sagen:10._der_taufstein_bei_ober-crinitz
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| Man nennt diesen großen Granitblock in der Gegend allgemein den „Taufstein“ und erzählt sich von ihm folgendes: | Man nennt diesen großen Granitblock in der Gegend allgemein den „Taufstein“ und erzählt sich von ihm folgendes: | ||
| - | Als vor langer, langer Zeit das Christentum sich auch in unserer Gegend Anhänger zu erwerben begann, konnte die Verehrung des wahren Gottes nur im geheimen geschehen, da sonst die [[typ: | + | Als vor langer, langer Zeit das Christentum sich auch in unserer Gegend Anhänger zu erwerben begann, konnte die Verehrung des wahren Gottes nur im geheimen geschehen, da sonst die heidnischen Priester den Christen ein sicheres Verderben bereitet hatten, besonders aber musste die Taufe geheim gehalten werden. Deshalb suchten die wenigen Christen einsame, tief im Walde versteckte Orte auf, wo sie ungesehen und unbemerkt die heilige Taufe vollziehen konnten. Zu diesem Behufe wählten sich nun die Glaubensgenossen große, auf bewaldeten Anhöhen liegende Steine aus und arbeiteten in dieselben ein Becken zur Aufnahme des Wassers, drei Sitze für die drei Taufpaten und einen für den Täufling hinein. |
| - | Der Taufstein bei Oberkrinitz soll nun von unsichtbaren Mächten beschützt werden, und niemand hat das [[typ:Becken]] vollständig ohne Wasser gesehen. Ein alter Mann erzählte, er habe einmal eines Abends als junger Bursche mit seinen Freunden das [[typ:Wasser]] gänzlich ausgeschöpft, | + | Der Taufstein bei Oberkrinitz soll nun von unsichtbaren Mächten beschützt werden, und niemand hat das Becken vollständig ohne Wasser gesehen. Ein alter Mann erzählte, er habe einmal eines Abends als junger Bursche mit seinen Freunden das Wasser gänzlich ausgeschöpft, |
| - | Nach einer von Karl Morgenroth novellistisch bearbeiteten Sage (Nachrichtsblatt für Kirchberg und Umgegend 1869, No. 12 und 14) drangen einst die siegreichen [[volk: | + | Nach einer von Karl Morgenroth novellistisch bearbeiteten Sage (Nachrichtsblatt für Kirchberg und Umgegend 1869, No. 12 und 14) drangen einst die siegreichen [[volk: |
| - | Der junge Sorbe Johannes wurde später Priester und als solcher zog es ihn vorzugsweise zu seinen Stammesgenossen hin, denen er das Evangelium predigte. Auf seinen Wanderungen durch den Miriquidi forschte er nach den ehemaligen Bewohnern seines Heimatortes, | + | Der junge Sorbe Johannes wurde später Priester und als solcher zog es ihn vorzugsweise zu seinen Stammesgenossen hin, denen er das Evangelium predigte. Auf seinen Wanderungen durch den Miriquidi forschte er nach den ehemaligen Bewohnern seines Heimatortes, |
| - | Eines Tages trat aus dem Walde, welcher seine Wohnung umschloss, ein junger Sorbe, der zwar in seinem Schrecken, hier jemanden anzutreffen, | + | Eines Tages trat aus dem Walde, welcher seine Wohnung umschloss, ein junger Sorbe, der zwar in seinem Schrecken, hier jemanden anzutreffen, |
| - | Von seinem Schützlinge, | + | Von seinem Schützlinge, |
| Der Tag, an welchem die heilige Handlung geschehen sollte, war da, aber das Wasser fehlte, denn reines Wasser sollte es sein, und der umgebende Sumpf bot nur übelriechendes dar. Die Eiche, unter welcher der Stein lag, war noch vom vortägigen Regen nass und ein scharfer Wind ließ das Regenwasser auf den Stein fallen, der oben eine Vertiefung hatte, also ein Naturbecken war, somit war auch Taufwasser vorhanden. Freudig bewegt sagte der Täufling: „Hier ist Wasser, taufe mich!“ Und Johannes tat es im Glauben, dass dies nicht der letzte seines Ortes sei, den er taufe. So geschah es auch. Johannes begleitet seinen Schützling bis zur Hütte des heidnischen Priesters und war später oft ein Gast daselbst. Endlich wurde der alte Priester Scop selbst den Lehren des Christentums zugänglich, | Der Tag, an welchem die heilige Handlung geschehen sollte, war da, aber das Wasser fehlte, denn reines Wasser sollte es sein, und der umgebende Sumpf bot nur übelriechendes dar. Die Eiche, unter welcher der Stein lag, war noch vom vortägigen Regen nass und ein scharfer Wind ließ das Regenwasser auf den Stein fallen, der oben eine Vertiefung hatte, also ein Naturbecken war, somit war auch Taufwasser vorhanden. Freudig bewegt sagte der Täufling: „Hier ist Wasser, taufe mich!“ Und Johannes tat es im Glauben, dass dies nicht der letzte seines Ortes sei, den er taufe. So geschah es auch. Johannes begleitet seinen Schützling bis zur Hütte des heidnischen Priesters und war später oft ein Gast daselbst. Endlich wurde der alte Priester Scop selbst den Lehren des Christentums zugänglich, | ||
| - | Da nun die übrigen Sorben der Ansiedelung sahen, dass kein Opferrauch mehr aus dem Götterhaine aufstieg, verwunderten sie sich und forschten nach der Ursache. Nachdem sie dieselbe erfahren, wurden sie anfangs mit [[typ:Zorn]] und [[typ:Angst]], später aber, als sie vernahmen, wie glücklich ihr früherer | + | Da nun die übrigen Sorben der Ansiedelung sahen, dass kein Opferrauch mehr aus dem Götterhaine aufstieg, verwunderten sie sich und forschten nach der Ursache. Nachdem sie dieselbe erfahren, wurden sie anfangs mit Zorn und Angst, später aber, als sie vernahmen, wie glücklich ihr früherer Priester und dessen Sohn geworden waren, mit Sehnsucht nach dem neuen Glauben erfüllt. So zog denn eines Tages eine große Menge Sorben hinaus nach dem Steine und empfing dort die Taufe. |
| - | Die alten Widersacher des früheren Priesters Scop aber waren zurückgeblieben und zündeten unterdes die Hütten der jungen Christen an. Johannes wehrte ihnen, dafür Rache zu nehmen, sie ließen vielmehr die [[typ:Heiden]], welche sich 2 Stunden abwärts im Thale ansiedelten und den neuen Ort wie den alten nannten, ruhig abziehen. Da geschah es jedoch ein Jahr später, dass [[typ: | + | Die alten Widersacher des früheren Priesters Scop aber waren zurückgeblieben und zündeten unterdes die Hütten der jungen Christen an. Johannes wehrte ihnen, dafür Rache zu nehmen, sie ließen vielmehr die Heiden, welche sich 2 Stunden abwärts im Thale ansiedelten und den neuen Ort wie den alten nannten, ruhig abziehen. Da geschah es jedoch ein Jahr später, dass Blitze auf Blitze niederfuhren und das Heidendorf in Asche legten. Die christlichen Stammesgenossen im obern Dorfe kamen helfend herbei und von dieser Liebe, welche Böses mit Gutem vergalt, wurden die Heiden erwärmt und ebenfalls für das Christentum gewonnen. Auch sie wurden an dem Taufsteine in den Christenbund aufgenommen. Aus den beiden sorbischen Ansiedelungen erwuchsen aber die Dörfer Ober- und Niederkrinitz. |
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