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sagen:bergmaennischesagen085

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 ====== Der Jäger von Höllendorf ====== ====== Der Jäger von Höllendorf ======
  
-In [[region:Böhmen]], dicht an der sächsischen [[typ:Grenze]], liegt ein Ort namens Höllendorf. Dort lebte vor langer Zeit ein [[typ:Jäger]], über den das Gerücht ging, er stünde im Bunde mit dem [[typ:Teufel]]. Denn wenn er zum [[typ:Fenster]] herausschoss, lag allemal vor seiner Tür jedes Wild, das er verlangte. Dieser Mann hatte schon längst und wiederholt die Tochter eines [[typ:steiger|Obersteigers]] zur Frau begehrt, jedes Mal aber abschlägige Antwort erhalten, teils wegen seines üblen Rufes, teils, weil das Mädchen bereits einem Untersteiger versprochen war. Eines Tages nun war das Mädchen plötzlich verschwunden, niemand wusste wohin. Man bot alles auf, sie wiederzufinden, jedoch vergeblich.+In [[region:Böhmen]], dicht an der sächsischen Grenze, liegt ein Ort namens Höllendorf. Dort lebte vor langer Zeit ein Jäger, über den das Gerücht ging, er stünde im Bunde mit dem [[wesen:Teufel]]. Denn wenn er zum Fenster herausschoss, lag allemal vor seiner Tür jedes Wild, das er verlangte. Dieser Mann hatte schon längst und wiederholt die Tochter eines Obersteigers zur Frau begehrt, jedes Mal aber abschlägige Antwort erhalten, teils wegen seines üblen Rufes, teils, weil das Mädchen bereits einem Untersteiger versprochen war. Eines Tages nun war das Mädchen plötzlich verschwunden, niemand wusste wohin. Man bot alles auf, sie wiederzufinden, jedoch vergeblich.
  
-Der Geliebte des Mädchens war untröstlich. Er hatte gerade Nachtschicht, da erschien ihm um [[zeit:Mitternacht]] der gute [[typ:Berggeist]], umgeben von hell strahlendem Licht. Der Untersteiger erschrak heftig.+Der Geliebte des Mädchens war untröstlich. Er hatte gerade Nachtschicht, da erschien ihm um Mitternacht der gute [[wesen:Berggeist]], umgeben von hell strahlendem Licht. Der Untersteiger erschrak heftig.
  
-Aber der [[typ:Geist]] redete ihm mit guten und sanften Worten zu und sprach: »Fürchte dich nicht, ich bin der gute Berggeist; der böse steht mit dem Jäger in einem Bunde und hat das Mädchen in einen [[typ:Schacht]] geführt, dessen Eingang nur der böse kennt, und wozu außer ihm nur noch der Jäger Zutritt hat. Allein ich will dir helfen. Hier sind drei [[typ:gerste|Gerstenkörner]], diese lege gleich in die Erde. Bis morgen sind sie aufgegangen und in drei Tagen tragen sie Frucht. Mache aus denselben Mehl, backe daraus einen Gerstenkuchen und bringe ihn dem Jäger zum Geschenk.«+Aber der Geist redete ihm mit guten und sanften Worten zu und sprach: »Fürchte dich nicht, ich bin der gute Berggeist; der böse steht mit dem Jäger in einem Bunde und hat das Mädchen in einen Schacht geführt, dessen Eingang nur der böse kennt, und wozu außer ihm nur noch der Jäger Zutritt hat. Allein ich will dir helfen. Hier sind drei Gerstenkörner, diese lege gleich in die Erde. Bis morgen sind sie aufgegangen und in drei Tagen tragen sie Frucht. Mache aus denselben Mehl, backe daraus einen Gerstenkuchen und bringe ihn dem Jäger zum Geschenk.«
  
-Dies alles geschah. Drei Tage darauf kam der Jäger, bleich und am ganzen Körper zitternd zu dem Untersteiger und erbot sich, ihn dahin zu führen, wo sich seine Geliebte befände. Dieser, hoch erfreut, seine Verlobte wiedersehen zu können und dann auf immer mit ihr vereint zu werden durch des Priesters Hand, folgte seinem Führer über steile Berge und tiefe Täler, durch dichte Wälder und [[typ:sumpf|sumpfige]] Ebenen, bis sie an dem Bestimmungsort angelangt waren.+Dies alles geschah. Drei Tage darauf kam der Jäger, bleich und am ganzen Körper zitternd zu dem Untersteiger und erbot sich, ihn dahin zu führen, wo sich seine Geliebte befände. Dieser, hoch erfreut, seine Verlobte wiedersehen zu können und dann auf immer mit ihr vereint zu werden durch des Priesters Hand, folgte seinem Führer über steile Berge und tiefe Täler, durch dichte Wälder und sumpfige Ebenen, bis sie an dem Bestimmungsort angelangt waren.
  
-Es war Nacht. Über ihnen zogen sich dichte Wolken zusammen, tiefschwarz war der ganze [[typ:Himmel]]. Kaum stieg der Jäger den Schacht hinab, so erfolgte Schlag auf Schlag, und während des furchtbarsten [[typ:donner|Donnergetöses]] zuckten flammende [[typ:blitz|Blitze]]. Bei dem blauen Licht der Blitze sah der Steiger, wie über dem Jäger der ganze [[typ:Schacht]] [[typ:einsturz|zusammenstürzte]] und ihn und die [[typ:Braut]] auf ewig begrub.+Es war Nacht. Über ihnen zogen sich dichte Wolken zusammen, tiefschwarz war der ganze Himmel. Kaum stieg der Jäger den Schacht hinab, so erfolgte Schlag auf Schlag, und während des furchtbarsten Donnergetöses zuckten flammende Blitze. Bei dem blauen Licht der Blitze sah der Steiger, wie über dem Jäger der ganze Schacht zusammenstürzte und ihn und die Braut auf ewig begrub.
  
 Weil nun der böse Geist über den guten siegte, nannte man den Ort, wo sich die Geschichte zugetragen haben soll, Höllendorf. Weil nun der böse Geist über den guten siegte, nannte man den Ort, wo sich die Geschichte zugetragen haben soll, Höllendorf.
  
-//Quelle: [[autor:wrubel|Friedrich Wrubel]], [[buch:bergmaennischesagen|Sammlung bergmännischer Sagen]], 1883; [[https://www.geisterspiegel.de/?p=44687#more-44687|www.geisterspiegel.de]]//+//Quelle: [[autor:wrubel|Friedrich Wrubel]], [[buch:bergmaennischesagen|Sammlung bergmännischer Sagen]], 1883//
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