sagen:aachenssagen17
Unterschiede
Hier werden die Unterschiede zwischen zwei Versionen angezeigt.
| Nächste Überarbeitung | Vorhergehende Überarbeitung | ||
| sagen:aachenssagen17 [2023/01/03 13:25] – angelegt ewusch | sagen:aachenssagen17 [2025/01/30 17:46] (aktuell) – Externe Bearbeitung 127.0.0.1 | ||
|---|---|---|---|
| Zeile 1: | Zeile 1: | ||
| - | [[sagen: | + | [[sagen: |
| + | |||
| + | ====== Rudolph von Habsburg ====== | ||
| + | |||
| + | Während der wilden Zeit des Interregnums herrschte in [[land: | ||
| + | |||
| + | Am 24. October des Jahres 1273 wurde Rudolph nebst seiner Gemahlin Anna zu [[geo: | ||
| + | |||
| + | Es begab sich ferner, daß nach der Krönung im Münster, als die Großen des Reiches nach alter Sitte und Herkommen dem neuen Kaiser den Eid der Treue auf das [[ding: | ||
| + | |||
| + | Nach der kirchlichen Feier folgte dann auf dem Kaisersaale, | ||
| + | |||
| + | „Auf' | ||
| + | Den flüchtigen Gemsbock zu jagen.\\ | ||
| + | Ihm folgte der Knapp mit dem Jägergeschoß, | ||
| + | Und als er auf seinem staatlichen Roß\\ | ||
| + | In eine Au kommt geritten, | ||
| + | Ein Glöcklein hört er erklingen fern,\\ | ||
| + | Ein Priester wars mit dem Leib des Herrn,\\ | ||
| + | Voran kam der Meßner geschritten.“\\ | ||
| + | |||
| + | „Und der Graf zur Erde sich neiget hin,\\ | ||
| + | Das Haupt mit Demuth entblößet, | ||
| + | Zu verehren mit gläubigem Christensinn\\ | ||
| + | Was alle Menschen erlöset.\\ | ||
| + | Ein Bächlein aber rauschte durchs Feld,\\ | ||
| + | Von des Gießbachs reißenden Fluthen geschwellt, | ||
| + | Das hemmte der Wanderer Tritte,\\ | ||
| + | Und beiseit' | ||
| + | |||
| + | Von den Füßen zieht er die Schuhe behend,\\ | ||
| + | Damit er das Bächlein durchschritte.“\\ | ||
| + | „Was schaffst du?“ redet der Graf ihn an,\\ | ||
| + | Der ihn verwundert betrachtet.\\ | ||
| + | Und da ich mich nahe des Baches Steg,\\ | ||
| + | Da hat ihn der strömende Gießbach hinweg\\ | ||
| + | Im Strudel der Wellen gerissen.\\ | ||
| + | Drum daß dem Lechzenden werde sein Heil,\\ | ||
| + | |||
| + | So will ich das Wässerlein jetzt in Eil\\ | ||
| + | Durchwaten mit nackenden Füßen.“\\ | ||
| + | „Da setzt ihn der Graf auf sein ritterlich Pferd,\\ | ||
| + | Und reicht ihm die prächtigen Zäume,\\ | ||
| + | Daß er labe den Kranken, der sein begehrt\\ | ||
| + | Und die heilige Pflicht nicht versäume.\\ | ||
| + | Und er selber auf seines Knappen Thier\\ | ||
| + | Vergnüget noch weiter des Jagens Begier,\\ | ||
| + | |||
| + | Der andre die Reise vollführet, | ||
| + | Und am nächsten Morgen mit dankendem Blick\\ | ||
| + | Da bringt er dem Grafen sein Roß zurück, | ||
| + | Bescheiden am Zügel geführet.“\\ | ||
| + | „Nicht wolle das Gott, rief mit Demuthssinn\\ | ||
| + | Der Graf, daß zum Streiten und Jagen\\ | ||
| + | Das Roß ich beschritte fürderhin, | ||
| + | Das meinen Schöpfer getragen!\\ | ||
| + | |||
| + | Und magst du's nicht haben zu eignem Gewinst, | ||
| + | So bleibt es gewidmet dem göttlichen Dienst,\\ | ||
| + | Denn ich hab es dem ja gegeben, | ||
| + | Von dem ich Ehre und irdisches Gut\\ | ||
| + | Zu Lehen trage und Leib und Blut\\ | ||
| + | Und Seele und Athem und Leben.“\\ | ||
| + | „So mög' euch Gott, der allmächtige Hort, \\ | ||
| + | Der das Flehen der Schwachen erhöret, \\ | ||
| + | |||
| + | Zu Ehren euch bringen hier und dort \\ | ||
| + | So wie ihr jetzt ihn geehret. \\ | ||
| + | Ihr seid ein mächtiger Graf, bekannt \\ | ||
| + | Durch ritterlich Walten im Schweizerland, | ||
| + | Euch blühen sechs liebliche Töchter. \\ | ||
| + | So mögen sie, rief er begeistert aus, \\ | ||
| + | Sechs Kronen euch bringen in euer Haus \\ | ||
| + | Und glänzen die spätsten Geschlechter!“\\ | ||
| + | |||
| + | Während dieses Gesanges saß der Kaiser da ernst und nachdenkend wie in Träumen verloren, nachdem er aber dem Sänger fest ins Auge gesehen hatte, rollten ihm Thränen über die Wangen und er verhüllte mit seinem Purpur-Mantel das Antlitz. Der Sänger, der vor ihm stand, war der Priester, dem er einst sein Roß geliehen, und der mit dankbarem Herzen und hoher Verehrung für den Kaiser aus der Schweiz gen Aachen gezogen war, um Zeuge zu sein, wie Gott den Demüthigen erhebet und mit Ehre und Ruhm lohnt. | ||
| //Quelle: [[autor: | //Quelle: [[autor: | ||
| ---- | ---- | ||
| + | {{tag> | ||
| + | |||
| + | |||
sagen/aachenssagen17.1672748746.txt.gz · Zuletzt geändert: (Externe Bearbeitung)
