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sagen:8._mara

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sagen:8._mara [2022/12/01 14:49] ewuschsagen:8._mara [2025/10/09 14:20] (aktuell) ewusch
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-[[sagen:7._smertniza|<<< vorherige Sage]] | [[capitel:hauptgoettersagen|Erste Abtheilung: Göttersagen]] | [[sagen:9._dziwica_die_wendische_jagdgoettin|nächste Sage >>>]]+[[sagen:7._smertniza|<<< vorherige Sage]] | **[[capitel:hauptgoettersagen|Erste Abtheilung: Göttersagen]]** | [[sagen:9._dziwica_die_wendische_jagdgoettin|nächste Sage >>>]]
  
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     Ruhlandt, Taschenbuch II. S. 22. Magnus, Gesch. von Sorau p. 110.     Ruhlandt, Taschenbuch II. S. 22. Magnus, Gesch. von Sorau p. 110.
  
-[[gott:Mara]] heißt bei den [[volk:sorben|Wenden]] eine weiße Frau, welche die [[typ:Pest]] oder andere [[typ:seuche|Seuchen]] von Ort zu Ort trägt und nur dadurch von einem Orte ausgeschlossen werden kann, daß man die Ortsgrenze mit drei Pflugfurchen umzieht.+[[gott:Mara]] heißt bei den [[volk:sorben|Wenden]] eine weiße Frau, welche die Pest oder andere Seuchen von Ort zu Ort trägt und nur dadurch von einem Orte ausgeschlossen werden kann, daß man die Ortsgrenze mit drei Pflugfurchen umzieht.
  
-"Anno 1602 zur Pestzeit haben die wendischen Bauern um [[geo:Sorau]] und [[geo:SommerfeldLubsko|Sommerfeld]], wie die [[typ:Pest]] gar sehr im Schwange ging, Folgendes gemacht: Sie lasen 9 Personen aus, nämlich 2 junge [[typ:knecht|Knechte]], alle beide reine Junggesellen,[[typ:witwe|Wittwe]], so 7 Jahr im Wittwenstande gesessen und 6 [[typ:jungfrau|Jungfrauen]]. Alle diese mußten am Ende des Dorfes um [[zeit:Mitternacht]] zusammen kommen.+"Anno 1602 zur Pestzeit haben die wendischen Bauern um [[geo:Sorau]] und [[geo:SommerfeldLubsko|Sommerfeld]], wie die Pest gar sehr im Schwange ging, Folgendes gemacht: Sie lasen 9 Personen aus, nämlich 2 junge Knechte, alle beide reine Junggesellen, 1 Wittwe, so 7 Jahr im Wittwenstande gesessen und 6 Jungfrauen. Alle diese mußten am Ende des Dorfes um Mitternacht zusammen kommen.
  
-Der eine Knecht brachte einen [[typ:Pflug]] mit allem Zubehör, der andere eine abgestorbene Raite, damit machte er einen [[typ:Kreis]], in welchen sich die Wittwe mit den Jungfrauen begaben und daselbst ganz [[typ:nackt|nackend]] ausziehen mußten; es durfte auch keinem ein einziges Wörtlein entfahren. Hierauf ging die Wittwe mit der Raite voran, die [[typ:Jungfrau]], so sich in den Pflug eingespannet, zogen denselben ihr nach und der eine Knecht ging neben dem Pfluge her, der andere aber blieb im Kreise sitzen und hütete unterdeß die Kleider, während die andern um's ganze Dorf eine Furche pflügeten, daß die Pest nicht in dasselbe ziehen sollte. Nach verrichteter Arbeit ging ein jedes mäuschenstill und ungemuckt nach Hause."+Der eine Knecht brachte einen Pflug mit allem Zubehör, der andere eine abgestorbene Raite, damit machte er einen Kreis, in welchen sich die Wittwe mit den Jungfrauen begaben und daselbst ganz nackend ausziehen mußten; es durfte auch keinem ein einziges Wörtlein entfahren. Hierauf ging die Wittwe mit der Raite voran, die Jungfrau, so sich in den Pflug eingespannet, zogen denselben ihr nach und der eine Knecht ging neben dem Pfluge her, der andere aber blieb im Kreise sitzen und hütete unterdeß die Kleider, während die andern um's ganze Dorf eine Furche pflügeten, daß die Pest nicht in dasselbe ziehen sollte. Nach verrichteter Arbeit ging ein jedes mäuschenstill und ungemuckt nach Hause."
  
