sagen:berggeistriesengebirge02
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| + | ====== Wie Rübezahl zu seinem Namen kam ====== | ||
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| + | Lange Zeit blieb nun [[wesen: | ||
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| + | Eines Tages lag er in seinem Garten, dem wildesten Teile des Gebirges, in dem er niemand duldete. Einem Felsblock ähnlich lag er still da, schlief und träumte. Schon öfters hatte er bemerkt, dass ein Schwarm munterer Mädchen seiner Behausung nahe kam. Bei heiterem Wetter spielten und tändelten sie im Walde. Sobald sich aber die Sonne hinter den Bergen verlor, sprangen die jungen Menschenkinder wieder hinunter ins Tal. Zuerst hatte Rübezahl nur wenig darauf geachtet. An diesem Tage aber kam dieselbe Gesellschaft keck in seine Nähe, und er sah nun auch, wer seine Ruhe störte. Witgar, König Otwins Tochter, liebte es, mit ihren Gespielinnen in den Bergen herumzustreifen, | ||
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| + | Jauchzend nahmen die Mädchen von dem lieblichen Orte Besitz, schickten sich gar bald an, in dem Becken zu baden, bespritzten sich gegenseitig mit Wasser und trieben auch sonst allerhand Mutwillen. | ||
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| + | Witgar und ihren Gespielinnen hatte es indes so gut an jener freundlichen Stelle gefallen, dass sie in den nächsten Tagen wieder hinaufzogen. Doch kannten sie den Platz gar nicht mehr wieder, denn alles war verändert. Statt der rohen Felsen erblickten sie kunstreich hergestellte Wände aus rosenfarbigem Marmor, die sich tempelartig in der Höhe zusammenschlossen, | ||
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| + | Einen herrlicheren, | ||
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| + | Frohlockend stieg sie in das flache Gewässer. Aber kaum hatte ihr zierlicher Fuß den Silbersand berührt, da verschwand sie vor den Augen der bestürzten Begleiterinnen, | ||
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| + | Da blieb den Mädchen nichts weiter übrig, als das Unglück zu beklagen und so rasch wie möglich bergab zu stürmen, um König Otwin die Trauerkunde zu melden. Der erschrockene Vater ritt nun zwar mit bewaffneter Begleitung sofort ins Gebirge und ließ sich genau die Stelle angeben, wo seine Tochter verschwunden war. Aber da war kein Marmortempel mit Thronsesseln von märchenhafter Pracht zu finden, sondern wie früher lehnten sich kahle Felsen aneinander, und der Bach sprühte herab und füllte das Becken zwischen Gras und blühenden Waldblumen wie sonst, und wie heute noch. Von der Tochter war aber nichts, nicht eine Haarschleife oder ein Schuhband zu erblicken. Unverrichteter Sache zog der bekümmerte Vater wieder heim. | ||
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| + | Als sich Prinzessin Witgar von ihrem Schrecken erholt hatte, fand sie sich in einem feenhaften Palast wieder. Wie ärmlich kam ihr da das Haus ihres Vaters vor gegenüber dieser Flucht köstlichster Säle, von denen der eine den anderen an niegesehener, | ||
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| + | Wohin Witgar auch blickte, überall sah sie nur Herrliches. Sie konnte berühren, was sie wollte, genießen, was sie wollte, alles war schön, bezaubernd schön. Nur eines war merkwürdig: | ||
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| + | Nachdem sich die Prinzessin alles angesehen hatte, aß sie von der so verschwenderisch gedeckten Tafel so viel sie vermochte und legte sich dann in einem seidenen Bett zur Ruhe. | ||
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| + | Am anderen Morgen fand sie ein wunderschönes Bad gerichtet und einen anmutig gedeckten Frühstückstisch, | ||
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| + | Als sie dann aber in dem Palaste spazieren ging und sich das Wunderbare und Geheimnisvolle desselben zu erklären bemühte, da stand plötzlich vor ihr ein stattlicher Herr, wie ein Prinz anzusehen, der ihr eine sehr zierliche Verbeugung machte und sie in wohlgesetzten Worten anredete. | ||
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| + | »Ich bin der Herr dieses Gebirges«, sagte er, »und mir gehört alles, was Ihr hier seht. Mein sind außerdem die Schätze der Erde mit ihren verborgenen Kräften, und viele kluge und geschickte Diener. Ich will nun Euer Diener sein, erhabenste Prinzessin, wenn Ihr Euch als meine Gemahlin betrachten wollt. Gern gebe ich Euch Zeit, Euch das zu überlegen, und erwarte inzwischen Eure Befehle.« | ||
