maerchen:sagenbuesching059
Unterschiede
Hier werden die Unterschiede zwischen zwei Versionen angezeigt.
| Nächste Überarbeitung | Vorhergehende Überarbeitung | ||
| maerchen:sagenbuesching059 [2023/02/10 12:19] – angelegt ewusch | maerchen:sagenbuesching059 [2025/01/30 17:45] (aktuell) – Externe Bearbeitung 127.0.0.1 | ||
|---|---|---|---|
| Zeile 1: | Zeile 1: | ||
| + | [[maerchen: | ||
| + | **[[buch: | ||
| + | [[maerchen: | ||
| + | ====== Das Mährchen vom Popanz ====== | ||
| + | |||
| + | Es war einmal ein König, der hatte eine sehr schöne Tochter, die schönste Prinzessin, die man jemals mit Augen gesehen. Schon als Kind verliebten sich alle in sie. Ihr Vater und Mutter hatten sie mit einem benachbarten Königssohn versprochen, | ||
| + | |||
| + | In der Nachbarschaft der Prinzessin wohnte ein Pastetenbäcker, | ||
| + | |||
| + | Sie war sehr betroffen über den Vorfall; da sie nicht mächtig genug war, den Zauber zu vernichten, so bedachte sie sich kurz, ging zum Pastetenbäcker und sagte ihm alles. Dieser war sehr betrübt darüber; die Amme tröstete ihn aber und sagte ihn, wenn er wirklich die Prinzessin so sehr liebte, wie er zeige, so könnte er ihr noch helfen und den Zauber auflösen. Er betheuerte seine Liebe, und war sogleich bereit, alles zu thun und auch sein Leben dafür hinzugeben. »Nun gut, sagte die Amme, so sollst du dich anschicken, eine weite Reise zu machen.« In einem Lande, viele tausend Meilen von hier, wohnt ein Popanz, der Oberste aller Popanze, dem nichts verborgen ist, und der das Größte und Kleinste weiß, was durch die Zauberei geschieht und geschehen kann, zu dem mußt du hin und sieben Federn aus seinem Schwanz zu kriegen suchen. Als dies der Pastetenbäcker hörte, war er sehr erschrocken und antwortete der Amme, daß solches unmöglich wäre, da er wüßte, daß alle Menschen, die zu dem Popanz kämen, von ihm aufgefressen würden. | ||
| + | |||
| + | Die Amme eröffnete ihm aber, der Popanz hätte eine schöne Frau, die keine Menschen fräße; diese müßte er zu sprechen suchen und sie bitten, ihm zu helfen. Sie wüßte durch ihre Kunst, daß der Popanz alle Nachmittage um vier Uhr ausginge und nicht zu Hause käme vor Abend; unterdessen könnte er hingehen, und die Frau bitten, ihm die sieben Federn zu verschaffen und sieben Fragen zu beantworten, | ||
| + | |||
| + | Die Amme gab ihm hierauf einen versiegelten Zettel und sagte ihm, er sollte ihn nicht eher aufbrechen, als in der Nacht um 12 Uhr vor dem Thore der Stadt, und alsdann sollte er die Worte, die darauf geschrieben stünden, dreimal laut ausrufen: sogleich würde er sich in einem dicken Walde befinden, in welchem ein großes Schloß stünde. Er sollte sich aber in dem Walde verborgen halten, bis die Glocke 4 geschlagen hätte. Alsdann sollte er in das Schloß gehen und mit der Frau des Popanzes sprechen. Dies alles versprach er getreulich zu erfüllen, oder zu sterben. Als nun Mitternacht kam und er vor dem Thore die 3 Wörter ausgesprochen hatte, befand er sich auf einmal in dem Walde, nahe bei dem Schloß des Popanzes. Er verbarg sich, so gut er konnte, in dem Dickicht, und es währte nicht lange, so sahe er den Popanz ausgehen, welcher fürchterlich umher schnupperte, | ||
| + | |||
| + | Sie war sehr verwundert, als sie ein menschliches Wesen zu ihr hereintreten sah: »Mein Gott, rief sie aus, wie kommst du in diese Gegend? Es ist dein Glück, daß du nicht früher gekommen bist, und meinen Mann getroffen hast, er hätte dich gewiß gefressen. Er ist aber auf die Jagd gegangen, nach seiner Gewohnheit. Ich will dir zwar etwas zu essen geben; aber mache, daß du wieder fortkommst, oder sonst frißt dich mein Mann, wenn er zurückkehrt und dich hier trift: denn er spürt sogleich, wenn ein Mensch im Hause ist.« Der Pastetenbäcker fing aber an, die Frau sehr zu bitten und ihr die ganze Sache vorzutragen: | ||
| + | |||
