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sagen:de_schef_schnuess_von_der_olligsmuehle

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 Den lieben langen Tag stand er in der ersten Zeit breitbeinig in der Türe der Mühle und musterte jeden Vorübergehenden von oben bis unten, als ob er sonst nichts zu tun hätte oder er streckte wenigstens seinen Glatzkopf aus dem Fenster, wobei ihm aber auch talauf und talab nichts zu entgehen schien. Er verstand es meisterlich, die Leute bis aufs Hemd, wie man zu sagen pflegt, auszuhorchen und auszufragen, so dass er sich rühmte, die Geheimnisse der ganzen Gegend – und darunter verstand er die Schlechtigkeiten und Armseligkeiten, worüber jeder gute Christ den Mantel der Liebe deckt - zu kennen. Den lieben langen Tag stand er in der ersten Zeit breitbeinig in der Türe der Mühle und musterte jeden Vorübergehenden von oben bis unten, als ob er sonst nichts zu tun hätte oder er streckte wenigstens seinen Glatzkopf aus dem Fenster, wobei ihm aber auch talauf und talab nichts zu entgehen schien. Er verstand es meisterlich, die Leute bis aufs Hemd, wie man zu sagen pflegt, auszuhorchen und auszufragen, so dass er sich rühmte, die Geheimnisse der ganzen Gegend – und darunter verstand er die Schlechtigkeiten und Armseligkeiten, worüber jeder gute Christ den Mantel der Liebe deckt - zu kennen.
  
-Einst kamen zwei Nachtvögel spät von der Kirmes in [[geo:badmuenstereifel|Münstereifel]] an der Mühle vorbei. Als er ihnen nach seiner Gewohnheit neugierig nachschaute, blieben die beiden ärgerlich stehen und glotzten ihrerseits den Müller an. Dabei rief der eine: „Es ist doch kurios, dass wir jetzt zwei Monde im Eschweiler Tale haben.“+Einst kamen zwei Nachtvögel spät von der [[zeit:Kirmes]] in [[geo:badmuenstereifel|Münstereifel]] an der Mühle vorbei. Als er ihnen nach seiner Gewohnheit neugierig nachschaute, blieben die beiden ärgerlich stehen und glotzten ihrerseits den Müller an. Dabei rief der eine: „Es ist doch kurios, dass wir jetzt zwei Monde im Eschweiler Tale haben.“
  
 Kaum war diese Anspielung auf die Glatze des Müller dem Gehege der Zähne entflohen, da ergoss sich über die beiden eine solche Flut von nie gehörten Schimpfwörtern und Flüchen, dass sie es vorzogen, eiligst zu verduften und allenthalben erzählten, der Olligsmüller sei jedenfalls nicht auf den Mund gefallen, denn er könnte schimpfen wie kein zweiter. Kaum war diese Anspielung auf die Glatze des Müller dem Gehege der Zähne entflohen, da ergoss sich über die beiden eine solche Flut von nie gehörten Schimpfwörtern und Flüchen, dass sie es vorzogen, eiligst zu verduften und allenthalben erzählten, der Olligsmüller sei jedenfalls nicht auf den Mund gefallen, denn er könnte schimpfen wie kein zweiter.
  
-Am andern Morgen lief der Besitzer des „zweiten Mondes“ schnurstracks nach Münstereifel, und vom Torwächter nach Woher, Wohin und Begehr gefragt, gab er an, eine Perücke kaufen zu müssen; nämlich von wegen der hiesigen nichtsnutzigen Leute, aber eine alte abgelegte täte es ihm auch von wegen der größeren Billigkeit. Da wies ihn denn der Wächter zum Moses Levi an der Werkbrücke. Bei diesem Händler in alten und neuen Sachen erstand er nun um einen Reichstaler eine noch stattliche Perücke, die einstmals das weise Haupt eines Ratsherrn der hoch vermögenden Hauptstadt Münstereifel geziert hatte und von jetzt an mit ihrer Lockenfülle seine Glatze mitleidig zudeckte. Davon, nämlich von der Perücke, bekam er den Namen „Perückenhannes“. „Hannes“ aber nannte man ihn, weil sämtliche Besitzer der Olligsmühle seit alten Zeiten gemäß Überlieferung „Hannes“ geheißen; gleichgültig, ob sie nun wirklich so hießen oder nicht. Die lange Reihe der Hannes wurde nur durch besondere Beinamen unterschieden, was sich gelehrte Geschichtsforscher für genealogische Untersuchungen merken mögen.+Am andern Morgen lief der Besitzer des „zweiten Mondes“ schnurstracks nach Münstereifel, und vom Torwächter nach Woher, Wohin und Begehr gefragt, gab er an, eine Perücke kaufen zu müssen; nämlich von wegen der hiesigen nichtsnutzigen Leute, aber eine alte abgelegte täte es ihm auch von wegen der größeren Billigkeit. Da wies ihn denn der Wächter zum Moses Levi an der Werkbrücke. Bei diesem Händler in alten und neuen Sachen erstand er nun um einen [[lex:Reichstaler]] eine noch stattliche Perücke, die einstmals das weise Haupt eines Ratsherrn der hoch vermögenden Hauptstadt Münstereifel geziert hatte und von jetzt an mit ihrer Lockenfülle seine Glatze mitleidig zudeckte. Davon, nämlich von der Perücke, bekam er den Namen „Perückenhannes“. „Hannes“ aber nannte man ihn, weil sämtliche Besitzer der Olligsmühle seit alten Zeiten gemäß Überlieferung „Hannes“ geheißen; gleichgültig, ob sie nun wirklich so hießen oder nicht. Die lange Reihe der Hannes wurde nur durch besondere Beinamen unterschieden, was sich gelehrte Geschichtsforscher für genealogische Untersuchungen merken mögen.
  