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| + | Nun war es heraus. Dieser stattliche Prinz war der Berggeist, von dem sie ja schon so manches gehört hatte. Er und kein anderer hatte sie geraubt, und sie war in all der Pracht seine Gefangene. Da galt es, gute Miene zum bösen Spiel zu machen. Also dankte sie, gleichfalls in zierlicher Rede, für die Ehre der neuen Bekanntschaft und die gute Aufnahme im Palast, lobte die gute Ausstattung der herrlichen Räume und den vortrefflichen Geschmack des Besitzers. Der Geist machte sie darauf noch auf dies und jenes aufmerksam und war so artig, sich zu empfehlen, als er merkte, dass Witgar gern allein sein wollte. | ||
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| + | Die Prinzessin wandelte nun noch einmal durch alle Räume und blieb bewundernd vor manchem Gemälde, mancher Bildsäule stehen, aber schließlich wurde sie der Pracht müde und fing an, sich zu langweilen. Da eilte der Geist, den sie jederzeit rufen konnte, dienstbeflissen herbei und fragte unterwürfig nach ihren Wünschen. | ||
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| + | »Ich bin so allein und langweile mich sehr«, sagte sie mit Tränen in den Augen, »ich möchte meine Gespielinnen haben.« | ||
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| + | »Da soll gleich geholfen werden«, erwiderte der Geist, verschwand und kam bald darauf mit einem Korb voll Rüben und einem Stab zurück. | ||
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| + | »Holde Prinzessin«, | ||
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| + | Dieses Spiel kam der Prinzessin recht lustig vor. Sie berührte gleich die erste beste Rübe mit dem Zauberstab und rief: »Bilidrut!« Das war der Name ihres Lieblings unter den Mädchen des Hofes. Sogleich stand die Gerufene lächelnd vor ihr, Nach diesem guten Erfolg machte die Prinzessin weitere Versuche und zauberte sich nach und nach ihren ganzen Hofstaat herbei. Nun hatte sie, was sie wollte, und konnte mit ihren Altersgenossinnen herumschwärmen, | ||
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| + | Allein diese Freude hatte ihre Grenze. Nach einigen Wochen beobachtete sie, dass ihre Freundinnen sichtlich verfielen, abmagerten, träge und hässlich wurden. Eines Morgens erschrak sie besonders heftig. Bilidrut, ihr Liebling, kroch mühsam mit welken Wangen und halb erloschenem Blick daher, und auch die anderen Mädchen waren Jammerbilder geworden, traurige Schatten früherer Schönheit und Gesundheit, ohne Kraft, Mut und Lebensfreude. Entrüstet rief sie den Berggeist, dem sie über den Zustand ihres Gefolges bittere Vorwürfe machte. | ||
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| + | »Verzeihung, | ||
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| + | Die Prinzessin machte den Versuch, und ein Haufen welker Rüben lag vor ihr. »Dann schafft mir andere Rüben!«, befahl sie. | ||
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| + | Sogleich ging der Geist, kam aber nach einiger Zeit verlegen wieder und gestand, dass sämtliche Rüben in der Welt nicht anders aussähen als diese, und dass nur Greisinnen und hilflose Sieche und Kranke erscheinen würden, wenn mit ihnen das Spiel mit dem Zauberstab wiederholt würde. »Aber ich weiß Rat«, fuhr er fort. »Ich werde ein großes Feld herrichten und mit Rüben besäen, und dann, wenn diese reif sind, mögt Ihr nach Herzenslust zaubern. Bis dahin müsst Ihr freilich einige Geduld haben.« | ||
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| + | Es verging eine geraume Zeit voller Langeweile, bis die Prinzessin wieder Gesellschaft bekam, und das machte ihr das Leben im Palast des Bergherrn schier unerträglich. Manchmal wurde ihr angst und bange in der Einsamkeit. Da rauschte es wohl in den Büschen, hinter den Sesseln, an der Decke, unter den Teppichen. Sah sie genau hin, so erblickte sie Gnome, die Diener des Berggeistes, | ||
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| + | Da regte sich in ihr immer mehr der heiße Wunsch, zu den ihren zurückkehren zu dürfen. Sie hatte einen Bräutigam, das war der junge Herzog von Ratibor, dessen Gattin sie werden wollte. | ||
