maerchen:die_goldene_rose
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| + | ====== Die goldene Rose ====== | ||
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| + | Ein Förster hatte drei Töchter, die jüngste davon war die hübscheste und die beste, eine brave Seele. Deshalb hatte sie aber auch Vater und Mutter lieber, wie die andern; die zweite war ein pockennarbigtes und hämisches Mädchen; die älteste, nun das gieng, man konnte sie nicht schön und auch nicht gut nennen. Kurz, das jüngste hatte der Vater am liebsten, und fragte dasselbe, als er einst auf die Jagd gieng, was er ihm mitbringen solle. Das Mädchen legte sein Köpfchen an des Vaters Schulter und sagte so recht schmeichlich: | ||
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| + | Nun geht er fort und denkt immer an die Rose, die er seiner Tochter mitbringen soll; sieht sich auch um darnach; findet aber kaum einen Hagebuttenstrauch, | ||
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| + | Zu seiner Verwunderung kommt er an ein Schloß, das er noch gar nicht gesehen hat. Ei, denkt er, das mußt du dir näher ansehen. Er geht hinein, kein Mensch ist drin, dagegen findet er schöne Zimmer mit herrlichen Sachen, Tischen, Stühlen, Sopha' | ||
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| + | Nach einer Stunde, da ist der Wein sein Meister geworden, er muß sich hinlegen, so schwer ist ihm der Kopf. Er sucht sich ein Bett aus, legt sich gespornt und gestiefelt hinein und schläft, daß ein Auge das andre nicht sieht. Am folgenden Morgen wacht er erst wieder auf, als die Sonne über Berg und Thal scheint. Das heiß ich geschlafen, sagt der Förster; steht auf und tritt an's Fenster, um zu sehen, wo er ist und wie es außerhalb aussieht. Dabei wird er im Garten, in den er gerade hinein sehen kann, einen Rosenstock gewahr, der über und über voll goldener Rosen hängt. Den sehen, hinuntergehen und die beste davon abschneiden, | ||
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| + | Nun macht sich der Förster auf und geht nach Haus. Unterwegs kommt er erst recht zur Besinnung darüber, was er gemacht und gelobt hat. Vor tiefem Kummer fängt er zu weinen an und tritt, ohne daß er weiß, wie sehr er sich gemuthpreßt hat, in die Stube seiner Tochter und giebt ihr die Rose. Voll Freude dankt ihm die Tochter, voll Traurigkeit frägt sie, warum er geweint hat. Da sagt er's. Die Tochter aber spricht: Er solle nur nicht bange sein, sie wolle es machen. Sie wüßte ein gutes Mittel, das helfe gegen Tod und Teufel, das angewandt, würde sie auch von dem rauhen Dinge befreien. Darauf steckt sie sich die Rose vor die Brust, geht fort, singt und trallert und zeigt den andern die Wunderblume. | ||
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| + | Am andern Tage kommt eine Kutsche mit vier Schimmeln vor das Försterhaus. Heraus steigt ein kleines Männchen und bittet die jüngste Förstertochter, | ||
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| + | Nach langem Fahren hält die Kutsche, und das Männchen steigt mit der Förstertochter aus und führt sie in ein großes schönes Schloß, dann in eine Stube, die so schön eingerichtet gewesen ist, daß eine Königin darin hätte wohnen können. Dann sagt das Männchen: Jetzt verlaß ich dich. Was man dir befiehlt, das thue ja, wenn dir dein Leben lieb ist; ich werde dir beistehen. Kaum wird es Nacht, so kommt ein rauhes, ungestaltetes Ding in die Stube, tritt vor die Förstertochter und zapft ihr drei Tropfen Blut ab und spricht: Hier bring ich dir Garn, davon mußt du bis morgen früh zwölf Paar Strümpfe gestrickt haben. Hörst du? Vor Schrecken spricht das Mädchen, ja. Darauf ist der Unhold verschwunden. | ||
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| + | Als sich das arme Mädchen von seinem Schrecken erholt hat, macht es sich gleich an die Arbeit. Es wird um acht, um neun, um zehn, da hat es erst einen Strumpf fertig, und das ist rasch gegangen. Lieber Gott, denkt' | ||
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| + | Dann steht es auf, zieht sich an und geht hinab in den Garten. Da steht der Rosenstrauch mit den prächtigsten goldnen Rosen. Ohne Angst und Furcht pflückt sich die Förstertochter die beste Rose ab und spricht: Ich soll dich erlösen und du sollst mich erlösen. In dem Augenblick glotzt sie aber ein glubsches Katzengesicht an; die Erschrockene tritt aber näher und küßt das Katzengesicht. Da ist es verschwunden, | ||
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| + | Das arme Mädchen quält daran und hat bis zur Mitternacht erst einen Überzug fertig. Da kommt aber das kleine Männchen wieder und im Umund Aufsehen sind die Bettüberzüge fertig. Dann sagt das Männchen: Jezt leg' dich zur Ruhe, morgen früh geh in den Garten, pflück' | ||
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| + | Jetzt besieht sich die Förstertochter den Garten erst genau, der ist voll der schönsten Blumen. Darin bringt sie den ganzen Tag zu. Am Abend geht sie wieder in's Schloß und um sieben kommt das gefährliche Ding wieder, nimmt, so wie den vorhergehenden Tag die Strümpfe, diesmal die Bettüberzüge und giebt dem Mädchen zwölf Hemden zu nähen, die wieder bis zum andern Morgen fertig sein müßten. Alles geht so wieder, wie die vorhergehenden Tage, und spricht das Männchen, als die Hemden fertig sind: Morgen früh, wenn du in den Garten zu dem Rosenstock kommst und pflückst dir die Rose, dann sage; „Ich soll dich erlösen, du sollst mich erlösen." | ||
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| + | Und zum ewigen Andenken, wie der Teufel überwunden wird durch Gottvertrauen und zum immerwährenden Danke für den großen Muth seiner Frau nimmt der junge König eine goldene Rose in seinem Wappen auf. Diese Rose sieht man noch oft in schönen Wappen. Das kommt blos daher. | ||
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