sagen:279._schoen_gretchen_hinter_dem_berge
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| - | Hier lebte im letzten Dritttheil des sechszehnten Jahrhunderts die blühende Margarethe, Tochter eines dortigen Gutsbesitzers Namens Otte. Unter der liebenden Obhut treuer Eltern, deren Hoffnung und deren Trost im Alter sie war, hatte sie sechszehn Lenze kommen und gehen sehen. Rein war ihr Herz und lauter ihr Sinn, und noch kein Sturm von Außen hatte vermocht, ihr die friedliche Stille des Herzens zu rauben. Mit jedem Tage entfaltete die werdende | + | Hier lebte im letzten Dritttheil des sechszehnten Jahrhunderts die blühende Margarethe, Tochter eines dortigen Gutsbesitzers Namens Otte. Unter der liebenden Obhut treuer Eltern, deren Hoffnung und deren Trost im Alter sie war, hatte sie sechszehn Lenze kommen und gehen sehen. Rein war ihr Herz und lauter ihr Sinn, und noch kein Sturm von Außen hatte vermocht, ihr die friedliche Stille des Herzens zu rauben. Mit jedem Tage entfaltete die werdende Jungfrau neue Reize und der Ruhm ihrer Schönheit verbreitete sich bald in der ganzen Umgegend und machte auf die Herzen der Jünglinge den tiefsten Eindruck. Es sammelten sich um unser schön Gretchen hinter dem Berge, wie sie die Zittauer scherzweise nannten, ein Heer von Anbetern, die Ansehen, Reichthum, Bildung und Jugendfrische in sich vereinigten. |
| - | Unter diesen befand sich auch ein schöner zwanzigjähriger Jüngling, Georg von Kohlo, der Sohn des einen [[typ: | + | Unter diesen befand sich auch ein schöner zwanzigjähriger Jüngling, Georg von Kohlo, der Sohn des einen Bürgermeisters von [[geo: |
| - | Indem sie fühlte, daß sich's zu regen begann unter ihrem Herzen, empfing sie, was sie fast wahnsinnig machte, die schreckliche Nachricht, daß der Ungetreue, den sie für ihren Bräutigam gehalten, sich mit der Tochter des Rathsherrn Lorenz Heuner verlobt habe. Ein furchtbarer Kampf entstand in ihrem Innern, Natur und Gewissen geboten ihr Liebe zu dem neuen Leben, doch mächtig kämpfte dagegen der Gedanke an den gänzlichen Verlust ihrer Ehre vor der Welt, an den Spott ihrer neidischen Feindinnen, an den [[typ: | + | Indem sie fühlte, daß sich's zu regen begann unter ihrem Herzen, empfing sie, was sie fast wahnsinnig machte, die schreckliche Nachricht, daß der Ungetreue, den sie für ihren Bräutigam gehalten, sich mit der Tochter des Rathsherrn Lorenz Heuner verlobt habe. Ein furchtbarer Kampf entstand in ihrem Innern, Natur und Gewissen geboten ihr Liebe zu dem neuen Leben, doch mächtig kämpfte dagegen der Gedanke an den gänzlichen Verlust ihrer Ehre vor der Welt, an den Spott ihrer neidischen Feindinnen, an den Hohn derer, die sie früher stolz zurückgewiesen hatte, an den Gram ihrer Eltern und siegte; denn als das Kind sich ihrem Schooße entwunden hatte, da legte sie freilich mit zitternder Hand und weinenden Augen die Hand an zum grausamen Kindesmorde. Bald wurde diese Frevelthat entdeckt und die schöne Sünderin in die Stadt gebracht. |
| Zu jener Zeit, im Jahre 1543, regierte der Bürgermeister Nikolaus von Dornspach, ein Mann von ausgezeichneten Talenten und einem Charakter, bei dem die guten, wie die schlechten Seiten gleich stark hervortraten. Wie er sich in vieler Hinsicht um Zittau ein unsterbliches Verdienst erwarb, so hatte er sich auch bei Vielen verhaßt und verächtlich gemacht durch seinen stolzen, unbegrenzten Herrschersinn, | Zu jener Zeit, im Jahre 1543, regierte der Bürgermeister Nikolaus von Dornspach, ein Mann von ausgezeichneten Talenten und einem Charakter, bei dem die guten, wie die schlechten Seiten gleich stark hervortraten. Wie er sich in vieler Hinsicht um Zittau ein unsterbliches Verdienst erwarb, so hatte er sich auch bei Vielen verhaßt und verächtlich gemacht durch seinen stolzen, unbegrenzten Herrschersinn, | ||
| - | Ohne den Trost der Religion auf dem schweren Wege aus des Priesters Munde zu empfangen, wurde sie am 1. August 1573 unweit der Begräbnißkirche zu unserer lieben Frauen | + | Ohne den Trost der Religion auf dem schweren Wege aus des Priesters Munde zu empfangen, wurde sie am 1. August 1573 unweit der Begräbnißkirche zu unserer lieben Frauen lebendig begraben und ihr, um eine Grausamkeit mit einer noch größeren zu überbieten, |
| Für die Stadt Zittau hatte jene grausame Todesstrafe viele nachtheilige Folgen; denn der kaiserliche Hof mißbilligte diese eigenmächtige grausame Verfahrungsweise, | Für die Stadt Zittau hatte jene grausame Todesstrafe viele nachtheilige Folgen; denn der kaiserliche Hof mißbilligte diese eigenmächtige grausame Verfahrungsweise, | ||
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