| + | Kaum war der Freund versteckt, so trat der Popanz schon in die Stube herein, und das erste, was er aussprach, war: »Frau, ich rieche Menschenfleisch.« Und sogleich fing er an zu suchen, daß der armen Frau ganz angst und bange ward. Er befahl ihr, ihm zu sagen, wo der Mensch wäre, damit er ihn sogleich fressen könnte; denn er wäre noch sehr hungrig und müde von der Jagd, da er nicht viel gefunden. Die Frau versicherte, | ||
| + | |||
| + | Als sie nun merkte, daß er eingeschlafen war, da er laut schnarchte, so faßte sie eine Feder in seinem Schwanz und riß sie mit aller Gewalt heraus. Sogleich wachte der Popanz auf und schrie vor Schmerz: »Weib, bist du toll? Was ist das, daß du mich so am Schwanze rupfst?« »Ach, lieber Mann, antwortete die Frau, verzeihe mir. Ich träumte eben einen fürchterlichen Traum, wie in einem fernen Lande ein Schloß mit allen seinen Bewohnern erstarrt und versteinert worden durch die Macht eines bösen Zauberers, und mir war, als wenn ich auch darin war und mit versteinert wurde. Daher packte ich dich so fest. Könnte so etwas wohl wirklich geschehen? | ||
| + | |||
| + | Sie bat aber so schön, daß er fortfuhr: »Dies alles würde ihm doch noch nichts helfen; denn der Zwerg würde nicht mit ihm gehen wollen, es sei denn, daß er eine von meinen Schwanzfedern hätte, und ihm damit ins Gesicht schlüge: dann würde der Zwerg plötzlich zu einem großen Riesen werden und freundlich mit ihm gehen, wohin er wollte. Derselbe müßte dann das verwünschte Schloß emporheben und umdrehen, und der Geliebte der Prinzessin sie mit der Feder berühren: worauf alles wieder wie vorher leben und der Zauber gelöst sein würde. Aber das wird nimmer geschehen; denn wer wollte mir wohl eine Feder ausziehen? Und nun laß mich schlafen.« Die Frau war still, wie sie ihn aber wieder schlafen hörte, riß sie ihm abermals eine Feder aus. | ||
| + | |||
| + | Der Popanz fuhr noch heftiger auf, als das erstemal. »Ach Mann, ich bitte dich um Verzeihung, ich habe so eben wieder einen ängstlichen Traum gehabt; mir träumte, wie eine schöne Prinzessin eines fernen Königreichs schon seit vielen tausend Jahren in einem Zauberschlafe versenkt läge, und in dem ganzen Pallast keine lebendige Seele mehr wäre, da alles schon ausgestorben.« »Du hast Recht, Frau, erwiederte der Popanz, es giebt ein solches Schloß, wo eine versteinerte Prinzessin schläft, und alles ausgestorben ist, bis auf ein kleines Hündlein, das immer vor dem Fenster liegt und ihn bewacht, indem, so lange er dies thut, nichts Lebendiges hinein kann; denn sobald sich was nähert, verwandelt es sich in ein fürchterliches Ungeheuer, das alles zerreißt. Es giebt aber eine Stunde des Tages, wo es das Fenster verläßt und zu der Prinzessin geht und sich bei ihr schlafen legt. Diese Stunde ist von 1 bis 2 Uhr, und wenn sich alsdann jemand hinein schleichen könnte und sich dem Hündlein näherte, ohne daß es erwachte, und ihm vor den Kopf schösse, aber gerade in die Mitte des weißen Sterns daselbst und so, daß sein Blut die Prinzessin benetzte, so würde sie aus dem Zauberschlafe erwachen; träfe er aber nicht also, so wäre sein Tod gewiß. Nun rath ich dir Frau, wecke mich nicht zum dritenmale mit deinen beschwerlichen Träumen.« Damit drehte er sich um und fing bald wieder an zu schnarchen. | ||
| + | Sobald aber die Frau dies hörte, zog sie ihm zum drittenmal eine Feder aus. Jetzt ward der Popanz ganz wüthend und wollte sie zum Bette hinauswerfen. Er schrie: »Weib, du mußt besessen sein, mich schon wieder so zu rupfen, ich glaube, daß ich blute.« Sie versicherte ihn aber, sie habe sich bloß an ihm fest gehalten aus Furcht vor einem Traum, der sie befallen. »Nun was hast du denn schon wieder geträumt? | ||
| + | |||
| + | Kaum war er eingeschlafen, | ||
| + | |||
