sagen:bergmaennischesagen068
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| ====== Der Lautenthaler Bergmann in Venedig ====== | ====== Der Lautenthaler Bergmann in Venedig ====== | ||
| - | Vor Zeiten lebte in [[geo: | + | Vor Zeiten lebte in [[geo: |
| - | Im Frühjahr holte er einstmals Schilf in einem [[typ: | + | Im Frühjahr holte er einstmals Schilf in einem Waldteich. Als er sich zwei tüchtige Bunde zurechtgemacht hatte, wurde er müde und legte sich hin. Es war gerade ein recht heißer Tag, und im Schatten der hohen Bäume schlummerte es sich so herrlich. Wie lange er da geschlafen hatte, das wusste er nicht. Er wachte indes wieder auf, denn es weckte ihn jemand, und siehe, da stand ein Mann vor ihm, der war recht freundlich gegen ihn und fragte ihn, wie es gehe. Der Bergmann wollte erst nicht recht mit der Sprache heraus, er war noch halb im Schlaf. Der Fremde wurde aber immer zutraulicher und der Bergmann schließlich munterer, fing auch an zu sprechen und sagte, er habe viele Not, er müsse für acht Kinder Brot schaffen, und dazu sei schlimme Zeit, wenig zu verdienen, da wisse man wohl, wie es einem gehe. |
| Der Fremde sagte: »Wenn du mir vertrauen willst, so kann ich dir helfen, und du bist mit einem Mal alles Leides ledig.« | Der Fremde sagte: »Wenn du mir vertrauen willst, so kann ich dir helfen, und du bist mit einem Mal alles Leides ledig.« | ||
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| »Das versteht sich von selbst. So lege dich nur wieder hin und schlafe, dann wirst du sehen, wie es kommt.« | »Das versteht sich von selbst. So lege dich nur wieder hin und schlafe, dann wirst du sehen, wie es kommt.« | ||
| - | Der Bergmann ist noch herzlich müde. Er denkt auch: Im Schlaf kann man nicht leicht sündigen. Und schläft ein. Wie lange er dieses Mal geschlafen hatte, hat er nicht gewusst. Als er wieder aufwachte, lag er in einem [[typ:Bett]] von Samt und Seide. In der Stube standen an den Wänden die schönsten Gerätschaften, | + | Der Bergmann ist noch herzlich müde. Er denkt auch: Im Schlaf kann man nicht leicht sündigen. Und schläft ein. Wie lange er dieses Mal geschlafen hatte, hat er nicht gewusst. Als er wieder aufwachte, lag er in einem Bett von Samt und Seide. In der Stube standen an den Wänden die schönsten Gerätschaften, |
| »O ja«, antwortete der Bergmann. »Aber, meine Herren, wo bin ich denn?« | »O ja«, antwortete der Bergmann. »Aber, meine Herren, wo bin ich denn?« | ||
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| »Ach«, antwortete der Bergmann, »das bin ich nicht gewohnt. Ich kann allein aufstehen.« | »Ach«, antwortete der Bergmann, »das bin ich nicht gewohnt. Ich kann allein aufstehen.« | ||
| - | Er stieg aus dem Bett und wollte sein Zeug anziehen. Das war aber fort, und die Diener zogen ihm andere Kleider an, viel schönere, und putzten ihn ordentlich heraus, dass er wie ein vornehmer Herr aussah. Auch hatte er sich an einem silbernen Waschbecken waschen müssen. Der Diener reichte ihm in einem kristallenen | + | Er stieg aus dem Bett und wollte sein Zeug anziehen. Das war aber fort, und die Diener zogen ihm andere Kleider an, viel schönere, und putzten ihn ordentlich heraus, dass er wie ein vornehmer Herr aussah. Auch hatte er sich an einem silbernen Waschbecken waschen müssen. Der Diener reichte ihm in einem kristallenen Krug Mundwasser, alles aufs Beste und Feinste. Der Bergmann wunderte sich in einem fort und schüttelte mit dem Kopf. Er wusste gar nicht, ob denn alles so in Wirklichkeit war oder ob er nur träumte. |
| Hierauf fragten die Diener, womit sie ihm aufwarten können. | Hierauf fragten die Diener, womit sie ihm aufwarten können. | ||
| - | »Ach«, sagte der Bergmann, »ich habe [[typ:Hunger]] und möchte gern etwas essen!« | + | »Ach«, sagte der Bergmann, »ich habe Hunger und möchte gern etwas essen!« |
| Gleich waren die Diener fort, und es dauerte nicht lange, so brachten sie ihm ein Frühstück, | Gleich waren die Diener fort, und es dauerte nicht lange, so brachten sie ihm ein Frühstück, | ||
