sagen:bergmaennischesagen076
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| ====== Hans von Wülfersreuth ====== | ====== Hans von Wülfersreuth ====== | ||
| - | Es gab einmal eine Zeit, wo in allen Gebirgsgegenden Deutschlands Venediger, überhaupt Italiener herumzogen, um, wie es hieß, Goldsand aufzusuchen. Sie handelten zum Schein mit Hecheln oder Mäusefallen und kehrten, wenn sie ihre Säckel mit dem sogenannten Goldsand gefüllt hatten, wieder heim. Solche Venediger, wie sie gewöhnlich genannt wurden, kamen auch in das Fichtelgebirge, | + | Es gab einmal eine Zeit, wo in allen Gebirgsgegenden Deutschlands |
| So lebte Gabriel zehn Jahre lang in steter Einigkeit und Freundschaft bei dem Bauern. Keine störte den anderen in seinen Geschäften. Der Bauer fragte nicht, wo der Fremdling am Tage herumgehe, was er suche, ob er denn gar nicht wieder heimkehren wolle, und dieser bezahlte wöchentlich seine Zeche, ohne zu äußern, dass er bald, dass er überhaupt einmal wieder fortgehen werde. Beide waren aneinander gewöhnt und lebten gern beisammen. | So lebte Gabriel zehn Jahre lang in steter Einigkeit und Freundschaft bei dem Bauern. Keine störte den anderen in seinen Geschäften. Der Bauer fragte nicht, wo der Fremdling am Tage herumgehe, was er suche, ob er denn gar nicht wieder heimkehren wolle, und dieser bezahlte wöchentlich seine Zeche, ohne zu äußern, dass er bald, dass er überhaupt einmal wieder fortgehen werde. Beide waren aneinander gewöhnt und lebten gern beisammen. | ||
| - | Da es dem Bauer nach einer lange reihe von Jahren gar nicht einfiel, dass sein Freund ihn je wieder verlassen könne, so kam es ihm um so unerwarteter, | + | Da es dem Bauer nach einer lange reihe von Jahren gar nicht einfiel, dass sein Freund ihn je wieder verlassen könne, so kam es ihm um so unerwarteter, |
| Aber Gabriel ging doch. Beim Abschied drückte er seinem biederen Gastwirt recht herzlich die Hand und sprach: »Leb wohl, Hans, und lass dir zum Abschied noch sagen: Es steht dir ein trauriges Geschick bevor. Du wirst einst in große Not geraten, wo du Geld und Freunde nötig hast, wenn du gerettet werden sollst. Dank dann an mich, deinen Freund Gabriel, und komm nach Venedig. Leb wohl!« | Aber Gabriel ging doch. Beim Abschied drückte er seinem biederen Gastwirt recht herzlich die Hand und sprach: »Leb wohl, Hans, und lass dir zum Abschied noch sagen: Es steht dir ein trauriges Geschick bevor. Du wirst einst in große Not geraten, wo du Geld und Freunde nötig hast, wenn du gerettet werden sollst. Dank dann an mich, deinen Freund Gabriel, und komm nach Venedig. Leb wohl!« | ||
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| Aber sein Weib, eine Frau, redete ihm zu, sich der Worte zu entschlagen und nicht weiter daran zu denken. Doch schwer wurde das dem guten Hans, und nur die Zeit konnte das Andenken daran etwas schwächen. Es verging ein Jahr, es verging noch eins, und da noch immer keine Not eingetreten war, so ließ der Glaube an die Prophezeiung nach, und kein Mensch im Haus dachte weiter daran. | Aber sein Weib, eine Frau, redete ihm zu, sich der Worte zu entschlagen und nicht weiter daran zu denken. Doch schwer wurde das dem guten Hans, und nur die Zeit konnte das Andenken daran etwas schwächen. Es verging ein Jahr, es verging noch eins, und da noch immer keine Not eingetreten war, so ließ der Glaube an die Prophezeiung nach, und kein Mensch im Haus dachte weiter daran. | ||
| - | Nach vier Jahren war Hans eines Sonntags wie gewöhnlich in der Schenke. Er hatte es sich wohl schmecken lassen und war etwas mehr als lustig. Da erhob sich vor der Tür des Hauses ein Gezänk zwischen jungen Burschen. Erst war es ein heftiger Wortwechsel, | + | Nach vier Jahren war Hans eines Sonntags wie gewöhnlich in der [[lex: |
| Plötzlich wurde der arme Hans nüchtern, und fort sprang er, der gerechten Strafe zu entgehen. Zwar verfolgten ihn die Verwandten des Erschlagenen, | Plötzlich wurde der arme Hans nüchtern, und fort sprang er, der gerechten Strafe zu entgehen. Zwar verfolgten ihn die Verwandten des Erschlagenen, | ||
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| »Aber wo liegt denn Venedig? Rechts, links, vorwärts oder rückwärts? | »Aber wo liegt denn Venedig? Rechts, links, vorwärts oder rückwärts? | ||
| - | Er ging daher auf gut Glück immer vorwärts. Mancher lachte ihn aus, den er nach dem nächsten Weg nach Venedig fragte, mancher wies ihn zurecht. So kam erd enn endlich nach zehn vollen Wochen in der schönen Stadt an. Kaum hatte er ein paar Schritte in derselben getan, so fragte er den Ersten, der ihm begegnete, wo Gabriel wohne. Aber der ließ ihn stehen und gab ihm keine Antwort. Er ging weiter, sah sich überall nach Gabriel um, aber Gabriel war nicht zu finden. Er fragte wohl noch zehnmal nach Gabriels Wohnung, aber man lachte ihn aus oder antwortete höchstens durch Kopfschütteln. | + | Er ging daher auf gut Glück immer vorwärts. Mancher lachte ihn aus, den er nach dem nächsten Weg nach Venedig fragte, mancher wies ihn zurecht. So kam er denn endlich nach zehn vollen Wochen in der schönen Stadt an. Kaum hatte er ein paar Schritte in derselben getan, so fragte er den Ersten, der ihm begegnete, wo Gabriel wohne. Aber der ließ ihn stehen und gab ihm keine Antwort. Er ging weiter, sah sich überall nach Gabriel um, aber Gabriel war nicht zu finden. Er fragte wohl noch zehnmal nach Gabriels Wohnung, aber man lachte ihn aus oder antwortete höchstens durch Kopfschütteln. |
| So verging der erste, der zweite und auch der dritte Tag. Hans lief sich matt und müde durch alle Straßen, fragte und fragte, aber Gabriel war nicht zu finden. | So verging der erste, der zweite und auch der dritte Tag. Hans lief sich matt und müde durch alle Straßen, fragte und fragte, aber Gabriel war nicht zu finden. | ||
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| Gabriel verließ den erstaunten Hans. Dieser wählte das Bärenbett und schlief köstlich bis zum anderen Morgen. | Gabriel verließ den erstaunten Hans. Dieser wählte das Bärenbett und schlief köstlich bis zum anderen Morgen. | ||
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