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sagen:capitel21-03

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 ====== Die Geister im Stromberg und im Löbauer Berg ====== ====== Die Geister im Stromberg und im Löbauer Berg ======
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 Am folgenden Morgen erhielten die Leute in Krapitz und Kattlitz von den Geistern den Befehl, sie sollten in der nächsten Nacht die Hunde angebunden halten und sich nicht aus den Wohnungen rühren. Das thaten auch die Leute. In derselben Nacht aber hatte sich ein Mädchen im Freien verspätet. Da hörte es auf der Strasse von Weißenberg Wagengerassel und Pferdegetrappel. Das Mädchen blieb neugierig unter dem Thorweg stehen. Zuerst sah es eine Menge kleiner Geister in guter Ordnung Vorüberziehen. Dann folgten Reiter, mit alten, verschimmelten Jacken angethan, hinter welchen zwölf kleine schone Ochsen einen grossen, eisernen Wagen mit silbernen Beifen zogen, auf welchem sich eine grosse Pfanne, die mit Gold gefüllt war, befand.  Am folgenden Morgen erhielten die Leute in Krapitz und Kattlitz von den Geistern den Befehl, sie sollten in der nächsten Nacht die Hunde angebunden halten und sich nicht aus den Wohnungen rühren. Das thaten auch die Leute. In derselben Nacht aber hatte sich ein Mädchen im Freien verspätet. Da hörte es auf der Strasse von Weißenberg Wagengerassel und Pferdegetrappel. Das Mädchen blieb neugierig unter dem Thorweg stehen. Zuerst sah es eine Menge kleiner Geister in guter Ordnung Vorüberziehen. Dann folgten Reiter, mit alten, verschimmelten Jacken angethan, hinter welchen zwölf kleine schone Ochsen einen grossen, eisernen Wagen mit silbernen Beifen zogen, auf welchem sich eine grosse Pfanne, die mit Gold gefüllt war, befand. 
  
-Als der Wagen vorüber war, folgten wieder Reiter, angeführt von einem Manne mit einem hohen Federbusche. Am Thore, unter welchem das Mädchen zitternd stand, hielt plötzlich der Anführer und begann sorgfaltig auf der Erde zu suchen. Als dem Mädchen nichts geschah, fasste es Muth, trat naher und sprach: „Was sucht Ihr, mein Herr?“ Dieser wandte sein bärtiges Antlitz und seine blitzenden Augen der Fragenden zu und antwortete missmuthig. „Einen Ring habe ich verloren,“ darauf suchte er weiter. Das Mädchen begann jetzt auch zu suchen, und fand wirklich den Ring. Derselbe war von reinem Golde, geschmückt mit einem grossen, funkelnden Edelstein. Das Mädchen trat schnell an den Herrn heran und übergab ihm den Ring. Dieser nahm ihn hocherfreut und sprach zu ihr: „Heute kann ich Dir nichts geben, aber komm über's Jahr auf den Löbauer Berg, dort will ich Dich belohnen!" +Als der Wagen vorüber war, folgten wieder Reiter, angeführt von einem Manne mit einem hohen Federbusche. Am Thore, unter welchem das Mädchen zitternd stand, hielt plötzlich der Anführer und begann sorgfaltig auf der Erde zu suchen. Als dem Mädchen nichts geschah, fasste es Muth, trat naher und sprach: „Was sucht Ihr, mein Herr?“ Dieser wandte sein bärtiges Antlitz und seine blitzenden Augen der Fragenden zu und antwortete missmuthig. „Einen Ring habe ich verloren,“ darauf suchte er weiter. Das Mädchen begann jetzt auch zu suchen, und fand wirklich den Ring. Derselbe war von reinem Golde, geschmückt mit einem grossen, funkelnden Edelstein. Das Mädchen trat schnell an den Herrn heran und übergab ihm den Ring. Dieser nahm ihn hocherfreut und sprach zu ihr: „Heute kann ich Dir nichts geben, aber komm über's Jahr auf den [[region:löbauerberg|Löbauer Berg]], dort will ich Dich belohnen!" 
  
 Uebers Jahr machte sich das Mädchen auf, aber nicht allein, der Storch hatte ihr inzwischen ein Söhnchen gebracht, und mit diesem ging das Mädchen auf den Löbauer Berg. Als es am Berge war, sah es in einer Felsenwand ein Thor weit geöffnet. Durch dasselbe gelangte es in eine grosse Höhle, in welcher ein goldener Tisch stand: an dem Tisch sassen die Reiter, welche in jener Nacht vorüber gezogen waren, aber alle schliefen.  Uebers Jahr machte sich das Mädchen auf, aber nicht allein, der Storch hatte ihr inzwischen ein Söhnchen gebracht, und mit diesem ging das Mädchen auf den Löbauer Berg. Als es am Berge war, sah es in einer Felsenwand ein Thor weit geöffnet. Durch dasselbe gelangte es in eine grosse Höhle, in welcher ein goldener Tisch stand: an dem Tisch sassen die Reiter, welche in jener Nacht vorüber gezogen waren, aber alle schliefen. 
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 Kaum war das Mädchen eingetreten, so reckten Alle die Köpfe in die Höhe, ein alter Reitersmann aber trat herzu und fragte: „Beschenken sich die Wenden noch gegenseitig mit frischgebackenem Brode?“ Ohne Furcht antwortete das Mädchen: „Ja wohl!“ Der Alte fragte weiter: „Fliegen in der Lausitz noch die schnatternden Vogel mit den langen Schwänzen?“ Das Mädchen wusste nicht sogleich, welche Vogel der Alte meinte, doch fiel ihm ein, es mochten wohl die Elstern sein, und schnell antwortete es: „Ja, ja, deren giebt es dort noch genug.“ Da liess der Alte den Kopf hängen und sprach: „Dann ist unsere Zeit noch nicht gekommen.“  Kaum war das Mädchen eingetreten, so reckten Alle die Köpfe in die Höhe, ein alter Reitersmann aber trat herzu und fragte: „Beschenken sich die Wenden noch gegenseitig mit frischgebackenem Brode?“ Ohne Furcht antwortete das Mädchen: „Ja wohl!“ Der Alte fragte weiter: „Fliegen in der Lausitz noch die schnatternden Vogel mit den langen Schwänzen?“ Das Mädchen wusste nicht sogleich, welche Vogel der Alte meinte, doch fiel ihm ein, es mochten wohl die Elstern sein, und schnell antwortete es: „Ja, ja, deren giebt es dort noch genug.“ Da liess der Alte den Kopf hängen und sprach: „Dann ist unsere Zeit noch nicht gekommen.“ 
  
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 //Quelle: [[autor:veckenstedt|Edmund Veckenstedt]]: [[buch:wendischesagen|Wendische Sagen, Märchen und abergläubische Gebräuche]]. Leuschner & Lubensky, Graz 1880// //Quelle: [[autor:veckenstedt|Edmund Veckenstedt]]: [[buch:wendischesagen|Wendische Sagen, Märchen und abergläubische Gebräuche]]. Leuschner & Lubensky, Graz 1880//
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