maerchen:wendischesvolksthum37
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| + | ====== Des Kohlenbrenners Sohn ====== | ||
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| + | Es war ein Kohlenbrenner((Huglaŕ, | ||
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| + | Hans ging aber nicht nach Hause, sondern in eine Kneipe und war sehr lustig. Da war ein Bauer, der fragte ihn, was er für das Handpferd((Brozny kón.)) haben wollte. Hans wollte nicht, aber der Bauer bestand darauf, er müsste ihm alles, Pferd wie Wagen verkaufen. »Was willst du haben? – Was willst du geben? – Was du giebst, kriegst du«. Und Hans kriegte das Geld für Pferd und Wagen, war sehr lustig und meldete dem Herrn, dass er dienen könnte. Und der Herr nahm ihn an, kleidete ihn hübsch und schickte ihn in die Schule. Und so lernte Hans Lesen und Schreiben und Benehmen gegen anständige Leute. Und er lernte gut, und wie er ausgelernt hatte, nahm ihn der Herr wieder und Hans blieb bei ihm viele Jahre als Leibdiener. | ||
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| + | Mal war der Herr weg und übergab Hans alles, auch sämmtliche Schlüssel; sagte, alles könnte er durchgehen, nur einen Schrank sollte er nicht mit einem Schlüssel aufschliessen. Aber wie der Herr weg war, schloss Hans den verbotenen Schrank auf und fand darin verschiedene Sachen und ein kleines Kästchen; das schloss er auch auf. Da sprang ein kleines weisses Mäuschen heraus und lief weg, und Hans war sehr ängstlich, was nun werden würde. | ||
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| + | In der Zeit kam der Herr zu Hause und wusste schon alles, was geschehen war. Er zählte Hans sein Lohn ab, nahm ihm die schönen Kleider weg und gab ihm seine alten Kohlenkleider und seinen Brotbeutel.((Taraša.)) | ||
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| + | Nun dachte Hans, nach Hause darfst nicht; – hast ein paar Thaler Geld, gehst in die freie Welt. So kam er in einen Wald, verirrte sich, wurde hungrig wie ein Hund und fand keinen Steg und keinen Weg. Endlich sah er von weitem ein Licht schimmern. Wie er näher kam, war es ein grosses Schloss; das war in allen Fenstern erleuchtet. Aber er konnte nicht herankommen, | ||
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| + | Am anderen Morgen fand er alles, was er bedurfte, bei sich, aber kein Mensch war da. Wie er sich gewaschen, war auch der Tisch wieder zum Frühstück gedeckt. Nach dem Essen suchte er dann überall herum, ob er jemand finden könnte. So kam er in eine Stube und fand darin einen königlichen Anzug, und zog den an, weil er so schlecht gekleidet war. In einer anderen Stube fand er mehrere Haufen Geld, Diamanten, Perlen und dergleichen mehr. Deren Werth hatte er bei seinem Herrn kennen gelernt und stopfte, so viel er schleppen konnte, in seinen Hechselsack((Sykanjowy měch.)), Edelsteine und Gold, und machte, dass er aus dem Schlosse fort kam. | ||
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| + | Nach einer Weile sah er nichts mehr als Wasser und Wiesen; darum nannte er sich selbst: Fürst von grünen Wiesen((Auch wendisch so.)). Zuletzt kam er in eine Stadt und suchte sich ein Unterkommen, | ||
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| + | Nun war in der Nachbarschaft ein König, der hatte eine sehr schöne Tochter; die wurde bald des fremden Fürsten gewahr. Sie erkundete, wo er wohnte, und besuchte ihn, fand ihn aber nicht zu Hause. Dann forschte sie aus, wann er zur Kirche ginge, und ging ebenfalls zur Kirche. Da grüssten sich beide, wie es Sitte unter hohen Leuten und besuchten sich gegenseitig. Zuletzt verlobten sich beide und sie versprach ihm das halbe Königreich. | ||
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| + | Wie sie nun lange Zeit zusammen waren, wollte sie gern wissen, wo er her wäre und sein Schloss Grünerwiesen läge. Und weil er sie so sehr lieb hatte, erzählte er ihr alles und zuletzt auch, dass er eines Kohlenbrenners Sohn sei. Da sprach sie: »Warum lässt Du Deine Eltern so im Elend sitzen und sich mit den schwarzen Kohlen »herumsielen«((Hokoło walać.)); sie könnten doch bei uns wohnen«; und schickte ihn mit Gewalt, seine Eltern zu holen. So nahm er sich zwölf Dragoner und zog in seiner Eltern Heimath. Nach mehreren Tagen kamen sie in einen Wald, wurden von einem furchtbaren Gewitter und Regen überrascht und suchten Unterkommen in einer Waldschenke. Allda konnten sie übernachten und kriegten zum Abendbrot, was sie nur wünschten. Abends kamen noch mehrere fremde Gäste und spielten Karte mit dem Fürsten von Grünerwiesen, | ||
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| + | Mehrere Tage ging nun Hans seines Weges, suchte und fand seine Eltern. Doch sie nahmen ihn nicht auf, weil er früher die Pferde verkauft hatte, und weil ihn die Noth zwang, musste er beim Schulzen die Schweine hüten. | ||
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| + | Die Prinzessin aber hatte einen schlechten schrecklichen Traum, erzählte ihn morgens dem Könige, ihrem Vater und sagte: »Mit dem Fürsten muss es schlimm stehen.« Sie nahm ein tausend fünf hundert Soldaten, zog selbst mit ihnen mit und fragte von Dorf zu Dorf, wo der Fürst mit den Dragonern marschirt wäre. Sie kamen in den grossen Wald und wurden von einem Unwetter überrascht. Doch die Prinzessin wollte weiter durch den Wald, aber die Offiziere waren einstimmig dagegen. Zuletzt willigte sie ein und es wurde ein Lager aufgeschlagen. Dann suchten sie weiter im Walde und kamen zuletzt an die Waldschenke. In der Stube sah die Prinzessin ein Stück von den seidenen Kleidern des Fürsten, und theilte es sogleich dem Oberbefehlshaber mit. Und der sandte sofort nach der nächsten Stadt um fünfhundert Mann Verstärkung und liess inzwischen die Schenke bewachen. Dann wurde alles durchsucht und noch etliche von den Dragonern am Leben gefunden. Sie wurden befreit und erzählten die ganze Geschichte, und alle Räuber, gegen neunhundert Mann stark, wurden niedergehauen. Und in der Räuberhöhle fanden sich viele Fuder Gold und andere Schätze. Dann wurde weitermarschirt, | ||
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| + | So wurde ein Bote zum Schweinehirten geschickt, er sollte gleich nach Hause kommen; der kam aber nicht. Da sagte das Mütterchen: | ||
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| + | Weil er nun nicht kommen wollte, wurde er zwangsweise herbeigeholt; | ||
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