-Anders erscheint die [[gott:Mara]] in der Gegend des Kottmarberges. Dort wandelt sie zur Mittagszeit umher und wo sie hintritt sprießen die Gräser, blühen die Blumen und wachsen die [[typ:Kräuter]]. Daher pflegten die [[volk:sorben|Wenden]] ehedem [[typ:wallfahrt|Wallfahrten]] nach jenem Berge zu unternehmen und sie durch angezündete Feuer, gekochte Milch und Kräuter zu ernähren, damit sie ihr Vieh beschütze. Auf dem benachbarten Lehrberge wohnten ihre [[typ:Priester]], noch zeigt man den Platz, wo das Lehrhaus gestanden und nennt einen dort befindlichen [[typ:quelle|Quell]] den Lehrbrunnen. Beide Berge waren durch einen [[typ:geheimgang|unterirdischen Gang]] verbunden, dessen Spuren noch heute wahrzunehmen sein sollen. +Anders erscheint die Mara in der Gegend des [[region:kottmar|Kottmarberges]]. Dort wandelt sie zur Mittagszeit umher und wo sie hintritt sprießen die Gräser, blühen die Blumen und wachsen die Kräuter. Daher pflegten die Wenden ehedem Wallfahrten nach jenem Berge zu unternehmen und sie durch angezündete Feuer, gekochte Milch und Kräuter zu ernähren, damit sie ihr Vieh beschütze. Auf dem benachbarten Lehrberge wohnten ihre Priester, noch zeigt man den Platz, wo das Lehrhaus gestanden und nennt einen dort befindlichen Quell den Lehrbrunnen. Beide Berge waren durch einen unterirdischen Gang verbunden, dessen Spuren noch heute wahrzunehmen sein sollen. 
  
 //Anmerkungen:  Noch heutzutage finden regelmäßige Spaziergänge auf den Kottmarberg am Abende des Pfingstfestes statt. Sehr merkwürdig ist die Doppelnatur dieser Göttin, die geradezu die polarischen Gegensätze des belebenden und zerstörenden Naturprincips in sich vereinigt. Als Pestfrau finden wir sie wieder in der Jezi-Baba der Böhmen, der Kuga der Serben, der Pestjungfrau in Tyrol, der Lichoretka der Russen, der Pestflicka der Schweden. // //Anmerkungen:  Noch heutzutage finden regelmäßige Spaziergänge auf den Kottmarberg am Abende des Pfingstfestes statt. Sehr merkwürdig ist die Doppelnatur dieser Göttin, die geradezu die polarischen Gegensätze des belebenden und zerstörenden Naturprincips in sich vereinigt. Als Pestfrau finden wir sie wieder in der Jezi-Baba der Böhmen, der Kuga der Serben, der Pestjungfrau in Tyrol, der Lichoretka der Russen, der Pestflicka der Schweden. //
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 //Quelle: [[autor:karlhaupt|Karl Haupt]], [[buch:sagenbuch_der_lausitz|Sagenbuch der Lausitz]], Leipzig, Verlag von Wilhelm Engelmann,1862// //Quelle: [[autor:karlhaupt|Karl Haupt]], [[buch:sagenbuch_der_lausitz|Sagenbuch der Lausitz]], Leipzig, Verlag von Wilhelm Engelmann,1862//
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sagen/8._mara.1669902567.txt.gz · Zuletzt geändert: (Externe Bearbeitung)