sagen:das_wannenmaennchen_von_muenstereifel
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| ====== Das Wannenmännchen von Münstereifel ====== | ====== Das Wannenmännchen von Münstereifel ====== | ||
| - | Ist in der [[typ: | + | Pfarrer Krause, Der unerschrockene Mahlhannes |
| + | Eifelvereinsblatt Februar 1911, Seite 33 und 34; | ||
| - | Als er so ganz gemütlich, ohne weiter an etwas zu denken, in die Gegend von [[geo: | + | Ist in der Mühle ein neuer Mahlgang aufgeschüttet und das Werk in Gang gesetzt, dann besorgen die Mahlsteine ganz von selbst die Arbeit, und der Müller hat eine geraume Zeit nichts weiter zu tun. Der pflegt dann nicht selten – die Hände in der Tasche und die Pfeife im Munde – sich an die Tür zu stellen und Ausschau zu halten über Land und Leute. So machte es auch einstmals der Mahlhannes, der durch seine Unerschrockenheit die Gespenstermühle im Eschweiler Tal von ihren unliebsamen Gästen, einer ganzen Herde von [[wesen: |
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| + | Als er so ganz gemütlich, ohne weiter an etwas zu denken, in die Gegend von [[geo: | ||
| Da wäre denn einem anderen vor Schreck und Grausen leichtlich etwas Menschliches passiert oder – wenn es gerade nicht so schlimm gekommen – , so wäre ihm die Pfeife doch vor Schreck sicher aus dem Munde gefallen, alle Haare wären ihm zu Berge gestiegen und falls er vor Furcht nicht ganz erstarrt gewesen, wäre er schleunigst ins Haus gelaufen, hätte die Türe eiligst hinter sich zugeschlagen, | Da wäre denn einem anderen vor Schreck und Grausen leichtlich etwas Menschliches passiert oder – wenn es gerade nicht so schlimm gekommen – , so wäre ihm die Pfeife doch vor Schreck sicher aus dem Munde gefallen, alle Haare wären ihm zu Berge gestiegen und falls er vor Furcht nicht ganz erstarrt gewesen, wäre er schleunigst ins Haus gelaufen, hätte die Türe eiligst hinter sich zugeschlagen, | ||
| So einer aber war unser Mahlhannes nicht. „Aha“, brummte er vor sich hin, „ich will nicht Hannes heißen und mich auf der Stelle lebendig begraben lassen, wenn das nicht das Wannenmännchen von Münstereifel ist, von dem meine Großmutter selig so viel erzählt hat. Da bin ich doch neugierig, was der hier will.“ Ohne weiter etwas zu sagen, ließ er das Gespenst ganz nahe auf sich zukommen. Der ohne Kopf stellte sich nun gerade vor Hannes hin und begann aus tiefster Brust ganz erbärmlich zu seufzen und zu stöhnen, sagte aber dabei kein Wort. | So einer aber war unser Mahlhannes nicht. „Aha“, brummte er vor sich hin, „ich will nicht Hannes heißen und mich auf der Stelle lebendig begraben lassen, wenn das nicht das Wannenmännchen von Münstereifel ist, von dem meine Großmutter selig so viel erzählt hat. Da bin ich doch neugierig, was der hier will.“ Ohne weiter etwas zu sagen, ließ er das Gespenst ganz nahe auf sich zukommen. Der ohne Kopf stellte sich nun gerade vor Hannes hin und begann aus tiefster Brust ganz erbärmlich zu seufzen und zu stöhnen, sagte aber dabei kein Wort. | ||
| - | Da merkte denn Hannes, dass der Geist nicht gekommen war, um ihm den Hals umzudrehen, sondern vielmehr, um von ihm [[typ: | + | Da merkte denn Hannes, dass der Geist nicht gekommen war, um ihm den Hals umzudrehen, sondern vielmehr, um von ihm erlöst zu werden. „Alle guten Geister loben den Herrn“, fing er also an, wie er es von seiner Großmutter selig gelernt hatte, dass man bei einem Geisterbesuche sprechen müsse. „Wer seid Ihr und was ist Euer Begehr, dass Ihr so ohne Kopf mit der Wanne in den beiden Händen daherlauft? |
| - | Da ließ der Geist noch einen Seufzer fahren, und es war, als ob ihm dabei ein dicker, schwerer Stein vom Herzen fiel. Er sprach: „Lieber Hannes, ich bin das Wannenmännchen von geo: | + | Da ließ der Geist noch einen Seufzer fahren, und es war, als ob ihm dabei ein dicker, schwerer Stein vom Herzen fiel. Er sprach: „Lieber Hannes, ich bin das Wannenmännchen von [[geo: |