 Mit der Zeit aber wurde „Perückenhannes“ in der näheren und weiteren Umgebung noch unter einem andern Namen weithin bekannt und berühmt. Und das kam so: Er gehörte nämlich zu jenen bedauernswerten Menschenkindern und vermeintlichen Weltverbessern, die mit dem Grundübel behaftet sind, sich um alles und jedes zu bekümmern, absonderlich um Dinge, die sie gar nichts angehen, nur nicht um ihre eigene Armseligkeit, womit doch jeder Mensch genug zu tun haben sollte. Diese unglückseligen Dunkelmänner sehen überall nur Finsternis, weil sie eben selbst davon voll sind; für das Gute in dieser schönen Gotteswelt haben sie weder Sinn noch Verstand. So kam es, dass sein Tagewerk im Schimpfen und Lästern über die Schlechtigkeit der ganzen Welt bestand. Er schimpfte über alles und jedes, selbst über die hohe Obrigkeit lästerte er ohne Aufhören. Mit nichts war er zufrieden, kein Mensch, nicht einmal der liebe Gott, konnte ihm etwas recht machen. Überall sah er nur Schlechtes und Gemeines, denn daran hatte sein schwarzes Herz eine besondere Freude. Mit der Zeit aber wurde „Perückenhannes“ in der näheren und weiteren Umgebung noch unter einem andern Namen weithin bekannt und berühmt. Und das kam so: Er gehörte nämlich zu jenen bedauernswerten Menschenkindern und vermeintlichen Weltverbessern, die mit dem Grundübel behaftet sind, sich um alles und jedes zu bekümmern, absonderlich um Dinge, die sie gar nichts angehen, nur nicht um ihre eigene Armseligkeit, womit doch jeder Mensch genug zu tun haben sollte. Diese unglückseligen Dunkelmänner sehen überall nur Finsternis, weil sie eben selbst davon voll sind; für das Gute in dieser schönen Gotteswelt haben sie weder Sinn noch Verstand. So kam es, dass sein Tagewerk im Schimpfen und Lästern über die Schlechtigkeit der ganzen Welt bestand. Er schimpfte über alles und jedes, selbst über die hohe Obrigkeit lästerte er ohne Aufhören. Mit nichts war er zufrieden, kein Mensch, nicht einmal der liebe Gott, konnte ihm etwas recht machen. Überall sah er nur Schlechtes und Gemeines, denn daran hatte sein schwarzes Herz eine besondere Freude.
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 Darüber ärgerte er sich dann gewaltig, dass er vor Zorn gelb und grün anlief und wie unsinnig herumrannte und sich auf allerlei boshafte Weise zu rächen und jedem die Freude zu verderben suchte. Hatten die Hirtenknaben sich ein Feuerchen angezündet und saßen friedlich im Kreise herum, dann kam er mit einer Schippe geschlichen und schüttete die Glut über die schreienden und davoneilenden Knaben aus und schimpfte sie Faulenzer und Tunichtgute, obgleich er selbst ein Erzfaulenzer war, der sein Geschäft vernachlässigt und nur umherlief, um überall Unheil anzustiften. Darüber ärgerte er sich dann gewaltig, dass er vor Zorn gelb und grün anlief und wie unsinnig herumrannte und sich auf allerlei boshafte Weise zu rächen und jedem die Freude zu verderben suchte. Hatten die Hirtenknaben sich ein Feuerchen angezündet und saßen friedlich im Kreise herum, dann kam er mit einer Schippe geschlichen und schüttete die Glut über die schreienden und davoneilenden Knaben aus und schimpfte sie Faulenzer und Tunichtgute, obgleich er selbst ein Erzfaulenzer war, der sein Geschäft vernachlässigt und nur umherlief, um überall Unheil anzustiften.
  
