sagen:bergmaennischesagen043
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| Bald darauf legte der Steiger einen neuen jungen Hauer an, der über seine Führung und Arbeitstüchtigkeit die besten Zeugnisse von den früheren Zechen besaß. Ihm schilderte er die Schwierigkeiten jener Arbeit und fragte ihn, ob er es sich getraue, an dieselbe zu gehen. | Bald darauf legte der Steiger einen neuen jungen Hauer an, der über seine Führung und Arbeitstüchtigkeit die besten Zeugnisse von den früheren Zechen besaß. Ihm schilderte er die Schwierigkeiten jener Arbeit und fragte ihn, ob er es sich getraue, an dieselbe zu gehen. | ||
| - | Felix, der junge Hauer, zauderte nicht. Er hatte guten Mut und froheu | + | Felix, der junge Hauer, zauderte nicht. Er hatte guten Mut und frohen |
| Wenn die Arbeit hier wirklich so außerordentlich schwer sein soll, dachte er, dann muss man auch mit außerordentlichen Kräften daran gehen. Deshalb will ich auch mein Butterbrot gleich verzehren. Und er ließ es sich gut schmecken. | Wenn die Arbeit hier wirklich so außerordentlich schwer sein soll, dachte er, dann muss man auch mit außerordentlichen Kräften daran gehen. Deshalb will ich auch mein Butterbrot gleich verzehren. Und er ließ es sich gut schmecken. | ||
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| »Ja, liebes Tierchen«, sagte er, »jetzt habe ich selbst nichts mehr, so gern ich’s dir auch gäbe. Glaub’s wohl, dass du hier unten tüchtig durchhungert bist. Komm morgen wieder hierher, dann sollst du abermals etwas bekommen, wenn mir nicht eine ganz und gar erfolglose Arbeit das Wiederkommen verleidet.« | »Ja, liebes Tierchen«, sagte er, »jetzt habe ich selbst nichts mehr, so gern ich’s dir auch gäbe. Glaub’s wohl, dass du hier unten tüchtig durchhungert bist. Komm morgen wieder hierher, dann sollst du abermals etwas bekommen, wenn mir nicht eine ganz und gar erfolglose Arbeit das Wiederkommen verleidet.« | ||
| - | Plötzlich war das Mäuschen verschwunden, | + | Plötzlich war das Mäuschen verschwunden, |
| »Deine Arbeit«, sprach dieser, »wird nicht erfolglos sein! Du hast mit mir deine Mahlzeit geteilt, ich will nun mit dir auch deine Arbeit teilen. Aber du musst mir, da ich von heute ab dein steter Gehilfe bleiben will, bei jeder Löhnung die Hälfte des Verdienstes abgeben. Ich werde dich zu diesem Zwecke auf der zweiten Fahrt oben im Schacht erwarten.« | »Deine Arbeit«, sprach dieser, »wird nicht erfolglos sein! Du hast mit mir deine Mahlzeit geteilt, ich will nun mit dir auch deine Arbeit teilen. Aber du musst mir, da ich von heute ab dein steter Gehilfe bleiben will, bei jeder Löhnung die Hälfte des Verdienstes abgeben. Ich werde dich zu diesem Zwecke auf der zweiten Fahrt oben im Schacht erwarten.« | ||
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| Erfreut über diesen guten Erfolg seiner ersten Schicht nahm Felix, obwohl er vor Kurzem erst eingefahren war, seine Lampe zur Hand und fuhr wieder aus, um vom Steiger einen Schlepper zum Fortschaffen der Berge zu erbitten. | Erfreut über diesen guten Erfolg seiner ersten Schicht nahm Felix, obwohl er vor Kurzem erst eingefahren war, seine Lampe zur Hand und fuhr wieder aus, um vom Steiger einen Schlepper zum Fortschaffen der Berge zu erbitten. | ||
| - | Als der Steiger den jungen Hauer auf sich zukommen sah, rief er ihm verdrießlich entgegen: »Nun, hast auch du schon die Lust zum Arbeiten in der verwünschten Strecke verloren? Es ist das doch eine ganz verteufelte Geschichte! Mir scheint es, der Berggeist treibt dabei sein Spiel.« | + | Als der Steiger den jungen Hauer auf sich zukommen sah, rief er ihm verdrießlich entgegen: »Nun, hast auch du schon die Lust zum Arbeiten in der verwünschten Strecke verloren? Es ist das doch eine ganz verteufelte Geschichte! Mir scheint es, der [[wesen:Berggeist]] treibt dabei sein Spiel.« |
| - | »So scheint es mir auch«, entgegnete lächelnd Felix, »aber ich habe deshalb die Lust zum Arbeiten durchaus nicht verloren, sondern im Gegenteil um so mehr Lust bekommen. Ich bin nur hier, um Sie um einen Schlepper zu bitten, der mir die Berge fortschaffen hilft. Denn gleich mit den ersten Schüssen habe ich so viel Berge gemacht, | + | »So scheint es mir auch«, entgegnete lächelnd Felix, »aber ich habe deshalb die Lust zum Arbeiten durchaus nicht verloren, sondern im Gegenteil um so mehr Lust bekommen. Ich bin nur hier, um Sie um einen Schlepper zu bitten, der mir die Berge fortschaffen hilft. Denn gleich mit den ersten Schüssen habe ich so viel Berge gemacht, |