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| + | Witgar aber wusste nur zu genau, dass der Berggeist sie niemals freiwillig entlassen würde, und kam daher auf den Einfall, den Alten zu überlisten und dann zu flüchten. Das war jedoch leichter gesagt als ausgeführt. Sie hoffte die kommende Rübenernte zu ihrem Zweck benutzen zu können und grübelte hin und her, wie sie es anfangen müsse, um den Hüter ihres goldenen Käfigs hinters Licht zu führen. Die Rüben reiften endlich, und der Berggeist beeilte sich, der Prinzessin einen Korb voll davon zu bringen. Da zauberte sie dann frisch drauflos, und eins der ersten Geschöpfe, das sie erstehen ließ, war ein Bienchen. Das Tierchen war recht gelehrig und folgsam, sodass ihm die Prinzessin einen Auftrag geben konnte. | ||
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| + | »Fliege hin, mein liebes Tierchen«, sprach sie, »bis du zu dem Herzog von Ratibor kommst, und summe ihm ins Ohr, dass Witgar noch lebt und von dem Herrn des Gebirges gefangen gehalten wird.« | ||
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| + | Das Immchen lernte den Spruch und flog getreulich davon. Aber kaum hatte es sich in die Lüfte erhoben, so kam eine Schwalbe geflogen und schnappte ohne Scheu den emsigen Boten weg. | ||
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| + | Witgar ließ sich indes die Mühe nicht verdrießen, | ||
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| + | »Lieber Grashüpfer«, | ||
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| + | Die Grille hatte nun wohl den besten Willen, diesen Auftrag auszurichten, | ||
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| + | Hei, welch ein Ton! Froh sprang der Prinz auf und suchte den Überbringer der beseligenden Botschaft. Aber nur eine arme Elster konnte er erblicken. | ||
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| + | »Sage mir mehr, mein gutes Tierchen! Sage mir, du kluger Vogel, wo und wie und wann!« Zu viel darf man aber von einer Elster nicht verlangen. Der geflügelte Bote plapperte seine Weisheit noch einmal herunter und noch öfters, aber mehr wusste er nicht. Doch der Jüngling war auch durch das wenige beglückt, und hoffnungsvoll ging er heim, um zu überlegen, was zu tun sei. Inzwischen wurde aber auch der Berggeist ungeduldig und verlangte von seiner Gefangenen, dass sie sich nun endlich entscheiden solle, ja, er setzte ihr eine Frist. Es wäre nun Zeit, Abschied von törichten Hoffnungen zu nehmen, sie müsse ihm jetzt ganz angehören. Da wusste Witgar in ihrer Not gar nicht, wie sie sich retten sollte, und, um ihn zu entfernen und zu beschäftigen, | ||
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| + | Der Berggeist hatte indes seine Aufgabe gelöst und eilte, der Prinzessin das Ergebnis zu überbringen. 26 542 Rüben standen draußen, nicht mehr und nicht weniger, dreimal waren sie gezählt worden. Als nun der Geist der Prinzessin den Erfolg seiner Mühen mitteilen wollte, merkte er gar bald, dass das Vögelchen ausgeflogen war. Da erfasste ihn heller Zorn, er warf die Gestalt ab, die er Witgar zuliebe angenommen hatte, und mit schrecklichem Gesicht schwang er sich auf, um seinen gesamten Besitz übersehen zu können. Richtig, da sprengte sie dahin, die ihn keck überlisten wollte. Schon war sie der Grenze nahe, und von drüben kam ihr jemand entgegen, natürlich jener Herzog von Ratibor, auf den immer ihre Gedanken gerichtet waren. Aber sie sollte ihren Willen nicht haben. | ||
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| + | Wütend schüttelte er einige Wolken durcheinander, | ||
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| + | Als der Berggeist sah, dass ihm seine Rache fehlgeschlagen war, ließ er seinen Zorn an dem Palast aus, den er zertrümmerte und in die Tiefe versenkte. Er selbst begab sich in sein unterirdisches Reich und ließ sich lange nicht mehr unter den Menschen sehen. | ||
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| + | Unter diesen sprach es sich aber bald herum, dass er von einem klugen Mädchen genasführt worden war, und man nannte ihn zur Erinnerung hieran spottend den Rübenzähler. Und daraus ist im Laufe der Zeit »Rübezahl« geworden. | ||
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