sagen:bergmaennischesagen062
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| ====== Der Berggeist läßt sich von einem Bergmann Lieder singen und arbeitet während dieser Zeit für ihn ====== | ====== Der Berggeist läßt sich von einem Bergmann Lieder singen und arbeitet während dieser Zeit für ihn ====== | ||
| - | Joseph, ein junger | + | Joseph, ein junger Bergknappe, war bei allen seinen Kameraden wegen seines harmlosen, fröhlichen Gemütes beliebt. Besonders im Gasthause und bei lustigen Gelagen war er wohl gelitten, da er durch seinen Gesang alles in heitrer Stimmung zu erhalten wußte. Von Natur aus mit einer schönen Stimme begabt, hatte er auch viel Sinn für Musik, und ein feines, treues Gehör, welches Ursache war, daß er jedes Lied, das er zwei bis dreimal gehört hatte, auch schon auswendig wußte. Er trug einen reichen Vorrat solcher Gesänge in seinem Kopf, und wenn der fleißige Häuer in der Grube nach dem Fäustel griff, ertönte schon seine Stimme hell, und gewöhnlich begann er mit einem kühnen, prächtigen Jodler, welchem ein gemütliches Alpenlied folgte, worauf er ein ganzes Register von Bergmanns-, Soldaten-, Gesellschafts- und Trinkliedern durchmachte, |
| - | Eines Morgens, als er bei der Arbeit wieder seine Stimme lustig erschallen ließ, wurde er plötzlich gewahr, daß in einer Ecke des Raumes, innerhalb welchem er arbeitete, eine kleine Gestalt, halb Bergmann, halb [[typ:Einsiedler]], auf einem Felsstücke kauerte und dem Gesange aufmerksam zuzuhören schien. Joseph, der keine [[typ: | + | Eines Morgens, als er bei der Arbeit wieder seine Stimme lustig erschallen ließ, wurde er plötzlich gewahr, daß in einer Ecke des Raumes, innerhalb welchem er arbeitete, eine kleine Gestalt, halb Bergmann, halb Einsiedler, auf einem Felsstücke kauerte und dem Gesange aufmerksam zuzuhören schien. Joseph, der keine Furcht kannte, auch nicht gerne gegen jemanden ohne Ursache unfreundlich war, dachte: Sei es, wer es wolle, wenn er mich nicht stört, mag er in Ruhe an seinem Platze bleiben und mir zuhören. Und er arbeitete rüstig weiter, und sang fröhlich wie zuvor. Als aber die Schicht zu Ende war, verschwand wieder das Männlein. |
| - | Am folgenden Tage hatte sich der Kleine wieder eingefunden, | + | Am folgenden Tage hatte sich der Kleine wieder eingefunden, |
| - | Auch am dritten Tage blieb Joseph hartnäckig; | + | Auch am dritten Tage blieb Joseph hartnäckig; |
| - | Ohne ein Wort mehr zu verlieren griff das Männlein nach dem [[typ:Schlägel]] und Eisen, während Joseph sich wie zum Spaße auf den Play setzte, den bisher sein Zuhörer eingenommen; | + | Ohne ein Wort mehr zu verlieren griff das Männlein nach dem Schlägel und Eisen, während Joseph sich wie zum Spaße auf den Play setzte, den bisher sein Zuhörer eingenommen; |
| "Du bist ein wackerer Geselle," | "Du bist ein wackerer Geselle," | ||
| - | "Will es alle Tage thun,“ versetzte dieser in seinem kurzen, barschen Tone; "du singst, ich arbeite." | + | "Will es alle Tage thun,“ versetzte dieser in seinem kurzen, barschen Tone; "du singst, ich arbeite." |
| - | Von diesem Tage an kümmerte sich Joseph nur um neue Lieder; die Arbeit machte ihm keine Beschwerden mehr. Er sang frisch darauf los und der Berggeist arbeitete, ohne daß je ein Wort zwischen ihnen gewechselt wurde. Des Bergmanns | + | Von diesem Tage an kümmerte sich Joseph nur um neue Lieder; die Arbeit machte ihm keine Beschwerden mehr. Er sang frisch darauf los und der Berggeist arbeitete, ohne daß je ein Wort zwischen ihnen gewechselt wurde. Des Bergmanns Tasche war von nun an nie mehr leer. |