-Wollte seine brave Frau die Kirche besuchen, wie es die Pflicht eines jeden Christenmenschen ist, dann war es, als ob der Teufel in ihn gefahren sei, er schimpfte und wetterte und lief wie ein wildes Tier umher, denn da er selbst nichts vom Beten und Kirchgehen hielt, suchte er auch anderen die Freude daran zu verderben. Kam die Zeit zum Kirchgange, dann schlich er oftmals mit dem Spinnrade auf dem Rücken aus dem Hause. Kam dann seine Frau an den Kreuzweg, wovon der eine Weg nach Eschweiler führt, dann stand das Rad mitten im Wege. +Wollte seine brave Frau die Kirche besuchen, wie es die Pflicht eines jeden Christenmenschen ist, dann war es, als ob der Teufel in ihn gefahren sei, er schimpfte und wetterte und lief wie ein wildes Tier umher, denn da er selbst nichts vom Beten und Kirchgehen hielt, suchte er auch anderen die Freude daran zu verderben. Kam die Zeit zum Kirchgange, dann schlich er oftmals mit dem Spinnrade auf dem Rücken aus dem Hause. Kam dann seine Frau an den Kreuzweg, wovon der eine Weg nach Eschweiler führt, dann stand das Rad mitten im Wege. „Ach, du mein liebes Spinnrädchen“, jammerte dann die Frau und schlug die Hände über den Kopf zusammen und wusste nicht, ob sie ihr Spinnrad nach Hause tragen und die Kirche versäumen oder das Rad stehen lassen sollte, wo es am Ende gestohlen werden konnte. War sie dann über diese Verlegenheit und den bösen Streich ihres Mannes recht traurig, dann hatte er eine teuflische Freude und lachte: „Haha, soso, jaja, war das wieder einmal ein Spaß. Wozu beten und in die Kirche gehen.“
-„Ach, du mein liebes Spinnrädchen“, jammerte dann die Frau und schlug die Hände über den Kopf zusammen und wusste nicht, ob sie ihr Spinnrad nach Hause tragen und die Kirche versäumen oder das Rad stehen lassen sollte, wo es am Ende gestohlen werden konnte. War sie dann über diese Verlegenheit und den bösen Streich ihres Mannes recht traurig, dann hatte er eine teuflische Freude und lachte: „Haha, soso, jaja, war das wieder einmal ein Spaß. Wozu beten und in die Kirche gehen.“+
  
 Als seine Frau einst ausgegangen war, gab ihm der Teufel einen recht hässlichen Gedanken ein. „Jaja, soso, da werde ich mir einen Spaß mit dem Dienstmädchen machen“, redete er vor sich hin und polterte in ihre Kammer und schrie: „Auf der Stelle mach mir ein ordentliches Feuer, du faule Trine.“ Vorher aber hatte der schreckliche Mensch die glühenden Kohlen des Herdes über den Boden der Küche verstreut. Als nun das Mädchen in der Eile und Angst mit bloßen Füßen in die Küche gelaufen kam, verbrannte sie sich an den glühenden Kohlen und vor Schmerz sprang sie von einem Fuße auf den andern. Wie sehr sie auch jammerte, „Lasst mich doch heraus, die Kohlen brennen gar zu sehr“, der grausame Mensch lachte nur dazu, dass ihm die Tränen die dürren Backen und am schiefen Munde herunter liefen, indem er rief, als das arme Mädchen vor Schmerz hinfiel: „Jaja, soso, haha, der habe ich einmal das Tanzen gelehrt!“ Als seine Frau einst ausgegangen war, gab ihm der Teufel einen recht hässlichen Gedanken ein. „Jaja, soso, da werde ich mir einen Spaß mit dem Dienstmädchen machen“, redete er vor sich hin und polterte in ihre Kammer und schrie: „Auf der Stelle mach mir ein ordentliches Feuer, du faule Trine.“ Vorher aber hatte der schreckliche Mensch die glühenden Kohlen des Herdes über den Boden der Küche verstreut. Als nun das Mädchen in der Eile und Angst mit bloßen Füßen in die Küche gelaufen kam, verbrannte sie sich an den glühenden Kohlen und vor Schmerz sprang sie von einem Fuße auf den andern. Wie sehr sie auch jammerte, „Lasst mich doch heraus, die Kohlen brennen gar zu sehr“, der grausame Mensch lachte nur dazu, dass ihm die Tränen die dürren Backen und am schiefen Munde herunter liefen, indem er rief, als das arme Mädchen vor Schmerz hinfiel: „Jaja, soso, haha, der habe ich einmal das Tanzen gelehrt!“
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 //Quelle: [[https://www.sophie-lange.de/sagen-aus-bad-muenstereifel-und-umgebung/index.php|www.sophie-lange.de]]// //Quelle: [[https://www.sophie-lange.de/sagen-aus-bad-muenstereifel-und-umgebung/index.php|www.sophie-lange.de]]//
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