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| Na, dachte der Bergmann, wenn du doch isst, trinkst und satt wirst, so ist es kein Traum! | Na, dachte der Bergmann, wenn du doch isst, trinkst und satt wirst, so ist es kein Traum! | ||
| - | Er setzte sich hin und aß und trank, bis er nicht mehr konnte, denn es schmeckte ihm alles so gut, wie ihm noch nichts geschmeckt hatte, der Braten, das schöne weiße Brot und dazu der starke | + | Er setzte sich hin und aß und trank, bis er nicht mehr konnte, denn es schmeckte ihm alles so gut, wie ihm noch nichts geschmeckt hatte, der Braten, das schöne weiße Brot und dazu der starke Wein, der so feurig gewesen war. Nun wurde er dreister und fragte die Diener, wo denn ihr Herr stecke, und wer das wäre. |
| - | Eben wollten ihm die Diener antworten, da kam der Herr zur Tür herein, und das war gerade derselbe gewesen, der freundliche und liebreiche Herr, den der Bergmann dort bei [[geo:Lautenthal]] gesehen und gesprochen, der ihm gesagt hatte, er solle nur wieder einschlafen, | + | Eben wollten ihm die Diener antworten, da kam der Herr zur Tür herein, und das war gerade derselbe gewesen, der freundliche und liebreiche Herr, den der Bergmann dort bei Lautenthal gesehen und gesprochen, der ihm gesagt hatte, er solle nur wieder einschlafen, |
| Der kam auf ihn zu, reichte ihm die Hand und fragte: »Na, wie gefällt es dir hier?« | Der kam auf ihn zu, reichte ihm die Hand und fragte: »Na, wie gefällt es dir hier?« | ||
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| »Ich will dich beglücken«, | »Ich will dich beglücken«, | ||
| - | Als der Bergmann davor stand, sah er stich, wie er seine jetzige Frau als Mädchen fragte, ob sie seine Frau werden wolle; dann, wie er sie als [[typ:Braut]] in die Kirche führte und Hochzeit feierte und noch manches andere, was er schon längst vergessen hatte, woran er aber gleich wieder dachte und was ihm auch gleich wieder einfiel. Vor Verwunderung konnte er kein Wort sprechen. Da führte ihn der Herr zum zweiten | + | Als der Bergmann davor stand, sah er stich, wie er seine jetzige Frau als Mädchen fragte, ob sie seine Frau werden wolle; dann, wie er sie als Braut in die Kirche führte und Hochzeit feierte und noch manches andere, was er schon längst vergessen hatte, woran er aber gleich wieder dachte und was ihm auch gleich wieder einfiel. Vor Verwunderung konnte er kein Wort sprechen. Da führte ihn der Herr zum zweiten Spiegel, da sah er, wie seine Frau und Kinder zu Hause weinten, jammerten und wehklagten um ihn, denn sie meinten, er sei tot. Das machte den Vater weichherzig, |
| - | »Sieh«, sagte der [[typ: | + | »Sieh«, sagte der [[wesen: |
| »Ach, ich will alles tun, was Ihr mir sagt«, sprach der Bergmann, »sagt nur, was ich tun soll.« | »Ach, ich will alles tun, was Ihr mir sagt«, sprach der Bergmann, »sagt nur, was ich tun soll.« | ||
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| »Willst du noch länger hier bleiben, so steht es dir frei, willst du aber nach Hause, so kann das auch geschehen«, | »Willst du noch länger hier bleiben, so steht es dir frei, willst du aber nach Hause, so kann das auch geschehen«, | ||
| - | »Ach ja«, antwortete der Bergmann, »ich will den meinen zu Hilfe kommen, ich kann nicht so lange das [[typ:Elend]] ansehen, in dem sie sind. Sage nur, teurer Gönner, wie kann ich helfen?« Darauf erhielt er zur Antwort: »Wenn du nach Hause kommst, so grabe unter dem Baum, der in deinem Garten steht, ein Loch, zwei Fuß tief, bei Nacht, zwischen 11 und 12 Uhr. Dann wirst du darin eine gelbe Erde finden. Davon drücke dir jedes Mal zwei Kugeln, so groß, dass du sie mit beiden Händen umspannen kannst, trage sie nach [[geo: | + | »Ach ja«, antwortete der Bergmann, »ich will den meinen zu Hilfe kommen, ich kann nicht so lange das Elend ansehen, in dem sie sind. Sage nur, teurer Gönner, wie kann ich helfen?« Darauf erhielt er zur Antwort: »Wenn du nach Hause kommst, so grabe unter dem Baum, der in deinem Garten steht, ein Loch, zwei Fuß tief, bei Nacht, zwischen 11 und 12 Uhr. Dann wirst du darin eine gelbe Erde finden. Davon drücke dir jedes Mal zwei Kugeln, so groß, dass du sie mit beiden Händen umspannen kannst, trage sie nach [[geo: |
