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sagen:aachenssagen17

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 ====== Rudolph von Habsburg ====== ====== Rudolph von Habsburg ======
  
-Während der wilden Zeit des Interregnums herrschte in [[land:Deutschland]] nur Schrecken und Verwirrung. Die Raubritter plünderten und mordeten den ruhigen Bürger ungestraft, denn es waltete weder Recht noch Gesetz mehr im Lande, die rohe Gewalt war an ihre Stellen getreten. Da wählten die Fürsten zu [[geo:frankfurtmain|Frankfurt am Main]] den Grafen [[vip:rudolphihrr|Rudolph]] von Habsburg aus dem Schweizerlande zum Kaiser, damit er mit kräftiger Hand der unseligen Zeit ein Ende machen und Gesetz und Ordnung wieder herstellen möge.+Während der wilden Zeit des Interregnums herrschte in [[land:Deutschland]] nur Schrecken und Verwirrung. Die Raubritter plünderten und mordeten den ruhigen Bürger ungestraft, denn es waltete weder Recht noch Gesetz mehr im Lande, die rohe Gewalt war an ihre Stellen getreten. Da wählten die Fürsten zu [[geo:frankfurtmain|Frankfurt am Main]] den Grafen [[vip:rudolphihrr|Rudolph von Habsburg]] aus dem [[land:Schweiz|Schweizerlande]] zum Kaiser, damit er mit kräftiger Hand der unseligen Zeit ein Ende machen und Gesetz und Ordnung wieder herstellen möge.
  
 Am 24. October des Jahres 1273 wurde Rudolph nebst seiner Gemahlin Anna zu [[geo:Aachen]] mit ganz ungewöhnlicher Pracht und Herrlichkeit gekrönt. Nach den Chronikenschreibern waren bis auf drei Meilen von der Stadt am Tage vor dem Feste die Landstraßen mit Wagen, Reitern und Fußgängern so bedeckt, daß man wegen des Gedränges oft Halt machen mußte. In der Stadt selbst war kein Unterkommen mehr zu finden. Die Festlichkeiten bei der Krönung übertrafen an Glanz und Feierlichkeit, bei weitem Alles, was man bei frühern Krönungen je erlebt hatte. Gott selbst gab auch ein Zeichen, daß ihm diese Wahl wohlgefällig sei, denn während der Krönung zeigte sich über dem [[kirche:domaachen|Münster]] ein glänzendes, goldenes Kreuz in den Wolken. Am 24. October des Jahres 1273 wurde Rudolph nebst seiner Gemahlin Anna zu [[geo:Aachen]] mit ganz ungewöhnlicher Pracht und Herrlichkeit gekrönt. Nach den Chronikenschreibern waren bis auf drei Meilen von der Stadt am Tage vor dem Feste die Landstraßen mit Wagen, Reitern und Fußgängern so bedeckt, daß man wegen des Gedränges oft Halt machen mußte. In der Stadt selbst war kein Unterkommen mehr zu finden. Die Festlichkeiten bei der Krönung übertrafen an Glanz und Feierlichkeit, bei weitem Alles, was man bei frühern Krönungen je erlebt hatte. Gott selbst gab auch ein Zeichen, daß ihm diese Wahl wohlgefällig sei, denn während der Krönung zeigte sich über dem [[kirche:domaachen|Münster]] ein glänzendes, goldenes Kreuz in den Wolken.
  
-Es begab sich ferner, daß nach der Krönung im Münster, als die Großen des Reiches nach alter Sitte und Herkommen dem neuen Kaiser den Eid der Treue auf das [[typ:Reichszepter]] schwören sollten, dasselbe nicht vorhanden war. Ohne Zögern nahm daher Rudolph das Kruzifix vom Altar und sprach: „Dieses ist das Zeichen der menschlichen Erlösung, dessen ich mich wider Alle und jeden bedienen will, die mir und dem Reiche untreu sein sollten.“ Hierauf schworen alle Fürsten ihm auf das Kruzifix den Eid der Treue.+Es begab sich ferner, daß nach der Krönung im Münster, als die Großen des Reiches nach alter Sitte und Herkommen dem neuen Kaiser den Eid der Treue auf das [[ding:zepter|Reichszepter]] schwören sollten, dasselbe nicht vorhanden war. Ohne Zögern nahm daher Rudolph das Kruzifix vom Altar und sprach: „Dieses ist das Zeichen der menschlichen Erlösung, dessen ich mich wider Alle und jeden bedienen will, die mir und dem Reiche untreu sein sollten.“ Hierauf schworen alle Fürsten ihm auf das Kruzifix den Eid der Treue.
  
