sagen:das_kreuz_unfern_liebenau_bei_kamenz
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| ====== Das Kreuz unfern Liebenau bei Kamenz ====== | ====== Das Kreuz unfern Liebenau bei Kamenz ====== | ||
| - | Ueber dem 1/2 Stunde von [[geo: | + | Ueber dem 1/2 Stunde von [[geo: |
| - | Als am 12. Mai des 1633. Jahres | + | Als am 12. Mai des 1633. Jahres Kamenz von den kaiserlichen Truppen besetzt und gebrandschatzt wurde, befand sich unter einem Reiterregiment derselben ein Rittmeister, |
| Vorzüglich fiel sein Verdacht auf einen jungen, artigen, ebenso schönen, als tapferen Kornet, von welchem er wähnte, daß er Gnade von seiner Frau´n Augen gefunden habe. Nichts vermochte er ihm, - der pünktlich in seinem Dienste war - vorwerfen oder wegen nur der geringsten Aufmerksamkeit seine Gemahlin bezüchtigen, | Vorzüglich fiel sein Verdacht auf einen jungen, artigen, ebenso schönen, als tapferen Kornet, von welchem er wähnte, daß er Gnade von seiner Frau´n Augen gefunden habe. Nichts vermochte er ihm, - der pünktlich in seinem Dienste war - vorwerfen oder wegen nur der geringsten Aufmerksamkeit seine Gemahlin bezüchtigen, | ||
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| Diesem ungeachtet war nichts vermögend, ihm die Augen zu öffnen, eine bessere Gesinnung gegen die Schuldlosen zu erzeugen oder sein böses, tückisches Gemüth eines besseren zu belehren. Seine Augen blieben, gleich den Sodomiten, mit Blindheit geschlagen, sein Verstand wie Aegyptens Tag verfinstert und sein Herz wie Pharao´s verstockt. | Diesem ungeachtet war nichts vermögend, ihm die Augen zu öffnen, eine bessere Gesinnung gegen die Schuldlosen zu erzeugen oder sein böses, tückisches Gemüth eines besseren zu belehren. Seine Augen blieben, gleich den Sodomiten, mit Blindheit geschlagen, sein Verstand wie Aegyptens Tag verfinstert und sein Herz wie Pharao´s verstockt. | ||
| - | Da er sich nun an dem Kornet nicht rächen konnte, beschloß er selbiges an seinem fleckenlosen Weibe zu thun, daher er denn - da, wie bemerkt, sein Regiment in Kamenz und der Umgegend garnisonirte - seine Ehehälfte eines Abends freundlich zu einem Spaziergange einlud. Gern und Willig folgte sie ihm, sich mit gewöhnlicher Zärtlichkeit an seinen Arm hangend. Ungemein freundlich und liebevoll wurde er, und sie - seit den ersten Flitterwochen ihrer Ehe einer solchen Behandlung entwöhnt, - immer liebevoller und zärtlicher. Als er aber an den, gegenwärtig mit jenem Kreuz bezeichneten Ort - welcher wahrscheinlich zu jenen Zeiten mit dichten Holz bewachsen gewesen sein mag - kam, änderte er auf einmal sein Wesen; wild rollten seine Augen, hoch sträubte sich sein Haar, des Zornes Runzeln furchten seine Stirn und plötzlich entriß er, - seiner Gattin krampfhaft die [[typ:mord|Gurgel zudrückend]], - seinem Gürtel den Dolch, vor Wuth schäumend, folgende Worte heulend: " | + | Da er sich nun an dem Kornet nicht rächen konnte, beschloß er selbiges an seinem fleckenlosen Weibe zu thun, daher er denn - da, wie bemerkt, sein Regiment in Kamenz und der Umgegend garnisonirte - seine Ehehälfte eines Abends freundlich zu einem Spaziergange einlud. Gern und Willig folgte sie ihm, sich mit gewöhnlicher Zärtlichkeit an seinen Arm hangend. Ungemein freundlich und liebevoll wurde er, und sie - seit den ersten Flitterwochen ihrer Ehe einer solchen Behandlung entwöhnt, - immer liebevoller und zärtlicher. Als er aber an den, gegenwärtig mit jenem Kreuz bezeichneten Ort - welcher wahrscheinlich zu jenen Zeiten mit dichten Holz bewachsen gewesen sein mag - kam, änderte er auf einmal sein Wesen; wild rollten seine Augen, hoch sträubte sich sein Haar, des Zornes Runzeln furchten seine Stirn und plötzlich entriß er, - seiner Gattin krampfhaft die Gurgel zudrückend, |
