sagen:das_gluecksrad
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| - | ====== Das Glücksrad ====== | ||
| - | Zwölf Landsknechte kamen aus dem ditmarser Krieg und hatten wenig vor sich gebracht. Da sie nun traurig und kleinmüthig im Land umher strichen und heut nicht wußten, was sie morgen zu beißen hatten, begegnete ihnen ein Grauröcklein, | ||
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| - | Die Landsknechte meinten: was es denn wäre? „Man heißt es das Glücksrad, das steht mir zu Gebot und wen ich darauf bringe, der lernt wahrsagen den Leuten und graben den Schatz aus der Erde; doch nicht anders vermag ich euch drauf zu setzen, als mit dem Beding, daß ich Macht und Gewalt habe, einen aus eurem Haufen mit mir wegzuführen.“ | ||
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| - | Sie begehrten nun zu wissen: welchen von ihnen er zu nehmen Willens sey? Der Graurock antwortete: „zu welchem ich Lust trage, das wird sich hernach zeigen, voraus weiß ichs nicht.“ Drauf nahmen die Landeknechte eine lange Ueberlegung, | ||
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| - | Nach diesem so führte sie der Graurock hin an die Stelle, wo sein Rad stund, das war so groß, daß wie sie alle darauf kamen, jeglicher drei Klaftern weit ab vom andern saß; eins aber verbot er ihnen: daß ja keiner den andern ansähe, so lange sie auf dem Rad säßen, wer das nicht thue, dem bräche er den Hals. | ||
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| - | Als sie nun ordnungsmäßig aufgesessen, | ||
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| - | Wie sie nun zwölf Stunden ausgehalten hatten, rückte der Glücksmeister einen feinen jungen Menschen vom Rade, der eines Burgermeisters Sohn aus Meissen war und führte ihn mitten durch die Feuerflamme mit sich hin. Die elf andern wußten nicht wie ihnen geschehen und sanken betäubt nieder in tiefen Schlaf, und als sie etliche Stunden lang unter freiem Himmel gelegen, wachten sie auf, aber ihre Kleider auf dem Leibe und ihre Hemder die waren ganz mürb geworden und zerfielen beim Angreifen, von der großen Hitze wegen, die auf dem Rad gewesen war. | ||
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| - | Darauf erhoben sie sich und gingen jeder seines Wegs, in der Hoffnung, ihr Lebtag alles gnug und eitel Glück zu haben, waren aber nach wie vor arm und mußten das Brot vor anderer Leute Hausthüre suchen. | ||
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| - | //Quelle: Brüder Grimm, Deutsche Sagen, Band 1, S. 286–288, 1816// | ||
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sagen/das_gluecksrad.1580300688.txt.gz · Zuletzt geändert: (Externe Bearbeitung)
