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sagen:bergmaennischesagen122

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 +====== Das Salzwerk um Mitternacht ======
  
 +Zu [[geo:Hallein]] tief im Wald gibt es einen tiefen Schacht,\\
 +Der öffnet, lang verschüttet, sich stets um Mitternacht.\\
 +Da glänzt von Grubenlichtern herauf ein roter Schein,\\
 +Es tönt wie mächtig Hämmern tief unten im Gestein.\\
 +
 +Das sind die Knappen alle, die dort der Tod erfasst\\
 +Bei fromm ergeb’nem Fleiße, im Tagwerk ohne Rast.\\
 +Sie schlummern in der Kühlung, wo sie der Bergsturz traf,\\
 +Und steh’n nur mitternächtlich zur Arbeit auf vom Schlaf.\\
 +
 +Es glänzt die Felsenhalle von hundert Lampen hell,\\
 +Drin quillt aus blauem Marmor ein mächtig frischer Quell.\\
 +Sie stehen längs den Wänden im grauen Berggewand,\\
 +Mit halb geschloss’nen Augen, mit nimmer müder Hand.\\
 +
 +Sie höhlen tief im Felsen, da funkelt’s wie Metall,\\
 +Sie fördern ihn in Blöcken den reinen Salzkristall,\\
 +Und zu dem Felsendröhnen und zu der Hämmer Klang\\
 +Ertönt von bleichen Lippen ein wunderbarer Sang.\\
 +
 +Dann fassen rüstig hebend sie all das Salzgestein\\
 +Und streun es in die Quelle mit voller Hand hinein,\\
 +Und reichen sich die Hände und legen sich zur Ruh ,\\
 +Und schlägt es eins vom Turme, ist auch der Schacht schon zu.\\
 +
 +Doch weiter rinnt die Quelle, tief, lauten Wellenschlags,\\
 +Verborgen, bis bei Hallein sie quillt zum Licht des Tags.\\
 +Da scheint ihr Lauf zu zögern, zu frieren scheint ihr Schwall,\\
 +Da bildet Stund’ auf Stunde sich reich der Salzkristall.\\
 +
 +Das Wunder, das sich also mit jedem Tag erneut,\\
 +Es ist der Lohn, der schönste, den uns der Herr verleiht,\\
 +Des unberühmten Fleißes, der nimmer müde war.\\
 +Selbst aus dem Grabe wirket er Gutes wunderbar.\\
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 +//Quelle: [[autor:wrubel|Friedrich Wrubel]], [[buch:bergmaennischesagen|Sammlung bergmännischer Sagen]], 1883//
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 +{{tag>sagen wrubel bergmaennischesagen österreich hallein bergbau schacht bergsturz salz v2}}
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