sagen:aachenssagen07
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| ====== Die tugendhafte Hildegard ====== | ====== Die tugendhafte Hildegard ====== | ||
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| Da aber Taland seine verbrecherische Gedanken nicht fahren ließ, vielmehr stets auf neue Listen und Ränke sann, um sich der Kaiserin zu nähern und fortfuhr sie mit ungestümmen Zudringlichkeiten zu behelligen, so blieb ihr kein anderes Mittel übrig, als sich durch ein kühnes Wagniß seinen Verfolgungen zu entwinden. Sie zeigte sich nämlich eines Tages recht freundlich gegen ihn und erweckte in ihm die Hoffnung, als werde sie endlich seinen Wünschen nachgeben. Diese Erwartung wurde in seinem Sinne aber zur nahen Wirklichkeit gesteigert, als die Kaiserin ihm auftrug, drei Zimmer in einem abgelegenen Theile des Pallastes für sie herrichten zu lassen und dieselben mit wohl verschließbaren Thüren zu versehen. Sobald die Gemächer fertig seien, wolle sie dieselben nur von Taland begleitet, in Augenschein nehmen. | Da aber Taland seine verbrecherische Gedanken nicht fahren ließ, vielmehr stets auf neue Listen und Ränke sann, um sich der Kaiserin zu nähern und fortfuhr sie mit ungestümmen Zudringlichkeiten zu behelligen, so blieb ihr kein anderes Mittel übrig, als sich durch ein kühnes Wagniß seinen Verfolgungen zu entwinden. Sie zeigte sich nämlich eines Tages recht freundlich gegen ihn und erweckte in ihm die Hoffnung, als werde sie endlich seinen Wünschen nachgeben. Diese Erwartung wurde in seinem Sinne aber zur nahen Wirklichkeit gesteigert, als die Kaiserin ihm auftrug, drei Zimmer in einem abgelegenen Theile des Pallastes für sie herrichten zu lassen und dieselben mit wohl verschließbaren Thüren zu versehen. Sobald die Gemächer fertig seien, wolle sie dieselben nur von Taland begleitet, in Augenschein nehmen. | ||
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| Nach wenigen Tagen schon theilte er der Kaiserin mit, daß ihr Befehl ausgeführt und die bewußten Räumlichkeiten eingerichtet seien. Sie bezeichnete daher Tag und Stunde, in der Taland ihrer in dem hintersten der drei Gemächer harren sollte. Zur bestimmten Zeit erschien sie wirklich ohne alle Begleitung in den Gemächern und der böse Schalk war nun seines Sieges gewiß. Allein wie bitter sah er sich getäuscht, denn als die Kaiserin sich dem dritten Gemach näherte, ergriff sie plötzlich die Thüre, warf dieselbe mit Heftigkeit zu, verschloß und verriegelte sie und eilte nachdem sie in gleicher Weise die beiden andern Thüren sorgsam verschlossen hatte, in ihre Behausung zu rück, wo sie Gott inbrünstig dafür dankte, daß er ihr Kraft und Stärke verliehen habe über den Frevler zu siegen und ihre Unschuld zu wahren. Wuthschnaubend erkannte Taland jetzt, daß er von einer Frau überlistet worden sei und er sich selbst sein gut verschlossenes Gefängniß eingerichtet habe. | Nach wenigen Tagen schon theilte er der Kaiserin mit, daß ihr Befehl ausgeführt und die bewußten Räumlichkeiten eingerichtet seien. Sie bezeichnete daher Tag und Stunde, in der Taland ihrer in dem hintersten der drei Gemächer harren sollte. Zur bestimmten Zeit erschien sie wirklich ohne alle Begleitung in den Gemächern und der böse Schalk war nun seines Sieges gewiß. Allein wie bitter sah er sich getäuscht, denn als die Kaiserin sich dem dritten Gemach näherte, ergriff sie plötzlich die Thüre, warf dieselbe mit Heftigkeit zu, verschloß und verriegelte sie und eilte nachdem sie in gleicher Weise die beiden andern Thüren sorgsam verschlossen hatte, in ihre Behausung zu rück, wo sie Gott inbrünstig dafür dankte, daß er ihr Kraft und Stärke verliehen habe über den Frevler zu siegen und ihre Unschuld zu wahren. Wuthschnaubend erkannte Taland jetzt, daß er von einer Frau überlistet worden sei und er sich selbst sein gut verschlossenes Gefängniß eingerichtet habe. | ||