| Nun legte das Wannenmännchen ein vollständiges Bekenntnis all seiner Sünden und Frevel ab, worüber wir aber den Mantel der christlichen Liebe, da wir ja allzumal Sünder sind, decken wollen. Die Sache würde sich sonst ohnehin zu lange hinziehen. Kurz und gut also. | Nun legte das Wannenmännchen ein vollständiges Bekenntnis all seiner Sünden und Frevel ab, worüber wir aber den Mantel der christlichen Liebe, da wir ja allzumal Sünder sind, decken wollen. Die Sache würde sich sonst ohnehin zu lange hinziehen. Kurz und gut also. | ||
| Das Wannenmännchen war zu seinen Lebzeiten ein arger Kornwolf [jemand, der Korn aufkauft und es zu Wucherpreisen weiterverkauft], | Das Wannenmännchen war zu seinen Lebzeiten ein arger Kornwolf [jemand, der Korn aufkauft und es zu Wucherpreisen weiterverkauft], | ||
| - | Mit diesem französischen Abschied aber war Hannes durchaus nicht einverstanden. Also schrie er: „Heh! Holla! Hoh! Wertes Wannenmännchen, | + | Mit diesem französischen Abschied aber war Hannes durchaus nicht einverstanden. Also schrie er: „Heh! Holla! Hoh! Wertes Wannenmännchen, |
| - | Das Wannenmännchen konnte nicht umhin, dem klugen Hannes Recht zu geben und froh darüber, nach so langem Schweigen wieder sprechen zu dürfen, öffnete es den Mund zu folgender Schlussrede: | + | Das Wannenmännchen konnte nicht umhin, dem klugen Hannes Recht zu geben und froh darüber, nach so langem Schweigen wieder sprechen zu dürfen, öffnete es den Mund zu folgender Schlussrede: |
| - | So sprach das Männchen, verunsichtbarte sich und ließ dem Hannes eine mit Weizen wohlgefüllte Wanne zurück. Den Weizen nun schüttete Hannes, da eben der letzte Mahlgang abgelaufen war, flugs auf; denn der Gespensterweizen sah nicht anders aus wie guter Weizen, den die Bauern auf ihrem Acker ziehen. Damit hatte aber Hannes, ohne es zu wissen, eine große Dummheit begangen, denn seit jener Zeit wurden die Brötchen immer kleiner und kleiner. Während früher ein Mann sich an einem einzigen Brötchen herzhaft satt essen konnte, reichen jetzt viele nicht mehr aus. Das kommt von dem Geistermehle des guten [[vip: | + | So sprach das Männchen, verunsichtbarte sich und ließ dem Hannes eine mit Weizen wohlgefüllte Wanne zurück. Den Weizen nun schüttete Hannes, da eben der letzte Mahlgang abgelaufen war, flugs auf; denn der Gespensterweizen sah nicht anders aus wie guter Weizen, den die Bauern auf ihrem Acker ziehen. Damit hatte aber Hannes, ohne es zu wissen, eine große Dummheit begangen, denn seit jener Zeit wurden die Brötchen immer kleiner und kleiner. Während früher ein Mann sich an einem einzigen Brötchen herzhaft satt essen konnte, reichen jetzt viele nicht mehr aus. Das kommt von dem Geistermehle des guten [[wesen: |
| - | Die Wanne aber zeigte Hannes mit Stolz seinen Besuchern und sie hörten sich mit Grausen die Geschichte vom Wannenmännchen an, und da war keiner, der bei einem so deutlich sichtbaren Beweise, wie die vom Gespenste zurückgelassene Wanne, an der Wahrheit des Berichtes gezweifelt hätte. Bis auf einen Besucher aus der Reichs- und Hauptstadt Münstereifel. Das war einer von den Aufgeklärten, | + | Die Wanne aber zeigte Hannes mit Stolz seinen Besuchern und sie hörten sich mit Grausen die Geschichte vom Wannenmännchen an, und da war keiner, der bei einem so deutlich sichtbaren Beweise, wie die vom Gespenste zurückgelassene Wanne, an der Wahrheit des Berichtes gezweifelt hätte. Bis auf einen Besucher aus der Reichs- und Hauptstadt Münstereifel. Das war einer von den Aufgeklärten, |
| - | Da flog ihm aber, da er mitten im besten Beweisen war, plötzlich die Gespensterwanne – natürlich von unsichtbaren Geisterhänden geworfen – an den Kopf, dass es krachte, und man wusste nicht, ob der hohle Kopf oder die Wanne oder beide zugleich so vernehmlich gekracht hatten. Kurz und gut, der Schwätzer verstummte und später erzählte er im „Wilden Mann“ am Markt in [[geo: | + | Da flog ihm aber, da er mitten im besten Beweisen war, plötzlich die Gespensterwanne – natürlich von unsichtbaren Geisterhänden geworfen – an den Kopf, dass es krachte, und man wusste nicht, ob der hohle Kopf oder die Wanne oder beide zugleich so vernehmlich gekracht hatten. Kurz und gut, der Schwätzer verstummte und später erzählte er im „Wilden Mann“ am Markt in Münstereifel den Wirtshausgästen, |
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