maerchen:wendischesvolksthum45
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| + | ====== Der Sternprinz ====== | ||
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| + | Es waren drei Brüder, die dienten zugleich als Soldaten und wurden zugleich entlassen. Und gingen nach Hause und hatten einen weiten Weg und suchten sich, weil sie hungrig waren, Haidebeeren (jagody) im Walde. Da kamen sie zuletzt an einen Gasthof, blieben da über Nacht und jeder erhielt ein Bett in einer Kammer. Und am anderen Morgen früh waren alle drei traurig. Da fragte der Gastwirth: »Was ist vorgefallen, | ||
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| + | Dann schafften sich alle drei prinzliche Kleider an und gingen nach dem Schlosse, dass der dritte die »Seine« finden könnte. Und es waren grosse Festlichkeiten auf dem Schlosse, sie gingen hinein und gaben sich als fremde Prinzen aus, denn niemand kannte sie. Und sie sprachen mit den fremden Gästen über verschiedenes und der erste Bruder erzählte, er hätte eine Kette, die dreimal um das Schloss »herum langte« und dann nichts übrig wäre und nichts fehlte. Das wollten die andern nicht glauben und es ward die Kette um das Schloss gelegt und sie passte genau, wie gesagt war. Und der zweite erzälte von seinem Beutel, in dem niemals das Geld »alle« würde, zog den Beutel heraus und schüttete das Geld auf den Tisch, steckte ihn wieder in die Tasche und immer war der Beutel voll. Und die anderen Gäste thaten mit ihren Geldbeuteln ebenso, aber kein Beutel war voll. Da war ihnen allen die Sache gar wunderbar. Und weil von den dreien einer wie der andere aussah, forderten sie auch den dritten auf, er sollte so etwas machen. Und er sagte: »Wenn ich bei der Prinzessin würde schlafen können, dann würde sie einen Sohn gebähren, der würde auf der Stirne einen goldnen Stern haben«. Da willigte der Vater der Prinzessin ein. Aber wie der dritte bei der Prinzessin geschlafen, wurden alle drei Brüder im Kerker eingesperrt. | ||
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| + | Nach etlichen Monaten aber war zu sehen, dass die Prinzessin schwanger((Wendisch: | ||
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| + | Nun wuchs das Kind beim Fischer grösser, musste in die Schule gehen und immer das Pflaster auf der Stirne tragen. Wie es aber älter wurde, wollte es das Pflaster nicht mehr tragen, und nahm jedesmal, wenn es in die Schule ging, wider des Vaters Willen, das Pflaster von der Stirn. Nun wurde den Kindern in der Schule gelehrt, sie sollten beim Grüssen die Mütze abnehmen. So begegnete einst den Schulkindern ein Herr und wie sie grüssten, fiel ihm der Junge mit dem Stern auf, denn er war der Verlobte der Prinzessin. Der ging alsbald zum Fischer und sagte: »Wenn Du mir den Jungen nicht fortschaffst, | ||
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| + | Wie der nun die Lebensmittel verzehrt, nahm er seine Flinte und ging auf die Jagd, traf eine weisse Hirschkuh((Thier, | ||
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| + | Und bei der Hochzeit ging es lustig zu und der Sternprinz fragte den König, ob er nicht die Gefangenen im Schlosse sehen könnte. Da wurden die verschiedenen Gefangenen vorgebracht, | ||
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| + | Wie er dann aufwachte, sah er, dass er nackend war, schaffte sich Kleider an und ging wieder nach Hause zu seinem alten Fischer. Er klopfte ans Fenster bei seinem Pflegevater und der nahm ihn freundlich an, weil er ihn so lange nicht gesehen hatte. Da fuhr er wieder allein mit dem Kahne zur Insel und dachte, die Hirschkuh würde wieder kommen, sie aber kam nicht mehr. | ||
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| + | Nun machte er sich auf, reiste weithin zu Fuss und fragte die Leute, wo die Königin von Rosenthal möchte wohnen; doch niemand konnte ihm Kunde davon sagen. So kam er auch zu einem alten Manne, der sagte: »Weit, weit, wohnt ein Mann, der hat solche Geister, die werden es Dir vielleicht sagen können«. Da ging er hin zu dem Manne; der rief seine Geister, doch sie wussten nichts. Das waren solche Erdgeister (zemske duchi), die das Geld bewachen. Und der Mann hatte noch einen Bruder, der war dreihundert Meilen weit von da. Da gab er dem Sternprinzen einen Mantel (mantel), womit er sich unsichtbar machen konnte und Stiefel, mit denen er in Schnelligkeit meilenweit gehen konnte, und einen Gruss an seinen Bruder. Und der Sternprinz zog die Stiefel an und kam zu jenem fernen Mann. Und der rief seine Geister zusammen, aber keiner wusste etwas. Doch zuletzt kam noch ein Geist durchs Fenster geflogen, sah aus wie eine Fledermaus (njedopyr). Ihn fragte der Mann: »Wo warst Du so lange?« und der Fledermausgeist sagte: »Ich war als Diener bei der Königin von Rosenthal«. Da nahm der Geist den Sternprinzen und flog mit ihm, im unsichtbaren Mantel und in den Stiefeln, nach Schloss Rosenthal. | ||
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| + | Dort kamen sie gerade zum Kaffe an, und am Tische sass die Prinzessin mit einem Künstler((Schwarzkünstler, | ||
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| + | Und der Sternprinz und die Prinzessin blieben lange Jahre zusammen und wenn sie nicht gestorben sind, dann leben sie noch heute. S. | ||
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