maerchen:die_schildwache
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| + | ====== Die Schildwache ====== | ||
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| + | Ein König hatte eine bildschöne Tochter, das war des Vaters höchstes Gut, und er liebte sie über alles in der Welt. Da kam einst ein mächtiger Zauberer, der von der großen Schönheit der Prinzessin gehört hatte und wollte sie heirathen. Der König aber schlug dem Freier die Bitte ab, und so die Tochter auch. Deshalb wurde der Zauberer böse und verwünschte die Prinzessin; denn er sprach: Du sollst augenblicklich sterben, und alle Nacht um 11 Uhr aus deinem Grabe heraufsteigen und bis um 12 Uhr ein Bär sein! | ||
| + | Du König aber sollst alle Nacht eine Wache an das Grab stellen, und thust du das nicht, so bist auch du ein Kind des Todes. Als er das gesagt, stürzte das blühende Mädchen todt zur Erde, der Zauberer aber war verschwunden. Man machte alle möglichen Versuche, das Mädchen zu retten, sie war aber todt und blieb todt. Weil nun alles nicht half, so wurde sie in der Kirche begraben und dem Vater brach darüber beinahe das Herz. Er erinnerte sich aber an den schrecklichen Befehl des Zauberers und ließ eine Wache an das Grab stellen. | ||
| + | Am folgenden Morgen bekam der betrübte König die Nachricht, daß die Wache zerrissen und todt bei dem Grabe gefunden wäre, den zweiten Morgen kam die nämliche schreckliche Botschaft und so alle Tage. | ||
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| + | Das ging lange Zeit so und der König hatte fast keine Soldaten mehr, die Wache bei der verstorbenen Prinzessin stehen wollten; deshalb mußte endlich jedes mal geloost werden. Da traf einst das Loos einen Soldaten, der ein junger hübscher Mensch und der einzige Sohn seiner Eltern war. Als er aber gezogen hatte, wurde er ganz traurig; denn er dachte, daß es ihm nicht besser gehen würde, wie seinen andern Kameraden , die Wache bei dem Grabe standen. In seiner Verzweiflung gieng er noch einmal hinaus ins Freie, er wußte aber nicht wohin; da begegnete ihm ein altes Mütterchen, | ||
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| + | Der verhängnißvolle Abend kam heran, man brachte den Unglücklichen unter vielen Trauerbezeugungen hin in die Kirche und schloß die Thür hinter ihm zu, damit er nicht entlaufe. Er stellte sich treu dem Befehle neben das Grab und erwartete mit klopfendem Herzen die Mitternachtstunde. Als es Elf schlug, that sich das Grab auf und ein Bär kam heraus. Da fing der Soldat an zu laufen immer zu, und der Bär hinter ihm drein. Als nun der Mensch bald nicht mehr laufen konnte, da schlug es endlich dreiviertel auf zwölf und geschwinde sprang er in das offene Grab und blieb darin sizen. Da das der Bär sah, legte er sich auf's Bitten und sagte: „Schildwache, | ||
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