träumer 
-hatte den Weg zurück versäumt! 
- 
-Ratlos und traurig setzte sich das Männchen unter die Eiche und schlief bald vor 
-Kummer, Erschöpfung, Angst und Kälte ein. Ein Knecht mit mitleidigem Herzen fand 
-den kleinen Schläfer, als er am frühen Morgen auf das Feld wollte. Er nahm seinen 
-Hut ab und setzte unser Lüttchen hinein. „Hier hast Du es wärmer“, dachte er bei 
-sich, „schlafe nur und wenn Du ausgeschlafen hast, dann wollen wir weiter sehen“. 
-Zur Frühstückszeit hatte der Knecht seine Arbeit getan und kehrte zu seinem Hut 
-mit dem Männchen zurück. Letzteres blickte ihm erschrocken entgegen. Einen so 
-riesenhaften Kerl wie diesen Knecht hatte es noch nie gesehen. Der Knecht aber 
-näherte sich dem Lüttchen behutsam, gab ihm ein Krümchen von seinem 
-Frühstücksbrot und auch ein Schlückchen Kaffee. Da fing das Männlein an von 
-seinem Mißgeschick zu erzählen. 
- 
-Der Knecht tröstete das Männchen und versprach ihm seine Hilfe. „Das bisschen 
-Essen und Trinken, welches du brauchst, fällt von dem meinen leicht ab. Schlafen 
-wirst du bei mir im Bett, du mußt dich nur vorsehen, wenn ich mich im Bett umdrehe 
-kannst du leicht erdrückt werden. Vor allem aber, laß dich nicht von den Menschen 
-sehen! Gewiß würden sie mit dir Unfug treiben!“ 
- 
-Als die Mittagszeit gekommen war, steckte der Knecht das kleine Wesen in seine 
-Rocktasche und nahm es mit nach Hause. So kam der Lüttchen in die 
-Menschenstube und beachtete alle Hinweise des Knechtes sorgsam. Jetzt konnte 
-unser Lüttchen die ihm geheimnisvolle Welt der Menschen eingehend beobachten. 
-Er hörte das Gejohle der Kinder auf dem Hof, beobachtete die Bäuerin mit dem 
-Milcheimer, sah den stolzen Hahn mit seinen Hennen auf dem Mist scharren. 
-Kam der Knecht abends in seine Kammer, dann erzählten sie sich oftmals lange. 
-Der Knecht erfuhr vom Leben der Lüttchen im Berg und unser Lüttchen manches 
-Interessante aus der Menschenwelt. 
- 
-Als die Vollmondnacht, in welcher sich der 
-Lüttchenberg wieder öffnete herangenaht war, ging der Knecht unter dem Vorwand 
-seinen Wetzstein vergessen zu haben, auf das Feld. Das Lüttchen hatte er in seiner 
-Rocktasche versteckt. An der Eiche, unter welcher der Knecht das Männlein 
-gefunden hatte, setzte er es in das Gras. Sie verabschiedeten sich herzlich und das 
-Lüttchen eilte dem Berg zu, um pünktlich Schlag 12 am Ort zu sein. Als sich die 
-geheime Pforte um Mitternacht öffnete und all die Lüttchen aus dem Bergesinneren 
-hervorströmten, war der Jubel groß. Alle freuten sich, daß der kleine Ausreißer 
-wieder bei den Seinen war. 
- 
-Der Knecht aber fand am nächsten Morgen auf dem Platz, auf welchem er seine 
-Sachen hinzulegen pflegte, einen großen Klumpen Gold. Am Monatsende nahm er 
-von seinem Bauern seinen Abschied. In einem fernen Dorfe kaufte er sich ein, nahm 
-ein Weib und zeugte mit ihr viele Kinder. Mit seiner Familie lebte er auf seinem Hof 
-lange Jahre in Glück und Zufriedenheit. Oftmals erzählte er an den langen 
-Winterabenden seiner Familie von dem Erlebnis mit dem Lüttchen aus Göllnitz. 
- 
-//Quelle: E.H.Wusch: Sagen meiner Heimat, eine Sammlung mündlich übertragener Sagen der Niederlausitz// 
-{{tag>sagen niederlausitz zwerg göllnitz}} 
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