| Ein paar Tage darauf verließ der wilde Haufe Stadt und Umgegend und erst im kommenden Frühjahre fand man die jämmerlich zerfleischten, | Ein paar Tage darauf verließ der wilde Haufe Stadt und Umgegend und erst im kommenden Frühjahre fand man die jämmerlich zerfleischten, | ||
| Mehrere Jahre waren verflossen, während welcher der Rittmeister zum Obersten, der Kornet aber zum Rittmeister gestiegen war; allein selbst die Zeit hatte den Haß Ersterns gegen Letztern nicht geändert, denn nach wie vor suchte er ihn, unter Erhebung seines Wohlverhaltens, | Mehrere Jahre waren verflossen, während welcher der Rittmeister zum Obersten, der Kornet aber zum Rittmeister gestiegen war; allein selbst die Zeit hatte den Haß Ersterns gegen Letztern nicht geändert, denn nach wie vor suchte er ihn, unter Erhebung seines Wohlverhaltens, | ||
| - | Die Gefahr gleicht einer Schlange, welche, oft gereizt, endlich doch einmal verwundet. So auch hier. - In der blutigen Schlacht bei Rheinfelden (den 21. Febr. 1638) hatte der [[typ:Oberst]] den [[typ:Rittmeister]] wiederum an einen Platz gestellt, wo zu vermuthen war, daß der Streit am hitzigsten werden mußte. | + | Die Gefahr gleicht einer Schlange, welche, oft gereizt, endlich doch einmal verwundet. So auch hier. - In der blutigen Schlacht bei Rheinfelden (den 21. Febr. 1638) hatte der Oberst den Rittmeister wiederum an einen Platz gestellt, wo zu vermuthen war, daß der Streit am hitzigsten werden mußte. |
| Wunder der Tapferkeit verrichtend, | Wunder der Tapferkeit verrichtend, | ||
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| Mit diesen Worten hemmte das dem Munde entstürzende Blut seine Sprache. - Er war nicht mehr. | Mit diesen Worten hemmte das dem Munde entstürzende Blut seine Sprache. - Er war nicht mehr. | ||
| - | Von diesem Augenblick an trieb es den Obersten unstät und flüchtig umher, nirgends fand er Ruhe, denn Tag und Nacht schwebte der blutige, bleiche Schatten seiner Gattin vor der Seele des Trostlosen. Endlich führte der Dinge Wechsel sein Regiment wiederum nach Kamenz; er eilte an die Stelle, wo er die Schuldlose geopfert hatte, fiel mit den Worten: "Ewige Einung mit Dir!" in sein Schwer, wurde am Morgen entseelt gefunden und ihm zum Andenken jener [[typ: | + | Von diesem Augenblick an trieb es den Obersten unstät und flüchtig umher, nirgends fand er Ruhe, denn Tag und Nacht schwebte der blutige, bleiche Schatten seiner Gattin vor der Seele des Trostlosen. Endlich führte der Dinge Wechsel sein Regiment wiederum nach Kamenz; er eilte an die Stelle, wo er die Schuldlose geopfert hatte, fiel mit den Worten: "Ewige Einung mit Dir!" in sein Schwer, wurde am Morgen entseelt gefunden und ihm zum Andenken jener Stein mit eingehauenem Schwert errichtet. |
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