sagen:bergmaennischesagen112
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| ====== Die Schicht in der Christnacht ====== | ====== Die Schicht in der Christnacht ====== | ||
| - | Niklas war ein liederlicher Geselle. Den [[typ:Lohn]], den er in der [[typ:Grube]] erwarb, vertrank und verspielte er. Sein braves und fleißiges Weib musste sich selbst und zum großen Teil auch ihn mit ihrer Hände Arbeit erhalten. Dabei aber erfuhr sie von seiner Seite auch noch schlechte Behandlung. So traf es sich eines Tages, dass, als ihr Mann wieder | + | Niklas war ein liederlicher Geselle. Den Lohn, den er in der Grube erwarb, vertrank und verspielte er. Sein braves und fleißiges Weib musste sich selbst und zum großen Teil auch ihn mit ihrer Hände Arbeit erhalten. Dabei aber erfuhr sie von seiner Seite auch noch schlechte Behandlung. So traf es sich eines Tages, dass, als ihr Mann wieder betrunken nach Hause kam und sie ihm deshalb Vorstellungen machte, er sie bei den Haaren fasste und heftig schlug, ohne ihrer Klagen und ihres Jammers zu achten. Es war gerade am [[zeit: |
| »Dir ist nichts heilig«, schluchzte die Misshandelte, | »Dir ist nichts heilig«, schluchzte die Misshandelte, | ||
| - | »Was liegt mir an der Christnacht!«, | + | »Was liegt mir an der Christnacht!«, |
| - | Er kam zwar trotz seiner Trunkenheit unversehrt in den Schacht, konnte jedoch in seinem Taumel den Ort nicht finden, wo er gewöhnlich arbeitete. Er ließ sich dadurch nicht irre machen, sondern begann an einem anderen Platz, wo gerade Arbeitszeug lag, emsig darauf loszuhämmern. Da hörte er plötzlich um sich ein Summen und Flüstern, Rascheln und Schleifen. Kleine dunkle Gestalten sah er wie der [[typ:Blitz]] aus einer Felsenwand herausfahren und ebenso schnell in der entgegengesetzten verschwinden. Ebenso schnell erschienen sie wieder und vermehrten sich in Kurzem derart, dass sie einen förmlichen | + | Er kam zwar trotz seiner Trunkenheit unversehrt in den Schacht, konnte jedoch in seinem Taumel den Ort nicht finden, wo er gewöhnlich arbeitete. Er ließ sich dadurch nicht irre machen, sondern begann an einem anderen Platz, wo gerade Arbeitszeug lag, emsig darauf loszuhämmern. Da hörte er plötzlich um sich ein Summen und Flüstern, Rascheln und Schleifen. Kleine dunkle Gestalten sah er wie der Blitz aus einer Felsenwand herausfahren und ebenso schnell in der entgegengesetzten verschwinden. Ebenso schnell erschienen sie wieder und vermehrten sich in Kurzem derart, dass sie einen förmlichen Kreis um den erstaunten Bergmann schlossen. Nun konnte er deutlich ihre Worte vernehmen, die sie einander zuriefen: »Er ist da, er ist da, sein Fleisch wollen wir essen, seine Knöchlein abnagen. Wird ein gutes Gericht werden. Kommt, die Messerlein schleifen!« |
| - | Niklas Erstaunen ging in Entsetzen über, als er diese Reden hörte und nun den ganzen Tross, der aus kleinen gespenstigen Bergknappen bestand, rasch fortstürzen sah. Sein Rausch war mit einem Mal verflogen und hatte einer Nüchternheit Platz gemacht, welche ihm sagte, dass er sich in der Macht böser [[typ: | + | Niklas Erstaunen ging in Entsetzen über, als er diese Reden hörte und nun den ganzen Tross, der aus kleinen gespenstigen Bergknappen bestand, rasch fortstürzen sah. Sein Rausch war mit einem Mal verflogen und hatte einer Nüchternheit Platz gemacht, welche ihm sagte, dass er sich in der Macht böser [[wesen: |
| In diesem furchtbaren Augenblick aber kehrte zum ersten Mal seit langer Zeit wieder der Gedanke an Gott in seinem Herzen ein. Sich auf die Knie werfend, betete er in höchster Angst: »Herr, sei meiner armen Seele gnädig!« | In diesem furchtbaren Augenblick aber kehrte zum ersten Mal seit langer Zeit wieder der Gedanke an Gott in seinem Herzen ein. Sich auf die Knie werfend, betete er in höchster Angst: »Herr, sei meiner armen Seele gnädig!« | ||
| - | Da erhellte mit einem Mal ein glänzender Schein den unheimlichen Raum, ohne dass Niklas, der erstaunt aufgesprungen war, gewahr werden konnte, woher das Licht komme. Eine unsichtbare Macht hatte ihn erfasst und zog ihn unwiderstehlich rückwärts, | + | Da erhellte mit einem Mal ein glänzender Schein den unheimlichen Raum, ohne dass Niklas, der erstaunt aufgesprungen war, gewahr werden konnte, woher das Licht komme. Eine unsichtbare Macht hatte ihn erfasst und zog ihn unwiderstehlich rückwärts, |
| »Dort ist er hinaus, dort ist er hinaus«, riefen die Stimmen durcheinander, | »Dort ist er hinaus, dort ist er hinaus«, riefen die Stimmen durcheinander, | ||
| - | In allen Häuschen und Hütten war es hell, überall feierte man die heilige Christnacht. Vom Glockenturm ertönten die [[typ: | + | In allen Häuschen und Hütten war es hell, überall feierte man die heilige Christnacht. Vom Glockenturm ertönten die Glocken, welche zur Mette riefen. Die überstandene Todesangst und die wunderbare Rettung hatten auf Niklas einen tiefen Eindruck gemacht. Sein vorangegangenes Leben trat vor seine Seele, und er beschloss, ein anderer Mensch zu werden. Er sah die Leute zur Kirche gehen und auch ihn zog es mit Macht dorthin. Er wollte gleich heute mit einem neuen Lebenswandel beginnen, und seinem festen Willen gelang es auch. |
| - | Heiteren Mutes kam er aus der Mette nach Hause. Seine betrübte Frau erstaunte nicht wenig über das ruhige, friedliche Benehmen ihres Ehegatten, der zwar über das Vorgefallene ein tiefes | + | Heiteren Mutes kam er aus der Mette nach Hause. Seine betrübte Frau erstaunte nicht wenig über das ruhige, friedliche Benehmen ihres Ehegatten, der zwar über das Vorgefallene ein tiefes Schweigen beobachtete, |
| - | Die nächste Christnacht brachte Niklas erbaulicher und heiterer zu als die vergangene und erzählte seiner glücklichen Frau am warmen | + | Die nächste Christnacht brachte Niklas erbaulicher und heiterer zu als die vergangene und erzählte seiner glücklichen Frau am warmen Ofen, was er an demselben Abend des vorigen Jahres in der Grube erlebt hatte. |
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sagen/bergmaennischesagen112.1677742430.txt.gz · Zuletzt geändert: (Externe Bearbeitung)