| - | Als am Schlusse des Monats der Schichtmeister mit dem Hutmanne in die [[typ:Grube]] kam, um den Arbeitern das [[lex: | + | Als am Schlusse des Monats der Schichtmeister mit dem Hutmanne in die Grube kam, um den Arbeitern das [[lex: |
| - | In Josephs Lebensweise begann aber allmählich eine Veränderung vorzugehen. Da er nicht mehr zu arbeiten brauchte, um seinen Lebensunterhalt zu decken, so wurde aus dem fleißigen, thätigen Bergmann bald ein träger, weichlicher Mensch; sein steter Vorrat an Barschaft fesselte ihn an die Wirtshäuser ; er wurde ein Zecher, Spieler und Raufbold, und von seinen früheren angenehmen Eigenschaften, | + | In Josephs Lebensweise begann aber allmählich eine Veränderung vorzugehen. Da er nicht mehr zu arbeiten brauchte, um seinen Lebensunterhalt zu decken, so wurde aus dem fleißigen, thätigen Bergmann bald ein träger, weichlicher Mensch; sein steter Vorrat an Barschaft fesselte ihn an die Wirtshäuser; |
| - | Wie es aber im Leben zu häufig geschieht, daß man gerade von demjenigen, welchem man die größten Gefälligkeiten erwiesen, den schlechtesten | + | Wie es aber im Leben zu häufig geschieht, daß man gerade von demjenigen, welchem man die größten Gefälligkeiten erwiesen, den schlechtesten Dank erntet, so war dies auch hier der Fall. Josephs Kameraden wurden ihm um sein besseres Einkommen neidisch und suchten auf jede mögliche Weise auszuspionieren, |
| - | Aber endlich faßten drei Kameraden den festen Entschluß, um jeden Preis ihm das Geständniß zu entlocken, woher sein Reichtum stamme, der trotz Josephs Wohlleben nicht abzunehmen schien. Sie hatten zu diesem Zwecke bisher schon mancherlei Versuche gemacht, aber alle waren bei Josephs Vorsichtigkeit vergeblich gewesen. Allein nun war das Bergfest wieder herangekommen, | + | Aber endlich faßten drei Kameraden den festen Entschluß, um jeden Preis ihm das Geständniß zu entlocken, woher sein Reichtum stamme, der trotz Josephs Wohlleben nicht abzunehmen schien. Sie hatten zu diesem Zwecke bisher schon mancherlei Versuche gemacht, aber alle waren bei Josephs Vorsichtigkeit vergeblich gewesen. Allein nun war das Bergfest wieder herangekommen, |
| - | Tödlicher | + | Tödlicher Schreck überfiel ihn, als es heraus war. Er hatte schnell einen Teil seines Rausches wieder verloren; die Worte ließen sich jedoch nicht wieder zurücknehmen. In Fieberträumen brachte er die Nacht hin, und bevor der Morgen graute, war er wieder wach. "Es kostet mein Leben," |
| - | Unten harrte schon der Gnome seiner mit funkelndem Blick und drohender Geberde, indem er Joseph winkte, er möge einen bereitstehenden Hund besteigen. Joseph stürzte auf die Kniee und flehte um [[typ:Gnade]], der Gnome aber faßte ihn mit Riesenkraft, | + | Unten harrte schon der Gnome seiner mit funkelndem Blick und drohender Geberde, indem er Joseph winkte, er möge einen bereitstehenden Hund besteigen. Joseph stürzte auf die Kniee und flehte um Gnade, der Gnome aber faßte ihn mit Riesenkraft, |
| - | Ganz unkenntlich wurde Josephs | + | Ganz unkenntlich wurde Josephs Leichnam aus dem Bergwerke gebracht. Aber die drei hinterlistigen Kameraden wurden ihres Lebens nicht mehr froh, die Erinnerung an diese schreckliche Begebenheit, |
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