sagen:aachenssagen21
Unterschiede
Hier werden die Unterschiede zwischen zwei Versionen angezeigt.
| Beide Seiten der vorigen RevisionVorhergehende ÜberarbeitungNächste Überarbeitung | Vorhergehende Überarbeitung | ||
| sagen:aachenssagen21 [2023/01/03 14:49] – ewusch | sagen:aachenssagen21 [2025/10/09 12:49] (aktuell) – ewusch | ||
|---|---|---|---|
| Zeile 1: | Zeile 1: | ||
| - | [[sagen: | + | [[sagen: |
| ====== Die Hinzenmännchen ====== | ====== Die Hinzenmännchen ====== | ||
| - | Wer in [[land: | + | Wer in [[land: |
| - | Sie hausten hier in dem [[typ:turm|Thurme]] zwischen Köln- und Sandkaulthor, | + | Sie hausten hier in dem Thurme zwischen Köln- und Sandkaulthor, |
| Laßt die Becher kreisen,\\ | Laßt die Becher kreisen,\\ | ||
| Zeile 17: | Zeile 17: | ||
| Trinkt, Tang, Ting!\\ | Trinkt, Tang, Ting!\\ | ||
| - | Dies Alles hatte ein kühner Geselle, welcher sich eine Nacht im Hinzenthurm hatte einschließen lassen, gesehen und gehört. Nachdem er dies und noch viel mehr einem Freunde erzählt hatte, straften die [[typ:Hinzenmännchen]] ihn mit plötzlichem | + | Dies Alles hatte ein kühner Geselle, welcher sich eine Nacht im Hinzenthurm hatte einschließen lassen, gesehen und gehört. Nachdem er dies und noch viel mehr einem Freunde erzählt hatte, straften die Hinzenmännchen ihn mit plötzlichem Irrsinn, er stürzte dies Lied singend in den Aachener Wald hinein und man hat ihn nie wieder aufgefunden. |
| - | Außer ihren goldenen Bechern hatten die Männlein kein anderes Hausgeschirr, | + | Außer ihren goldenen Bechern hatten die Männlein kein anderes Hausgeschirr, |
| - | Wenn sie in die Stadt zogen, nahmen sie immer denselben Weg und zwar von ihrem [[typ:turm|Thurme]] aus durch die schmale Gasse, welche in die Kölnstraße führt und bis auf den heutigen Tag noch die Hinzengasse heißt. Vor dem großen Hause, der Wildenmann genannt, dem jetzigen | + | Wenn sie in die Stadt zogen, nahmen sie immer denselben Weg und zwar von ihrem Thurme aus durch die schmale Gasse, welche in die Kölnstraße führt und bis auf den heutigen Tag noch die Hinzengasse heißt. Vor dem großen Hause, der Wildenmann genannt, dem jetzigen Gasthofe zur Kaiserkrone, |
| - | Einst geschah es, daß im Wildenmann zwei Kriegsleute im Quartier lagen. Dieselben hörten von den Mägden, daß die Hinzenmännchen am Abend Geräthe holen würden, sie lachten und spotteten darüber und meinten, sie wollten die Männlein schon empfangen und ihnen statt der blanken | + | Einst geschah es, daß im Wildenmann zwei Kriegsleute im Quartier lagen. Dieselben hörten von den Mägden, daß die Hinzenmännchen am Abend Geräthe holen würden, sie lachten und spotteten darüber und meinten, sie wollten die Männlein schon empfangen und ihnen statt der blanken Kessel ihre blanken Schwerter an die Thüre stellen. Dies thaten die ungläubigen Gesellen wirklich und setzten sich sogar gegen zehn Uhr an einen Tisch vor der Thüre und zechten. Gar bald geriethen sie aber in Streit, denn der eine fragte den andern, warum er ihn am Zopfe ziehe, in die Beine zwicke, endlich sogar Nasenstüber gäbe, auch gossen sie ihr Bier nicht mehr in, sondern neben die Becher. Weil sie nicht wußten, daß die Hinzenmännchen all diesen Spuck anrichteten und sie beide zugleich von denselben gezwickt und genasenstübert wurden, so geriethen sie in offenen Kampf und mit dem Rufe Hinzlein! Hinzlein! griffen sie zu den Schwertern, eilten auf den Wall, fingen an zu fechten und in wenigen Minuten fielen beide, indem sie sich wechselseitig durchbohrten, |