| + | Er thats, aber sie ließ ihn nicht lange schlafen, sondern riß mit aller Gewalt noch eine Feder aus und schrie dabei fürchterlich. »Ach lieber Mann, schon wieder ein schrecklicher Traum!« – »Du hörst die ganze Nacht nicht auf zu träumen und mich zu zupfen; sieh, wenn ich dir nicht so gut wäre, so fräße ich dich auf der Stelle: ich habe heut so nicht viel gefressen und rieche beständig Menschenfleisch. Was hast du denn wieder geträumt? | ||
| + | |||
| + | Er entschlief wieder, die Frau nicht faul, riß ihm die sechste Feder aus. Er schalt fürchterlich: | ||
| + | Sie versprach ihm heilig, es nicht wieder zu thun, sie wollte lieber die ganze Nacht wach bleiben, um den bösen Träumen zu entgehen. – »Nun, was hast du denn schon wieder geträumet? | ||
| + | |||
| + | Unterdessen war es Tag geworden und der Popanz erwachte. Als er seine Frau vermißte, fiel es ihm aufs Herz; er besah seinen Schwanz und da er seine Federn zählte, ward ihm alles klar. Sogleich faßte er die Feder an, welche ihm alles offenbarte, und erfuhr dadurch die Flucht seiner Frau mit dem Pastetenbäcker. Er war außer sich vor Bosheit und Wuth und wollte schier von Sinnen kommen; er schwur sie zu verfolgen und sich zu rächen und sollte er auch darüber seinen ganzen Schwanz einbüßen. Er säumete auch nicht lange, und machte sich gleich fertig. Er nahm eine Feder, biß darein und sogleich waren mehr als 100,000 Soldaten zu Pferde hinter das Schiff mit den Flüchtigen her. Aber die Frau, die das merkte, warnte den Pastetenbäcker, | ||
| + | Als dies der Popanz sah, biß er in eine andere Feder, und sogleich wurde das Schiff verfolgt von einem Heer Schlangen, Eidechsen, Kröten und anderm giftigen Gewürm. Der Pastetenbäcker steckte in der Angst noch eine von den Federn auf den Mastbaum, und das Schiff flog, wenn es vorher nur ging; und das Gewürme aber immer stärker hinterdrein. Endlich kamen sie an einen großen See. Hier befahl er dem Schiff still zu stehen, und so wie das Ungeziefer nahe genug war, ließ er den Kasten drehen und finstere Nacht machen. Kaum war das geschehen, so fuhr das Schiff wieder von dannen: das Gewürm aber verfolgte und fiel alles in das Wasser. | ||
| + | |||
| + | Unterdessen kamen sie in das Königreich ***; denn der Popanz hatte sie nicht weiter verfolgt, indem er gewiß glaubte, die Thiere würden sie einholen und zu Tode quälen. Der Pastetenbäcker ließ den Riesen das mit seinen Bewohnern versteinerte Schloß umkehren, berührte seine geliebte Prinzessin mit der Feder und sogleich erwachte sie sammt allen aus der Erstarrung. Die beiden Geliebten freuten sich des lebendigen Wiedersehens und umarmten sich inbrünstig. Der König gerührt über die treue Liebe, und über den Muth und die Standhaftigkeit seines und ihres Erlösers, dagegen erzürnt über die Unthat des Prinzen, gab sogleich seine Einwilligung in die Vermählung der beiden Geliebten. Sein neuer Eidam dankte für diese Güte, bat aber noch um einen kurzen Urlaub, indem es ihm obläge, noch die andern, mit der gegenwärtigen verbundenen, | ||
| + | Er reiste weiter, die Frau des Popanzen aber blieb bei der Prinzessin. Sie fuhren beinahe drei Jahre, ehe sie in das Königreich kamen, indem sie viel Ungemach von Zauberern und auch vom Popanz zu erdulden hatten. | ||
| + | |||
| + | Endlich kam er an das Schloß der Prinzessin, die im tausendjährigen Schlafe lag; er that, wie ihm gesagt war, und die Prinzessin erwachte. Sie sprach sogleich zu ihm: »Großmüthiger Fürst, wie viel Dank bin ich dir schuldig! du hast mir das Licht und Leben wiedergegeben: | ||
| + | |||
| + | Der junge Held fuhr weiter und gelangte zu dem Prinzen mit dem Weinstock; er that, wie er vernommen hatte und beide fingen an wieder zu blühen, aber der Weinstock war noch nicht wieder verwandelt: dieß geschah durch Berührung mit der einen übrigen Feder, und Sohn und Vater erkannten und freuten sich herzinniglich, | ||
| + | |||
| + | //Quelle: [[autor: | ||
| + | ---- | ||
| + | {{tag> | ||