| - | Er probierte es und gab die so gemachten | + | Er probierte es und gab die so gemachten Edelsteine, welche wie die Sonne leuchteten, dem Bergmann zum Andenken und sagte: »Wenn du nach Goslar kommst, so bekommst du schweres Geld dafür.« |
| Der Bergmann bedankte sich mit Tränen im Auge aufs Herzlichste dafür, wickelte sie recht sorgfältig ein und steckte sie in die Tasche. | Der Bergmann bedankte sich mit Tränen im Auge aufs Herzlichste dafür, wickelte sie recht sorgfältig ein und steckte sie in die Tasche. | ||
| - | »Nun«, sprach der Venediger, »komm und lass uns auch ein wenig spazieren gehen. Du musst doch auch sehen, wie es in [[geo:Venedig]] ist.« | + | »Nun«, sprach der Venediger, »komm und lass uns auch ein wenig spazieren gehen. Du musst doch auch sehen, wie es in Venedig ist.« |
| Des Abends spät kamen sie erst wieder nach Hause, und der Bergmann wusste gar nicht mehr, was er alles Schönes und Herrliches gesehen hatte. Der Herr wünschte ihm Gute Nacht. Die Diener waren dem Bergmann beim Ausziehen wieder behilflich, er musste sich wieder in das schöne Bett legen und war gleich vor übergroßer Müdigkeit eingeschlafen. | Des Abends spät kamen sie erst wieder nach Hause, und der Bergmann wusste gar nicht mehr, was er alles Schönes und Herrliches gesehen hatte. Der Herr wünschte ihm Gute Nacht. Die Diener waren dem Bergmann beim Ausziehen wieder behilflich, er musste sich wieder in das schöne Bett legen und war gleich vor übergroßer Müdigkeit eingeschlafen. | ||
| - | Als er am anderen Morgen aufwachte, lag er wieder unter der [[typ:Tanne]]. Erst meinte er, er habe geträumt, griff daher gleich in die Tasche. Da steckten aber die beiden | + | Als er am anderen Morgen aufwachte, lag er wieder unter der Tanne. Erst meinte er, er habe geträumt, griff daher gleich in die Tasche. Da steckten aber die beiden Edelsteine, die der Venediger ihm gemacht und geschenkt hatte. Nun machte er sich gleich auf den Weg nach Goslar, verkaufte sie und bekam dafür schweres Geld. Wie er wieder nach Hause kam, da stürzten ihm Frau und Kinder vor Freuden entgegen, hingen sich an seinen Hals, an seine Hände und Beine, dass er vorerst gar nicht zu Worte kommen konnte. Dann ging es ans Fragen, ob er auch Geld mitgebracht habe, sie wären alle hungrig, fast am Verhungern. Nun wurde gleich fortgeschickt und Fleisch und Brot gekauft, und das erste Mal nach langer Zeit konnten sich Frau und Kinder satt essen. |
| - | Des Abends ging der Bergmann zwischen 11 und 12 Uhr in den Garten und fand alles so, wie es der Venediger gesagt hatte. Lange Jahre war der Bergmann folgsam und genügsam gewesen und wurde ein grundreicher Mann. Doch am Ende fuhr ihm der Geizteufel in den Kopf. Er machte in einer Woche zum dritten Mal Kugeln und brachte sie nach [[geo:Goslar]]. Als er mit voller Tasche zurückkam, wurde er müde. Er mochte wollen oder nicht, er musst sich unter eine [[typ:Tanne]] legen und schlief ein. | + | Des Abends ging der Bergmann zwischen 11 und 12 Uhr in den Garten und fand alles so, wie es der Venediger gesagt hatte. Lange Jahre war der Bergmann folgsam und genügsam gewesen und wurde ein grundreicher Mann. Doch am Ende fuhr ihm der Geizteufel in den Kopf. Er machte in einer Woche zum dritten Mal Kugeln und brachte sie nach Goslar. Als er mit voller Tasche zurückkam, wurde er müde. Er mochte wollen oder nicht, er musst sich unter eine Tanne legen und schlief ein. |
| - | Da erschien ihm der [[typ:Venediger]], weckte ihn auf und sprach: | + | Da erschien ihm der Venediger, weckte ihn auf und sprach: |
| - | »Siehst du, jetzt wirst du wieder so arm werden, wie du früher gewesen bist. Das hast du von deiner | + | »Siehst du, jetzt wirst du wieder so arm werden, wie du früher gewesen bist. Das hast du von deiner Habgier!« |
| - | Damit verschwand er. Und so wie er es gesagt und wie er es im [[typ:Spiegel]] gesehen hatte, so ist es auch gekommen. Er hatte am Ende noch verhungern müssen. | + | Damit verschwand er. Und so wie er es gesagt und wie er es im Spiegel gesehen hatte, so ist es auch gekommen. Er hatte am Ende noch verhungern müssen. |
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