| - | Die kleinen Kerlchen hatten aber, wie schon bemerkt, auch etwas Gutmüthiges und Hilfreiches in ihrem Wesen. Sie halfen nicht nur den fleißigen Mägden beim Scheuern und Schrubben, sondern sie unterstützten auch viele Handwerker, wenn sie oft trotz Fleiß und Sparsamkeit nicht so recht auf einen grünen Zweig kommen konnten. | + | Die kleinen Kerlchen hatten aber, wie schon bemerkt, auch etwas Gutmüthiges und Hilfreiches in ihrem Wesen. Sie halfen nicht nur den fleißigen Mägden beim Scheuern und Schrubben, sondern sie unterstützten auch viele Handwerker, wenn sie oft trotz Fleiß und Sparsamkeit nicht so recht auf einen grünen Zweig kommen konnten. Schneider und Schuster, denen sie halfen, hatten nichts weiter zu thuen, als Kleider und Schuhe vorzuschneiden und Abends in die Werkstatt zu legen, dann fanden sie am Morgen die fertige Arbeit und zwar Alles sauber, schön und fest genäht. So hobelten und leimten sie bei den Schreinern, hämmerten und feilten beim Schlosser die feinsten Arbeiten, die man sehen konnte. Sie arbeiteten oft Jahre lang bei einem und demselben Meister, wenn seine Werkstatt sauber war, denn Unreinlichkeit verscheuchte sie. Auch entzogen sie den Handwerkern ihre Beihilfe, wenn dieselben, so bald es ihnen gut ging, üppig wurden und sich dem Luxus ergaben und thörichte Ausgaben machten. In unseren Tagen würden die Hinzenmännchen daher bei sehr vielen Handwerkern nicht lange aushalten, weil sie über ihre Verhältnisse hinaus üppig und hochmüthig sind, selbst wenn es ihnen schlecht geht. |
| - | Von den vielen Beispielen, wie hilfreich sich die Hinzlein manchem Aachener Bürger erwiesen haben, will ich nur eines erzählen, was sich bei einem [[typ:Bäcker]] zugetragen hat. Derselbe war mitsammt seiner Frau recht fleißig und strebsam, allein ihr Gebäck wollte nie so recht gerathen, bald war es zu hart ausgebacken, | + | Von den vielen Beispielen, wie hilfreich sich die Hinzlein manchem Aachener Bürger erwiesen haben, will ich nur eines erzählen, was sich bei einem Bäcker zugetragen hat. Derselbe war mitsammt seiner Frau recht fleißig und strebsam, allein ihr Gebäck wollte nie so recht gerathen, bald war es zu hart ausgebacken, |
| - | Unter solchen Umständen wäre unser Bäcker nun bald zu Grunde gegangen und verarmt, da nahm sich aber ein Hinzenmännchen seiner an und half ihm backen. Eines Morgens, als er in das Backhaus trat, da sah er mit Erstaunen alles Gebäck fix und fertig, | + | Unter solchen Umständen wäre unser Bäcker nun bald zu Grunde gegangen und verarmt, da nahm sich aber ein Hinzenmännchen seiner an und half ihm backen. Eines Morgens, als er in das Backhaus trat, da sah er mit Erstaunen alles Gebäck fix und fertig, Schwarzbrod und Weißbrod, Wecken, Schermulen und Krennie und zwar Alles so schön gebacken, wie er es noch nie gesehen hatte. |
