sagen:aachenssagen03
Unterschiede
Hier werden die Unterschiede zwischen zwei Versionen angezeigt.
| Nächste Überarbeitung | Vorhergehende Überarbeitung | ||
| sagen:aachenssagen03 [2023/01/03 09:25] – angelegt ewusch | sagen:aachenssagen03 [2025/01/30 17:46] (aktuell) – Externe Bearbeitung 127.0.0.1 | ||
|---|---|---|---|
| Zeile 1: | Zeile 1: | ||
| - | [[sagen: | + | [[sagen: |
| ====== Die Wolfsthüre und der Daumen des Teufels ====== | ====== Die Wolfsthüre und der Daumen des Teufels ====== | ||
| Zeile 5: | Zeile 5: | ||
| (Fortsetzung von [[sagen: | (Fortsetzung von [[sagen: | ||
| - | Kaum war der Pakt in des Teufels Händen, da regnete das Geld von allen Seiten zum Saale hinein, Alles von frischem Gepräge, nichts als [[lex: | + | Kaum war der Pakt in des Teufels Händen, da regnete das Geld von allen Seiten zum Saale hinein, Alles von frischem Gepräge, nichts als [[lex: |
| - | Am [[kirche: | + | Am [[kirche: |
| - | Es war daher sehr natürlich, daß es den Herren dabei gar unheimlich zu Muthe wurde, und daß sie manche schlaflose Nacht hatten. Jeder dachte, der [[typ:Teufel]] könne, wenn die Ablieferung der Seele zu lange verschoben werde, darüber ärgerlich, sich einen beliebigen | + | Es war daher sehr natürlich, daß es den Herren dabei gar unheimlich zu Muthe wurde, und daß sie manche schlaflose Nacht hatten. Jeder dachte, der Teufel könne, wenn die Ablieferung der Seele zu lange verschoben werde, darüber ärgerlich, sich einen beliebigen Rathsherren holen, da sie sich ja für die Seele solidarisch verpflichtet hätten. Es wäre auch zu viel verlangt gewesen, wie einige Bürger meinten, daß ein Rathsherr für die anderen alle zuerst in das Münster treten und sich dem Teufel hingeben sollte, denn mit dem Teufel läßt sich doch nicht spaßen. |
| - | Aus dieser Rathlosigkeit rettete endlich ein kluger | + | Aus dieser Rathlosigkeit rettete endlich ein kluger Mönch die Rathsherren, |
| - | Am folgenden Tage stand dasselbe weit geöffnet und hinter demselben saß der [[typ:Teufel]], denn es stand zuerwarten, daß heute die Neugierde schon eine Menge Leute in das Münster locken werde und der erste davon war ja sein. Die [[typ: | + | Am folgenden Tage stand dasselbe weit geöffnet und hinter demselben saß der Teufel, denn es stand zuerwarten, daß heute die Neugierde schon eine Menge Leute in das Münster locken werde und der erste davon war ja sein. Die Rathsherren hatten aber in der Umgegend einen Wolf einfangen lassen, was gar nicht schwer fiel, weil sie reich an Wölfen war, und denselben eingekäfigt, |
| - | Mit Blitzes Schnelle fuhr der [[typ:Teufel]] aus seinem Versteck über den [[typ:Wolf]] her und riß ihm lebendig die Seele aus. Vor Zorn und Grimm aber über den Betrug, daß man ihm statt einer Menschenseele nur eine armselige Wolfsseele zuerst in das [[kirche: | + | Mit Blitzes Schnelle fuhr der Teufel aus seinem Versteck über den Wolf her und riß ihm lebendig die Seele aus. Vor Zorn und Grimm aber über den Betrug, daß man ihm statt einer Menschenseele nur eine armselige Wolfsseele zuerst in das Münster getrieben hatte, verließ er mit Heulen und Zähnefletschen das neue Gotteshaus und schlug in seiner Wuth die eherne Thüre mit solcher Gewalt hinter sich zu, daß sie einen Riß bekam, er sich selbst aber den Daumen der rechten Hand in einem der Thürknäufe abrenkte, welcher bald erkaltete und noch heute als Wahrzeichen in dem Thürknauf steckt. |
| - | Einheimische und Fremde bemühen sich bis jetzt noch vergebens denselben heraus zu ziehen. Vielen gelingt es wohl, ihn bis zum Rande hervorzulangen, | + | Einheimische und Fremde bemühen sich bis jetzt noch vergebens denselben heraus zu ziehen. Vielen gelingt es wohl, ihn bis zum Rande hervorzulangen, |
| - | Zum ewigen Andenken an diese Geschichte mit dem Wolfe ließ der Magistrat dessen Bild in Erz gießen mit einem Loch in der Brust an der Stelle, wo der [[typ:Teufel]] ihm die Seele ausriß. Die Seele eines Wolfes soll aber einer Artischocke oder einem Pinienapfel gleichen und in dieser Gestalt wurde dann auch sie in Erz gegossen. Auf steinernen Säulen stehen diese beiden Güsse an dem Hauptthore des Münsters, der [[typ:Wolf]] rechts und die Artischocke links. Das Thor selbst heißt die Wolfsthüre. Wer nach Aachen kommt und sieht den [[typ:Wolf]] und seine Seele, sowie die Wolfsthüre mit des Teufels Daumen nicht, der darf nicht behaupten in [[geo: | + | Zum ewigen Andenken an diese Geschichte mit dem Wolfe ließ der Magistrat dessen Bild in Erz gießen mit einem Loch in der Brust an der Stelle, wo der Teufel ihm die Seele ausriß. Die Seele eines Wolfes soll aber einer Artischocke oder einem Pinienapfel gleichen und in dieser Gestalt wurde dann auch sie in Erz gegossen. Auf steinernen Säulen stehen diese beiden Güsse an dem Hauptthore des Münsters, der Wolf rechts und die Artischocke links. Das Thor selbst heißt die Wolfsthüre. Wer nach Aachen kommt und sieht den Wolf und seine Seele, sowie die Wolfsthüre mit des Teufels Daumen nicht, der darf nicht behaupten in [[geo: |
| //Quelle: [[autor: | //Quelle: [[autor: | ||
| ---- | ---- | ||
| - | {{tag> | + | {{tag> |
sagen/aachenssagen03.1672734300.txt.gz · Zuletzt geändert: (Externe Bearbeitung)