| »Wa … was … Schüsse? | »Wa … was … Schüsse? | ||
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| »Ein Loch? Ha ha ha! Sagen Sie sechs Löcher, Herr Steiger, und alle haben ausgezeichnet gerissen! Die Strecke ist um ½ Lachter weiter und Stöße, Firste und Sohle so schön glatt und sauber, als ob man im Letten führe.« | »Ein Loch? Ha ha ha! Sagen Sie sechs Löcher, Herr Steiger, und alle haben ausgezeichnet gerissen! Die Strecke ist um ½ Lachter weiter und Stöße, Firste und Sohle so schön glatt und sauber, als ob man im Letten führe.« | ||
| - | Der Steiger trat bei dieser Erklärung | + | Der Steiger trat bei dieser Erklärung |
| - | »Sechs Löcher in diesem eisenfesten Gestein, von je ½ Lachter Tiefe, und du bist kaum 3 Stunden unten gewesen? Das muss ja mit dem Teufel zugegangen sein!« | + | »Sechs Löcher in diesem eisenfesten Gestein, von je ½ Lachter Tiefe, und du bist kaum 3 Stunden unten gewesen? Das muss ja mit dem [[wesen:Teufel]] zugegangen sein!« |
| »Mit dem Teufel gerade nicht, aber …« | »Mit dem Teufel gerade nicht, aber …« | ||
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| Er fand alles, wie es der Knappe berichtet hatte, aber er wurde auch in seiner Überzeugung bestärkt, dass hier höhere Gewalten mit im Spiel ständen. Er bekam dadurch eine gewisse ehrfurchtsvolle Scheu vor Felix. Weit entfernt jedoch, wie andere furchtsame Leute es taten, ihm auszuweichen, | Er fand alles, wie es der Knappe berichtet hatte, aber er wurde auch in seiner Überzeugung bestärkt, dass hier höhere Gewalten mit im Spiel ständen. Er bekam dadurch eine gewisse ehrfurchtsvolle Scheu vor Felix. Weit entfernt jedoch, wie andere furchtsame Leute es taten, ihm auszuweichen, | ||
| - | Das Mäuschen zeigte sich auch hier tätig. Wenn Felix auf freiem Feld eine geeignete Stelle zum Ansetzen des Bohrloches | + | Das Mäuschen zeigte sich auch hier tätig. Wenn Felix auf freiem Feld eine geeignete Stelle zum Ansetzen des Bohrloches |
| - | Der Steiger, immer mehr überzeugt von dem Eingreifen geheimer Mächte in die Arbeiten des glücklichen Hauers, veranlasste, | + | Der Steiger, immer mehr überzeugt von dem Eingreifen geheimer Mächte in die Arbeiten des glücklichen Hauers, veranlasste, |
| Felix verdiente auf diese Weise sehr viel Geld, und da er als unverheirateter, | Felix verdiente auf diese Weise sehr viel Geld, und da er als unverheirateter, | ||
| - | Bei einer solchen Gelegenheit blieb einmal ein Dreier übrig, den Felix ruhig liegen ließ. | + | Bei einer solchen Gelegenheit blieb einmal ein [[lex:Dreier]] übrig, den Felix ruhig liegen ließ. |
| »Nun, teile doch!«, forderte der Gnom. | »Nun, teile doch!«, forderte der Gnom. | ||
| - | »Teilen? Das geht ja nicht, deshalb behalte du den [[lex:Dreier]]. Ich habe ja doch alles, was ich besitze, dir zu verdanken, und deshalb hast du ein Anrecht auf diese unteilbare Münze.« | + | »Teilen? Das geht ja nicht, deshalb behalte du den Dreier. Ich habe ja doch alles, was ich besitze, dir zu verdanken, und deshalb hast du ein Anrecht auf diese unteilbare Münze.« |
| »Das war ein Wort, wie ich es schon lange nicht gehört habe«, sagte erfreut der Gnom. »Du sprachst es zu deinem Glück, denn hättest du die Münze für dich behalten, so lägst du jetzt, wie schon viele vor dir, zerschmettert unten im Schacht.« | »Das war ein Wort, wie ich es schon lange nicht gehört habe«, sagte erfreut der Gnom. »Du sprachst es zu deinem Glück, denn hättest du die Münze für dich behalten, so lägst du jetzt, wie schon viele vor dir, zerschmettert unten im Schacht.« | ||
| - | »Meine Aufgabe war es, einen Menschen zu suchen, der reinen Herzens ist, ohne Selbstsucht, | + | »Meine Aufgabe war es, einen Menschen zu suchen, der reinen Herzens ist, ohne Selbstsucht, |
| - | Nachdenklich fuhr Felix zutage. Er war sich der Erhabenheit seiner Mission wohl bewusst und zauderte nicht, sie zu beginnen. Er spendete an Arme und Kranke, an die Hinterbliebenen verunglückter Bergleute mit vollen Händen reichliche Gaben. Er gründete Schulen und Hospitäler und war für das Volk bis zu seinem späten Tod der gute Engel. | + | Nachdenklich fuhr Felix zutage. Er war sich der Erhabenheit seiner Mission wohl bewusst und zauderte nicht, sie zu beginnen. Er spendete an Arme und Kranke, an die Hinterbliebenen verunglückter Bergleute mit vollen Händen reichliche Gaben. Er gründete Schulen und Hospitäler und war für das Volk bis zu seinem späten Tod der gute [[wesen:Engel]]. |
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