sagen:bergmaennischesagen054
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| - | Vor Jahrhunderten gab es einen Schacht im Donatspat der Elisabethgrube bei Freiberg, und in diese Grube fuhr ein Bergknecht ein, nach seinem Taufnamen nur Hans geheißen. Seinen Geschlechtsnamen hat man nie nennen hören. Er war noch ein junger Kerl, aber Gram und Kammer machten, dass er viel älter aussah, als er wirklich war. Ach, sein Weib war ewig krank, seine alten Eltern hatte er auch noch zu ernähren, und dabei hatte ihm Gott bereits sechs lebende Kinder gegeben, die er mitsamt seinem Weib und seinen Eltern bei allem Fleiß nicht mehr zu ernähren wusste. | + | Vor Jahrhunderten gab es einen Schacht im Donatspat der Elisabethgrube bei [[geo:Freiberg]], und in diese Grube fuhr ein Bergknecht ein, nach seinem Taufnamen nur Hans geheißen. Seinen Geschlechtsnamen hat man nie nennen hören. Er war noch ein junger Kerl, aber Gram und Kammer machten, dass er viel älter aussah, als er wirklich war. Ach, sein Weib war ewig krank, seine alten Eltern hatte er auch noch zu ernähren, und dabei hatte ihm Gott bereits sechs lebende Kinder gegeben, die er mitsamt seinem Weib und seinen Eltern bei allem Fleiß nicht mehr zu ernähren wusste. |
| Hans weinte deshalb oft bitterlich und wünschte sich lieber den Tod, als den Jammer im Haus mit ansehen zu müssen, wenn er heimkam und nichts brachte und bringen konnte, was nur das dringendste Bedürfnis gestillt hätte. | Hans weinte deshalb oft bitterlich und wünschte sich lieber den Tod, als den Jammer im Haus mit ansehen zu müssen, wenn er heimkam und nichts brachte und bringen konnte, was nur das dringendste Bedürfnis gestillt hätte. | ||
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| Das klagte Hans mit rot geweinten Augen auf dem Heimweg einem anderen Bergknecht, der viel älter und erfahrener denn er war. | Das klagte Hans mit rot geweinten Augen auf dem Heimweg einem anderen Bergknecht, der viel älter und erfahrener denn er war. | ||
| - | Der sprach zu ihm: »So rufe doch den Berggeist dir zu Hilfe!« | + | Der sprach zu ihm: »So rufe doch den [[wesen:Berggeist]] dir zu Hilfe!« |
| Haus horchte zweifelhaft. | Haus horchte zweifelhaft. | ||
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| Ich will alles tun, was not.\\ | Ich will alles tun, was not.\\ | ||
| - | Kommt dann das Bergmännchen, | + | Kommt dann das [[wesen:Bergmännchen]], so erzähle ihm nur ganz ohne Scheu, wie es dir ergeht und was du brauchst. Mir … doch nein!«, hielt der Erzähler inne. »Erfülle, was er dir heißen wird, und du wirst künftig gute Tage haben.« |
| Hans, wohl wissend, dass er durch Anrufung des Bergmännchens seine Seele nicht gefährde, weil das kein Teufelswerk sei, wie er von jeher gehört hatte, merkte sich alles genau und nahm sich vor, dem Rat seines Kameraden Folge zu leisten. Ach, es blieb ihm so nichts übrig, als diese letzte Hoffnung und Hilfe in äußerster Not. Er fand, als er heimkam, das siebente Kind, ein Knäblein, in der Wiege, und keinen Bissen Brot im Haus. Er tröstete die seinen, dass es bald besser, so recht gut werden solle, und nahm sich vor, gleich bei der nächsten Schicht einen Versuch zu machen. | Hans, wohl wissend, dass er durch Anrufung des Bergmännchens seine Seele nicht gefährde, weil das kein Teufelswerk sei, wie er von jeher gehört hatte, merkte sich alles genau und nahm sich vor, dem Rat seines Kameraden Folge zu leisten. Ach, es blieb ihm so nichts übrig, als diese letzte Hoffnung und Hilfe in äußerster Not. Er fand, als er heimkam, das siebente Kind, ein Knäblein, in der Wiege, und keinen Bissen Brot im Haus. Er tröstete die seinen, dass es bald besser, so recht gut werden solle, und nahm sich vor, gleich bei der nächsten Schicht einen Versuch zu machen. | ||
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| Tagtäglich brachte nun der Berggeist dem Hans gegen Brot und Licht das versprochene Silber, tat freundlich mit ihm und erzählte ihm, das Brot sei ein wahres Labsal für sein Weib, und die Lichtlein eine Wonne für seine Kindlein, und erkundigte sich, wie es jetzt bei ihm gehe. Er freute sich, von des Knappen immer mehr zunehmendem Wohlstand zu hören. Aber stets warnte er ihn beim Fortgehen: | Tagtäglich brachte nun der Berggeist dem Hans gegen Brot und Licht das versprochene Silber, tat freundlich mit ihm und erzählte ihm, das Brot sei ein wahres Labsal für sein Weib, und die Lichtlein eine Wonne für seine Kindlein, und erkundigte sich, wie es jetzt bei ihm gehe. Er freute sich, von des Knappen immer mehr zunehmendem Wohlstand zu hören. Aber stets warnte er ihn beim Fortgehen: | ||
| - | Schweige du, vom Staub geboren!\\ | + | "Schweige du, vom Staub geboren!\\ |
| - | Tust du’s nicht, bist du verloren. | + | Tust du’s nicht, bist du verloren." |
