sagen:9._die_betenden_strassenraeuber
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| - | ====== Die betenden Straßenräuber | + | ====== Die betenden Straßenräuber ====== |
| Sammlung zu einer Chronik von Stendal. II. 48. 49. | Sammlung zu einer Chronik von Stendal. II. 48. 49. | ||
| - | Vor vielen Jahren lebte in einem Dorfe unweit | + | Vor vielen Jahren lebte in einem Dorfe unweit [[geo:Stendal]] ein Prediger, der sehr geizig war. Der war eines Tages in Stendal gewesen, und hatte dort viel Geld eingenommen, |
| - | Als der [[typ:Pfarrer]] mitten im Felde war, traten sie zu ihm, und sprachen ihn demüthig um eine Reiterzehrung an. Ihnen erwiederte der Geistliche mit heuchlerischen Worten, daß er kein [[typ:Geld]] bei sich habe, und es ihm daher sehr leid thue, daß er ihnen nichts geben könne. Da sprach einer der Galgenvögel eben so heuchlerisch: | + | Als der Pfarrer mitten im Felde war, traten sie zu ihm, und sprachen ihn demüthig um eine Reiterzehrung an. Ihnen erwiederte der Geistliche mit heuchlerischen Worten, daß er kein Geld bei sich habe, und es ihm daher sehr leid thue, daß er ihnen nichts geben könne. Da sprach einer der Galgenvögel eben so heuchlerisch: |
| - | Was geschah? - Sie knieeten alle Vier nieder, und beteten lange mit einander. Dann standen sie auf, und die drei Soldaten fragten einer den andern, ob ihnen Gott etwas beschert habe. Als nun die Soldaten alle drei Nein gesagt hatten, wandten sie sich an den Pfarrherrn und sprachen, dann müsse er doch sicher etwas bekommen haben. Der erschrockene | + | Was geschah? - Sie knieeten alle Vier nieder, und beteten lange mit einander. Dann standen sie auf, und die drei Soldaten fragten einer den andern, ob ihnen Gott etwas beschert habe. Als nun die Soldaten alle drei Nein gesagt hatten, wandten sie sich an den Pfarrherrn und sprachen, dann müsse er doch sicher etwas bekommen haben. Der erschrockene Prediger schwor, er sei noch so arm, als vorher; allein das half ihm nichts. Die Räuber meinten, er selbst kenne sein Glück noch nicht, und wendeten ihm die Taschen um und suchten seinen Kober durch. Da fanden sie denn viele Thaler, die nahmen sie heraus, und theilten sie ehrlich in vier Theile, gaben dem Prediger davon einen, und nahmen ein Jeglicher auch einen, und gingen also ihre Straße fröhlich zurück. |
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