sagen:das_nachtessen
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| - | ====== Das Nachtessen ====== | ||
| - | In der Nähe von Marklissa erhebt sich der sogenannte Zangenberg, auf welchem in den Zeiten des Faustrechts sich ein Raubschloß befand, das, so wie der Auerberg, mit der Landskrone in Verbindung stand und ihren Bewohnern durch aufgesteckte Feuerzeichen – wie in neuern Zeiten durch Telegraphe – Nachrichten und im Fall der Noth Warnungen ertheilte. | ||
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| - | Einst ereignete es sich am Tage St. Jakobi des 1649 Jahres, daß sich ein ehrsamer marklissaer Bürger – da man zu damaligen Zeiten die Bürgerlisten nicht so genau wie gegenwärtig führte, ist sein Name nicht auf die Nachwelt gekommen – im Kruge in trauter Freunde Kreise, wo weidlich über die ausgestandenen Drangsale des so eben beendeten schrecklichen Krieges, der so lange hindurch in Teutschland gewüthet, seine blühenden Städte eingeäschert, | ||
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| - | Endlich schickte sich die Gesellschaft zum Nachhausegehen an, von welcher nach der Trennung Einer links- der Andere rechtswärts sich wendete. | ||
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| - | Unser Mann nun, der wider seine Gewohnheit zu lange gewacht und so zu sagen den Schlaf übergangen, | ||
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| - | Zufällig kam er so in die Nähe des Zangenberges; | ||
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| - | Da ein Windstoß die Thüre öffnete, ohne daß es die Speisenden bemerkten, machte sich unser Wanderer näher, stellte sich an eine Ecke und betrachtete aufmerksam die aufgetragenen Speisen. | ||
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| - | Gleich einem beliebten Schriftsteller, | ||
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| - | Wäre der ehrliche Bürger ein Literat gewesen, so würde ihm gewiß die Teufelsküche in Shakespear’s Macbeth eingefallen seyn; so aber überfiel ihn blos Entsetzen und Grauen, ihm ward unheimlich und der Pech- und Schwefelgeruch erregte bei ihm ein heftiges Niesen. Dieses nun erweckte die Schlemmergesellschaft. – „Ich wittre einen Erdwurm!“ – rief Einer der Ritter, den goldenen Becher wüthend nach dem Armen schleudernd, | ||
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| - | Dieser Becher soll noch vor ungefähr achtzig Jahren auf dem Schlosse zu Sagan gezeigt worden und gegenwärtige Sage, fein sauber auf Pergament geschrieben, | ||
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| - | //Quelle: Heinrich Gottlob Gräve, Volkssagen und volksthümliche Denkmale der Lausitz, S. 99-102, Erscheinungsdatum: | ||
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