| - | Da merkte nun der [[typ:Bäcker]] gleich, daß hier die [[typ:Hinzenmännchen]] im Spiele seien, denn so fand er nun fort und fort jeden Morgen die Arbeit gethan und er und seine Frau hatten sich um nichts weiter zu bekümmern, als daß sie Abends im Backhaus Alles zurecht setzten und Morgens das schöne Gebäck auskramten und verkauften. Die Güte der Waaren zog dem Bäcker gar bald eine große Kundschaft zu und er hätte jeden Tag noch mehr Brod verkaufen können, wenn dessen mehr vorhanden gewesen wäre. Daß der Bäcker unter solchen Umständen in kurzer Zeit ein vermögender Mann wurde, versteht sich von selbst. Mit den wachsenden Vermögensverhältnissen trat aber auch die Ueppigkeit ins Haus und die Kleiderpracht der Bäckersfrau fing an dem Hinzenmännchen zu mißfallen. Doch er setzte das Backen mit gewohntem Fleiße fort und wartete auf eine Gelegenheit, | + | Da merkte nun der Bäcker gleich, daß hier die Hinzenmännchen im Spiele seien, denn so fand er nun fort und fort jeden Morgen die Arbeit gethan und er und seine Frau hatten sich um nichts weiter zu bekümmern, als daß sie Abends im Backhaus Alles zurecht setzten und Morgens das schöne Gebäck auskramten und verkauften. Die Güte der Waaren zog dem Bäcker gar bald eine große Kundschaft zu und er hätte jeden Tag noch mehr Brod verkaufen können, wenn dessen mehr vorhanden gewesen wäre. Daß der Bäcker unter solchen Umständen in kurzer Zeit ein vermögender Mann wurde, versteht sich von selbst. Mit den wachsenden Vermögensverhältnissen trat aber auch die Ueppigkeit ins Haus und die Kleiderpracht der Bäckersfrau fing an dem Hinzenmännchen zu mißfallen. Doch er setzte das Backen mit gewohntem Fleiße fort und wartete auf eine Gelegenheit, |
| - | Eines Tages sprach die Frau zu ihrem Manne: „Was meinst Du, wenn wir dem kleinen Hinz, der uns reich gemacht hat, eine Freude machten? Er ist so nackt und blos, ich dächte, wenn wir ihm einen hübschen Anzug machen ließen, es muß uns dabei auf eine Handvoll | + | Eines Tages sprach die Frau zu ihrem Manne: „Was meinst Du, wenn wir dem kleinen Hinz, der uns reich gemacht hat, eine Freude machten? Er ist so nackt und blos, ich dächte, wenn wir ihm einen hübschen Anzug machen ließen, es muß uns dabei auf eine Handvoll Thaler nicht ankommen.“ Der Bäcker war damit einverstanden und in der nächsten Nacht belauschten sie das Hinzenmännchen, |
| Der Auzug wurde bestellt und zwar: ein Paar Stiefelchen von rothem Korduan mit goldenen Borden und goldenen Quästchen, Höschen und Wämmschen vom feinsten, scharlachrothen Tuche nebst einem Käppchen von karminrothem Sammt mit goldenem Saum und goldner Quaste. Als nun Alles fertig war, legten die Bäckersleute es Abends auf einen Mehlsack in der Hausflur, um von der Treppe aus zu sehen, wie der kleine Hinz sich freuen würde. | Der Auzug wurde bestellt und zwar: ein Paar Stiefelchen von rothem Korduan mit goldenen Borden und goldenen Quästchen, Höschen und Wämmschen vom feinsten, scharlachrothen Tuche nebst einem Käppchen von karminrothem Sammt mit goldenem Saum und goldner Quaste. Als nun Alles fertig war, legten die Bäckersleute es Abends auf einen Mehlsack in der Hausflur, um von der Treppe aus zu sehen, wie der kleine Hinz sich freuen würde. | ||
| Zeile 46: | Zeile 46: | ||
| //Quelle: [[autor: | //Quelle: [[autor: | ||
| ---- | ---- | ||
| - | {{tag> | + | {{tag> |
sagen/aachenssagen21.1672753794.txt.gz · Zuletzt geändert: (Externe Bearbeitung)
