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sagen:744_blutende_leiche_verraeth_einen_moerder

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-====== Blutende Leiche verräth einen Mörder (Grässe) ====== 
  
-    Annalen der Stadt Budissin v. 958–1664.  
-    Hdschr. a. d. Königl. Bibl. zu Dresden. Schr. d. Nr. 27. 
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-Im Jahre 1500 hat sich in der Stadt [[geo:Bautzen]] eine gräuliche [[typ:mord|Mordthat]] begegnet. Es ist daselbst damals an der Schule ein Cantor Namens Jacob Tham gewesen, der hat auf der Reichengasse von der Ecke des [[typ:markt|Marktes]] herein gelebt. Bei dem hat seine Schwiegermutter, die sogenannte alte Krohin, gewohnt, ein böses [[typ:Weib]], die fast täglich mit ihm gezankt und verlangt hat, er solle ihr das Haus, wo er wohnte und was ihr gehörte, bezahlen.  
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-Da hat ihn einmal der böse Feind verführt, er hat am Tage visitationis Mariae eine [[typ:Axt]] genommen und ihr das Genick eingeschlagen, dann aber hat er sie in den [[typ:trog|Würztrog]] geworfen, als wenn sie sich selbst ersäuft, und ist in die Schule gegangen. Hierhin ist denn sehr bald seine Frau gekommen und hat ihm gesagt: „lieber Mann, wie geht das zu, meine Mutter hat sich im Würztroge ersäuft, komme doch schnell nach Hause!“  
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-Hierauf kommen die Nachbarn und die Gerichte, um die Todte zu besichtigen, da es aber schon gegen Abend war, so grauete es Jedermann, und man hat sie nicht genau angeschaut, sondern dem Nachrichter befohlen, sie als eine [[typ:selbstmord|Selbstmörderin]] des morgenden Tages, an einem Sonntag, auf den Schindanger zu fahren und nach gerichtlicher Anordnung zu begraben. Wie nun der [[typ:henker|Scharfrichter]] den Körper angreift, hebt die Leiche an heftig zu bluten, darüber der Scharfrichter sagt: „das geht nicht mit rechten Dingen zu, wer sich schuldig an diesem Blute weiß, der hat Zeit sich davonzumachen“. Darauf haben viele Leute dem Cantor gerathen, zu flüchten oder sich in ein Kloster zu verbergen, allein er hat nicht gewollt.  
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-Endlich hat man ihn eingezogen und mit der scharfen Frage belegt, doch hat er nichts gestanden, am folgenden Tage aber hat er den [[typ:ratsherr|Rathsherrn]] Hieronymus Ruprecht zu sich kommen lassen, und ihm Alles bekannt, wie es zugegangen. Darauf ist er schon nächsten Mittwoch hinausgeschleift und auf’s [[typ:rädern|Rad]] gelegt worden.  
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-Ob nun wohl dieses Mörders Eheweib in solche That gewilligt, auch zu ihrer leiblichen Mutter Ermordung Rath und That gegeben, hat man sie doch damals verschont und nicht angreifen dürfen, weil sie täglich ihrer Geburt entgegengesehen, sie ist aber dann länger als ein ganzes Jahr so dick gegangen und hat nicht gebären können, sondern mußte zuletzt darüber zerbersten. 
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-//Quelle: Johann Georg Theodor Grässe: Der Sagenschatz des Königreichs Sachsen. Band 2. Schönfeld, Dresden 1874, Seite 128; [[https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Graesse_Sagenschatz_Sachsens_II_128.jpg&oldid=-|Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource (Version vom 1.8.2018)]]// 
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-{{tag>sagen grässe sagenschatzsachsen2 oberlausitz bautzen markt weib mord axt trog selbstmord ratsherr rädern henker blut 1500}} 
sagen/744_blutende_leiche_verraeth_einen_moerder.1641208030.txt.gz · Zuletzt geändert: (Externe Bearbeitung)