maerchen:wendischesvolksthum49
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| + | ====== Beutel, Stiefel und Trompete ====== | ||
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| + | Es waren drei Brüder, die gingen in die Welt und verirrten sich in einem Walde. Und es kam ihnen eine alte Frau entgegen, die gab ihnen einen Schlüssel und sagte: »Hier auf diesem alten Fusssteige sollt Ihr weiter gehen. Da werdet Ihr einen grossen Stein finden, ganz mit Moos bewachsen; von dem sollt Ihr so lange das Moos wegkratzen, bis Ihr ein Schlüsselloch findet. Dann schliesst mit dem Schlüssel auf, so wird eine Thüre aufgehen und wird da ein unterirdischer Gang sein, den sollt Ihr entlang gehen.« So thaten sie, fanden den Stein, schlossen auf und gingen mehrere Stunden den Weg entlang. Zuletzt aber wurde ihnen der Weg überdrüssig, | ||
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| + | Und die drei setzten sich an einen Tisch und assen sich satt. Und gleich darauf war der Tisch wieder gedeckt, und das dauerte so lange als sie assen, doch kein Mensch war zu sehen. Und sie wurden müde, fanden ein schönes Bett und legten sich alle drei hinein. Und wie sie am andern Morgen aufstanden, waren Wasser und Handtuch da, und während sie sich wuschen, wurde der Tisch gedeckt und stand der Kaffee bereit. Und so ging es mehrere Tage und das geschah in einem verwünschten Schlosse bei Lissabon. | ||
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| + | Zuletzt kam den drei Brüdern ein junges Fräulein im Schlosse entgegen und sagte zu ihnen: »Ihr könnt immer hier wohnen, essen und trinken was da ist, aber keiner mich anrühren und ohne mein Wissen weggehen«. | ||
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| + | Zuerst wurde es dem ältesten Bruder im Schlosse überdrüssig, | ||
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| + | Nun wurde es dem zweiten Bruder im Schlosse langweilig und er bat die Prinzessin, ihn doch freizulassen und versprach gewiss wiederzukommen. Und sie willigte ein und gab ihm ein Paar Stiefel; wenn er die anhätte, wäre er da, wo er sich nur hindächte. Und er verliess das verwünschte Schloss, kam nach Lissabon und fand seinen Bruder. Und beide gingen lustig die Strassen der Stadt auf und ab und die Leute wunderten sich, dass er so lange Schritte machte. Und es sah ein reiches Mädchen zum Fenster heraus, aus dem zweiten Stock, und fragte: »Guter Mann, wie geht das zu, dass Euch das »Marschiren« so »federt« (fodrujo)((So schnell von statten geht.))?« Und er sagte: »Ich habe solche Stiefel, dass ich auf einmal da bin, wo ich mich hindenke«. Und sie rief ihn herauf und bat, ihr Vater hätte weit zu marschiren, er möchte ihr die Stiefel für ihn borgen. Und sie brachte ihn so weit, dass er ihr die Stiefel borgte. Und dann sah er sie nicht wieder und war seine Stiefel los. | ||
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| + | Und es wurde auch dem dritten Bruder überdrüssig im Schlosse und er wünschte einige Tage zu reisen. Und das Fräulein legte ihm auf, bestimmt zurückzukommen und gab ihm eine Schiesstasche und eine Trompete (Pfeife), trubawku((Wenn eine gromada, Gemeindeversammlung, | ||
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| + | Auch der Nachtwächter, | ||
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| + | »Wajchtaŕ trubi, howzy zgubi | ||
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| + | Chto je namakał? | ||
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| + | ... [Name] Majka | ||
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| + | Dźo je zanka? | ||
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| + | Do tog' šranka. | ||
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| + | Wächter bläst, die Hosen verliert er. | ||
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| + | Wer hat sie gefunden? | ||
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| + | ... Majka | ||
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| + | Wo thut sie sie verschliessen? | ||
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| + | In den Schrank.«)). Wenn er in die Strassen Lissabons käme, sollte er »trubauen« (blasen, tuten), dann würden sehr viele Soldaten aus der Tasche kommen, ganze Felder voll. Und die Prinzessin sagte ihm noch weiter, was er alles machen sollte. | ||
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| + | So kam der dritte in die Stadt und schickte alsbald einen Gesandten zum Bürgermeister, | ||
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| + | Da ging er wieder zurück zu seiner Prinzessin. Und wie er an den Stein kam, so zitterte der Stein vor Freude und Schloss und Thüre machten sich allein auf vor Freuden. Da kam ihm die Prinzessin entgegen und sagte: »Rühr mich nicht an, denn noch wirst Du Versuchungen auferlegt kriegen. Eilf Jungfrauen werden dastehen, eine wie die andere; an denen sollst Du auf und niedergehen und die richtige aussuchen. Und es wird eine alte sehr grosse Frau da sein, eine Hexe mit einer »Fresse« (frasa)((Maul, | ||
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