sagen:berggeistriesengebirge03
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| + | ====== Rübezahl und die Springwurzel ====== | ||
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| + | Furchtsame Leute wurden wohl zu Tode erschreckt durch gräuliches Getier, das sie zu bedrohen schien, oder durch ein Höllengelächter, | ||
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| + | Das erfuhr ein Schäfer in [[geo: | ||
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| + | Da traf sich' | ||
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| + | Als der Lakai dies Wort hörte, schoss er wie ein Blitz hinauf zur Gräfin und teilte dieser mit, der Schäfer, ein sehr kluger und erfahrener Mensch, wisse ein unfehlbares Mittel gegen die Krankheit des gnädigen Herrn, das sei die Springwurzel. Sogleich erfasste die Gräfin diesen Strohhalm von Hoffnung und ließ den Schäfer zu sich kommen. Der Mann kam, und die Gräfin bat ihn himmelhoch, sich über sein Heilmittel genauer zu äußern. »Mit der Springwurzel ist das ein eigen Ding«, sagte der Schäfer, »die hat eine Wunderkraft, | ||
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| + | »O, lieber Mann, dann besorgt mir eine solche Wurzel, ich will Euch die Mühe gern lohnen«, sagte die Gräfin. »Gott soll mich bewahren«, antwortete er. »Die ist nur in Rübezahls Garten zu finden, und wer sich dahin wagt, der riskiert Hals und Kragen, denn der Berggeist leidet nicht, dass ihn da einer stört. Hat sich mancher die Finger verbrannt und einen Denkzettel gekriegt, woran er für alle Zeit genug hatte.« Die Gräfin war nun keineswegs gewillt, den Mann mit seinem wertvollen Wissen nutzlos ziehen zu lassen. Sie bot ihm Geld. | ||
| + | Hundert Taler versprach sie ihm. Doch der Schäfer wollte davongehen. Für noch so viel Geld wäre ihm sein Leben nicht feil. Sie vertrat ihm den Weg und bot das Doppelte, ja sie ging bis zu fünfhundert Talern. »Biete ihm tausend!«, rief ihr der Graf in französischer Sprache aus dem anstoßenden Krankenzimmer zu. Er hatte die ganze Unterredung vernommen. Die Gräfin bot ihm tausend Taler. Da war der Widerstand des Schäfers besiegt, und er versprach, die Springwurzel herbeizuholen und sich sofort auf den Weg zu machen. | ||
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| + | Diesen Entschluss führte er sogleich aus und dachte dabei: Entweder wirst du durch den waghalsigen Streich ein gemachter Mann, oder die Welt hat einen armen Teufel weniger. Der Gedanke an den zu erhoffenden Gewinn gab ihm Mut, und so näherte er sich in tiefer Nacht dem Garten des [[wesen: | ||
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| + | Bald fand er eine Staude, die der gesuchten köstlichen Springwurzel entsprossen war, und da und dort noch meh-rere. Im Innern darüber froh, dass ihn niemand bei der Arbeit störte, machte er sich ganz still daran, die heiß begehrten Wurzeln auszuheben, die er dann, hübsch geordnet, in den mitgebrachten Korb legte. Der war fast voll. Schon dachte er daran, mit seiner Beute den Rückweg anzutreten, als ein großer Mann, wie ein Gärtner anzusehen, mit einer Hacke über der Schulter auf ihn zuschritt. »Ist das eine Art, in einen fremden Garten einzubrechen und da ohne Erlaubnis zu ernten?«, donnerte er den verzagten Dieb an. »Dich will ich lehren, hier einzubrechen, | ||
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| + | »Gut«, antwortete Rübezahl, »dann lauf diesmal noch dahin. Ich schenke dir den Kram. Aber du kommst mir nicht wieder. Das sage ich dir.« | ||
| + | Dem Schäfer fiel bei diesen Worten ein Zentnerstein vom Herzen. Er sah, wie Rübezahl davonging, sich noch einmal mit drohender Gebärde umdrehte und dann in einem Geklüft verschwand. Rasch fasste er seinen Korb und verließ den unheimlichen Garten, so schnell er konnte. | ||
| + | Daheim angekommen überlegte er, wie er aus seinem Un-ternehmen den besten Nutzen ziehen könne. Zunächst gab er dem kranken Grafen eine Wurzel ab, wofür er die versprochene Summe erhielt. Nun war er reich, und es kam ihm nicht mehr in den Sinn, für andere Leute Schafe zu hüten. Der Graf wurde bald wieder gesund und konnte abreisen. | ||
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| + | Nun hatte der Schäfer eine gute Empfehlung für sein Heilmittel, das er auch anderen reichen Kranken zu hohen Preisen anbot, und ihrer gab es in dem stets gut besuchten Bad Warmbrunn wie auch anderwärts reichlich genug. Es kam viel Geld in seine Hände, und der früher so einfache und bescheidene Mann wurde hochmütig und verschwenderisch. Wenn ihn arme Leute um das wunderbare Heilmittel anflehten, so wies er sie barsch ab, oder er gab ihnen dafür andere Wurzeln, die mit der Springwurzel nichts gemein hatten als das Aussehen. | ||
| + | Von Tag zu Tag wurde er habsüchtiger und geldgieriger. Jetzt machte er sich schon Vorwürfe, dass er damals seinen Korb nicht ganz mit dem Heilmittel gefüllt hatte, und immer lauter regte sich in ihm der verhängnisvolle Wunsch, trotz des scharfen Verbotes noch einmal in Rübezahls Garten einzubrechen und sich da besser zu versorgen als das erste Mal. Viele Nächte lang wälzte er sich schlaflos in seinem Bett, während in ihm die Habsucht mit der Angst um die Oberherrschaft rang. Vielleicht würde Rübezahl seine Drohung doch nicht wahr machen oder gar ihn nicht bei seinem Tun erwischen. Und wenn er ihn wieder ertappte, würde er ihn vielleicht doch wieder laufen lassen und nur warnen. | ||
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| + | Die Geldgier gewann schließlich die Oberhand und trieb ihn dann auch eines Abends richtig in das Gebirge und in den verbotenen Bezirk. Wieder stand er an der alten Stelle und fing an, Springwurzeln auszugraben. Aber nicht lange hatte er gearbeitet, da öffnete sich vor ihm der Boden, und in schwefelgelbem Wetterschein erhob sich vor ihm drohend die riesige Gestalt des Berggeistes. »Habe ich dir nicht verboten, meinen Garten wieder zu betreten? | ||
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sagen/berggeistriesengebirge03.1713293947.txt.gz · Zuletzt geändert: (Externe Bearbeitung)