| Die Warnung hat der Berggeist gar nicht nötig!, meinte bei sich Hans, der nun schon für einen gemachten Mann galt, ein schönes eigenes Grundstück mit Feld und Wiese hatte und sich drei Kühe und anderes kleines Vieh halten konnte. | Die Warnung hat der Berggeist gar nicht nötig!, meinte bei sich Hans, der nun schon für einen gemachten Mann galt, ein schönes eigenes Grundstück mit Feld und Wiese hatte und sich drei Kühe und anderes kleines Vieh halten konnte. | ||
| - | Hans’ immer mehr zunehmende Wohlhabenheit war bei gesamten Knappschaft und allen Nachbarn und Freunden ein unerklärliches Rätsel. Es hieß, es sei ein Vetter seiner Frau draußen im Reich gestorben und habe diese zur Erbin eingesetzt. Aber von dem Vetter war vordem nie die Rede gewesen. Dann wusste aber auch niemand, wann und wie das Geld ankomme, das sehr bedeutend sein musste, denn Hans kaufte immer wieder hinzu zu seiner Wirtschaft und war bald der reichste Mann im Ort. Man munkelte auch und raunte sich in die Ohren vom Drachen, den Hans haben sollte; aber niemand hatte ihn je zur Esse hereinfliegen sehen, und Hansens waren ja auch ehrliche, christliche, | + | Hans’ immer mehr zunehmende Wohlhabenheit war bei gesamten Knappschaft und allen Nachbarn und Freunden ein unerklärliches Rätsel. Es hieß, es sei ein Vetter seiner Frau draußen im Reich gestorben und habe diese zur Erbin eingesetzt. Aber von dem Vetter war vordem nie die Rede gewesen. Dann wusste aber auch niemand, wann und wie das Geld ankomme, das sehr bedeutend sein musste, denn Hans kaufte immer wieder hinzu zu seiner Wirtschaft und war bald der reichste Mann im Ort. Man munkelte auch und raunte sich in die Ohren vom [[wesen: |
| Hans und seine Familie lebten sehr glücklich, und es war auch keine Änderung zu befürchten, | Hans und seine Familie lebten sehr glücklich, und es war auch keine Änderung zu befürchten, | ||
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| Als der Hans so tat, staunten die Bergknappen weidlich, und jeder dachte nun schon in Gedanken sich ebenso reich, wie es der Hans geworden war. Der aber, als er zur Besonnenheit zurückgekehrt war, raufte sich das Haar ob seiner Plauderhaftigkeit, | Als der Hans so tat, staunten die Bergknappen weidlich, und jeder dachte nun schon in Gedanken sich ebenso reich, wie es der Hans geworden war. Der aber, als er zur Besonnenheit zurückgekehrt war, raufte sich das Haar ob seiner Plauderhaftigkeit, | ||
| - | Hans hatte in der Grube keine beschwerliche Arbeit, nur die Aufsicht hatte er zu führen an dem Haspel, und das Zeichen zu geben, wenn die Knechte oben den Rundbaum drehen und den Erzkübel zutage fördern sollten. Staunend standen diese heute lange, ohne dass in der Tiefe das längst erwartete Zeichen zum Heraufwinden gegeben ward. Endlich kam das Zeichen und sie bewegten den Rundbaum. | + | Hans hatte in der Grube keine beschwerliche Arbeit, nur die Aufsicht hatte er zu führen an dem Haspel, und das Zeichen zu geben, wenn die Knechte oben den Rundbaum drehen und den Erzkübel zutage fördern sollten. Staunend standen diese heute lange, ohne dass in der Tiefe das längst erwartete Zeichen zum Heraufwinden gegeben ward. Endlich kam das Zeichen und sie bewegten den Rundbaum. |
| Im Kübel lag anstatt des Erzes Hans tot und mit dem Ansehen eines Erwürgten. Um ihn herum brannten Lichter, die Hans dem Berggeist gebracht, und auf dem Leichnam des Unglücklichen lag das letzte Pfennigbrot, | Im Kübel lag anstatt des Erzes Hans tot und mit dem Ansehen eines Erwürgten. Um ihn herum brannten Lichter, die Hans dem Berggeist gebracht, und auf dem Leichnam des Unglücklichen lag das letzte Pfennigbrot, | ||
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| Die Knappen kleideten ihren Kameraden aus und machten Belebungsversuche. Umsonst. In seinem Grubenkittel steckte ein feuchter Zettel mit sehr unleserlicher Schrift. Darauf stand: | Die Knappen kleideten ihren Kameraden aus und machten Belebungsversuche. Umsonst. In seinem Grubenkittel steckte ein feuchter Zettel mit sehr unleserlicher Schrift. Darauf stand: | ||
| - | Glücklich ist, wer schweigen kann,\\ | + | Glücklich ist, wer [[typ:schweigen]] kann,\\ |
| Plaud’rer ein verlor’ner Mann.\\ | Plaud’rer ein verlor’ner Mann.\\ | ||
| Schwieg er, wär’ er heut’ noch rot,\\ | Schwieg er, wär’ er heut’ noch rot,\\ | ||
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| Als die Knappen den Tag nach Hans’ Beerdigung die Grube wieder befuhren, haben sie zur Erinnerung an ihm und damit jeder Knappe sein Schicksal sich zu Herzen nehme, seinen Namen in Stein gehauen. | Als die Knappen den Tag nach Hans’ Beerdigung die Grube wieder befuhren, haben sie zur Erinnerung an ihm und damit jeder Knappe sein Schicksal sich zu Herzen nehme, seinen Namen in Stein gehauen. | ||
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