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sagen:bergmaennischesagen104

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-[[autor:wrubel|Friedrich Wrubel]], [[buch:bergmaennischesagen|Sammlung bergmännischer Sagen]]+====== Der goldene Schacht in Reichenbach ======
  
 +In [[geo:reichenbachvogtland|Reichenbach]] im Schacht wächst falbes Gold zuhauf.\\
 +Der Fleiß, die Mühe brachte ans Tageslicht es herauf.\\
 +Stets hundert Mann im Stollen, die fuhren ein und aus,\\
 +des typ:erz|Erzes viel zu holen, und hundert ruhen aus.\\
  
 +Den goldenen Esel finden, zu heben ihn empor,\\
 +Das hoffen sie in Sünden: Sein Ohr lugt schon hervor.\\
 +Es pfeift der Geist im Berge entsetzensvoll und graus,\\
 +Es heulen schwarze Zwerge und löschen Lampen aus.\\
 +
 +Doch hundert Mann im Stollen arbeiten immerzu,\\
 +Das goldene Tier zu holen, und hundert haben Ruh.\\
 +Und draußen toben Stürme, der Hase läuft bergan;\\
 +Es schwanken Haus und Türme und Glocken schlagen an.\\
 +
 +Sie schlagen laut und helle, jetzt neunundneunzigmal,\\
 +Es banget jeder Seele ob dieser Glocken Schall.\\
 +Die Menschen gehen, schwanken; die Erde zittert, bebt;\\
 +Mit schrecklichen Gedanken ist jede Brust belebt.\\
 +
 +Doch hundert Mann im Stollen arbeiten immerzu,\\
 +Das goldene Tier zu holen, und hundert suchen Ruh.\\
 +Und als sie ihn gehoben, den Esel, golden schwer,\\
 +Und einer führt nach oben, Musik zu holen her,\\
 +
 +O weh … da bricht die Erde, es fällt der Esel schwer,\\
 +Und neunundneunzig Menschen sind leblos … sind nicht mehr.\\
 +Seitdem ist nun im Schacht kein falbes Gold zuhauf.\\
 +Der Fleiß, die Mühe brachte nur Gift statt Gold herauf.\\
 +
 +//Quelle: [[autor:wrubel|Friedrich Wrubel]], [[buch:bergmaennischesagen|Sammlung bergmännischer Sagen]], 1883//
 +----
 +{{tag>sagen wrubel bergmaennischesagen bergbau reichenbachvogtland stollen gold bergmann sturm glocke esel unglück v2}}
sagen/bergmaennischesagen104.1676626674.txt.gz · Zuletzt geändert: (Externe Bearbeitung)