| - | Hier sollte er bis zur Heimkehr des Kaisers seine beabsichtigte Schandthat büßen, zur Zeit wollte Hildegard ihrem Gemahle dann das Vorgefallene treulich mittheilen, damit er selbst über den Gefangenen das Urtheil fälle. Als aber die frohe Botschaft erscholl: die Sachsen seien vollständig besiegt, ihre Anführer und Tausende der Ihrigen hätten die heilige Taufe empfangen und [[vip: | + | Hier sollte er bis zur Heimkehr des Kaisers seine beabsichtigte Schandthat büßen, zur Zeit wollte Hildegard ihrem Gemahle dann das Vorgefallene treulich mittheilen, damit er selbst über den Gefangenen das Urtheil fälle. Als aber die frohe Botschaft erscholl: die Sachsen seien vollständig besiegt, ihre Anführer und Tausende der Ihrigen hätten die heilige Taufe empfangen und Karl werde ruhmbekränzt in wenigen Tagen nach Aachen zurückkehren, |
| - | Die tugendhafte Frau bedachte nicht, daß derjenige, welcher das Laster verheimlicht, | + | Die tugendhafte Frau bedachte nicht, daß derjenige, welcher das Laster verheimlicht, |
| - | Darob entbrannte | + | Darob entbrannte |
| Der Ruf von ihren glücklichen oft wundersamen Kuren verbreitete sich weit über Italiens Grenzen hinaus und war auch in [[geo: | Der Ruf von ihren glücklichen oft wundersamen Kuren verbreitete sich weit über Italiens Grenzen hinaus und war auch in [[geo: | ||
| - | Da nun Karl wichtiger Geschäfte wegen nach [[geo:Rom]] reisen mußte, so bat der unglückliche Verläumder denselben, ihn doch dahin mitzunehmen, | + | Da nun Karl wichtiger Geschäfte wegen nach Rom reisen mußte, so bat der unglückliche Verläumder denselben, ihn doch dahin mitzunehmen, |
| - | [[vip: | + | Karl, der diese wunderbare Heilung sah, wünschte sehnlichst die kenntnißreiche und, wie er vernommen hatte, ebenso bescheidene und fromme Frau persönlich kennen zu lernen und berief sie daher zu sich. Dieselbe erschien von Kummer gebeugt, doch frei und offen, würdevoll und ernst vor dem Kaiser. Welcher Schrecken und welch Erstaunen ergriff ihn aber in diesem Augenblicke! Er erkannte sogleich in dieser Frau seine einst so heiß geliebte Hildegard, die Mutter seiner Kinder, die er ungehört verurtheilt und verstoßen hatte. |
| - | In dem schlichten Gewande der Wahrheit erzählte sie [[vip: | + | In dem schlichten Gewande der Wahrheit erzählte sie Karl nun die ganze Geschichte, welche sich mit Taland zugetragen hatte. Bittere Reue ergriff das Herz des Kaisers, denn er erkannte die Unschuld seiner treuen Gattin und das große Unrecht, welches er gegen sie begangen. Er sah die Verruchtheit und Verworfenheit des Verläumders ein und verurtheilte ihn, nachdem er seine Schuld bekannt hatte, zum Tode. Hildegard wurde aber die Fürsprecherin ihres Feindes und Verfolgers und bewirkte beim Kaiser, daß die Todesstrafe in Verbannung gemildert wurde. Karl nahm seine Hildegarde als treue Gattin wieder auf und kehrte hochentzückt und unter dem Zujauchzen der Menge mit ihr in Aachen wieder ein. |
| Aus Dankbarkeit zu Gott, der ihre Unschuld so wunderbar an den Tag gebracht und ihre Ehre wieder hergestellt hatte, stiftete sie im Jahre 773 das [[kirche: | Aus Dankbarkeit zu Gott, der ihre Unschuld so wunderbar an den Tag gebracht und ihre Ehre wieder hergestellt hatte, stiftete sie im Jahre 773 das [[kirche: | ||
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