-Nach der kirchlichen Feier folgte dann auf dem Kaisersaale, der heute noch in seiner ursprünglichen Größe besteht, und bald auch in seiner alten Pracht hergestellt sein wird, das Festmahl, wobei die sieben Kurfürsten den Kaiser bedienten. Während des Mahles äußerte Rudolph seine volle Zufriedenheit über alle getroffene Anordnungen, sowie über den Glanz und die Pracht des Mahles, allein er wollte es nicht verschweigen, daß er bei aller Herrlichkeit doch etwas vermisse, was er selbst als Graf bei großen Festen nicht entbehrt habe, einen [[typ:Sänger]] nämlich, der mit Harfenklang und schönem Gesange, das Mahl erst recht würze. Sieh! da trat in langem, faltigem Talare ein [[typ:Sänger]] in den Saal, er nährte sich ehrerbietigst dem Kaiser und sang dann von süßen Tönen der Harfe begleitet, folgendes Lied: +Nach der kirchlichen Feier folgte dann auf dem Kaisersaale, der heute noch in seiner ursprünglichen Größe besteht, und bald auch in seiner alten Pracht hergestellt sein wird, das Festmahl, wobei die sieben Kurfürsten den Kaiser bedienten. Während des Mahles äußerte Rudolph seine volle Zufriedenheit über alle getroffene Anordnungen, sowie über den Glanz und die Pracht des Mahles, allein er wollte es nicht verschweigen, daß er bei aller Herrlichkeit doch etwas vermisse, was er selbst als Graf bei großen Festen nicht entbehrt habe, einen Sänger nämlich, der mit Harfenklang und schönem Gesange, das Mahl erst recht würze. Sieh! da trat in langem, faltigem Talare ein Sänger in den Saal, er nährte sich ehrerbietigst dem Kaiser und sang dann von süßen Tönen der Harfe begleitet, folgendes Lied: 
  
 „Auf's Waidwerk hinaus ritt ein edler Held,\\ „Auf's Waidwerk hinaus ritt ein edler Held,\\
 Den flüchtigen Gemsbock zu jagen.\\ Den flüchtigen Gemsbock zu jagen.\\
 Ihm folgte der Knapp mit dem Jägergeschoß,\\ Ihm folgte der Knapp mit dem Jägergeschoß,\\
-Und als er auf seinem staatlichen [[typ:pferd|Roß]]\\+Und als er auf seinem staatlichen Roß\\
 In eine Au kommt geritten,\\ In eine Au kommt geritten,\\
 Ein Glöcklein hört er erklingen fern,\\ Ein Glöcklein hört er erklingen fern,\\
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 Und glänzen die spätsten Geschlechter!“\\ Und glänzen die spätsten Geschlechter!“\\
  
-Während dieses Gesanges saß der Kaiser da ernst und nachdenkend wie in Träumen verloren, nachdem er aber dem Sänger fest ins Auge gesehen hatte, rollten ihm Thränen über die Wangen und er verhüllte mit seinem Purpur-Mantel das Antlitz. Der Sänger, der vor ihm stand, war der Priester, dem er einst sein Roß geliehen, und der mit dankbarem Herzen und hoher Verehrung für den Kaiser aus der [[land:Schweiz]] gen [[geo:Aachen]] gezogen war, um Zeuge zu sein, wie Gott den Demüthigen erhebet und mit Ehre und Ruhm lohnt.+Während dieses Gesanges saß der Kaiser da ernst und nachdenkend wie in Träumen verloren, nachdem er aber dem Sänger fest ins Auge gesehen hatte, rollten ihm Thränen über die Wangen und er verhüllte mit seinem Purpur-Mantel das Antlitz. Der Sänger, der vor ihm stand, war der Priester, dem er einst sein Roß geliehen, und der mit dankbarem Herzen und hoher Verehrung für den Kaiser aus der Schweiz gen Aachen gezogen war, um Zeuge zu sein, wie Gott den Demüthigen erhebet und mit Ehre und Ruhm lohnt.
  
 //Quelle: [[autor:josephmueller|Dr. Joseph Müller]], „[[buch:aachens_sagen_und_legenden|Aachens Sagen und Legenden]]“, Verlag J.A. Mayer Aachen 1858// //Quelle: [[autor:josephmueller|Dr. Joseph Müller]], „[[buch:aachens_sagen_und_legenden|Aachens Sagen und Legenden]]“, Verlag J.A. Mayer Aachen 1858//
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sagen/aachenssagen17.1707381429.txt.gz · Zuletzt geändert: (Externe Bearbeitung)