maerchen:der_schneidergesell_und_der_geist
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| + | ====== Der Schneidergesell und der Geist ====== | ||
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| + | Ein Schneidergesell geht auf die Wanderschaft; | ||
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| + | So schläft er bis Mitternacht. Da weckt ihn ein Geräusch in der Kirche unten. Er geht hinunter und wundert sich nicht wenig, daß da mitten im breiten Gang ein Sarg mit einem Leichnam steht und zwei Männer dabei sind, die die Leiche aus dem Sarge zerren und ihr das Leichentuch vom Leibe reißen. Es ist nämlich an dem Ort Mode gewesen, daß alle Gestorbenen eine Nacht in die Kirche gesetzt werden müssen, wo sie, wenn sie im Leben gut gewesen sind, bekränzt und belobt werden können; wenn sie aber schlecht waren, so hat man sie auch beschimpfen und beschämen können. Wie's denn mit dem Todten im Leben gestanden hat, das hat man dann am andern Morgen gesehen. Deshalb fragt der Schneider die beiden, die den Leichnam so lohnen wollen, was denn der todte Mensch Arges gemacht hätte, daß sie so arg ihm mitspielen wollten? Da antwortet der eine, er wäre ihnen mit achtunddreißig Thaler hingestorben, | ||
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| + | Der Schneider hat gerade noch von seinem Erbtheil achtunddreißig Thaler, das ist sein ganzer Reichthum gewesen. Er besinnt sich kurz und spricht, er wolle für den Todten bezahlen, sie möchten dann aber den in Ruhe lassen. Damit sind die zufrieden, bringen alles wieder in Ordnung und so gehen die beiden mit dem Schneider aus der Kirche und dieser zum Thore hinaus. Kaum tritt er aus der Stadt an's Freie, so kommt noch ein Handwerksbursch hinter ihm her, sie begeben sich in's Gespräch und da erzählt denn der erste seine Geschichte von der verflossenen Nacht, sagt aber nicht, was er für den Todten gethan, sondern nur daß er die beiden von ihrem Vorhaben abgehalten hat. Da antwortet der andere, das wäre recht gut, das könne einmal für ihn gut sein; denn so etwas, das bliebe nicht unvergolten. Er wolle ihm einen Rath geben, wenn er den befolgte, so würde er glücklich werden zeitlebens. Erstens müßten sie Reisekameraden bleiben, wenn er (der zweite Handwerksbursch) auch einmal weg wäre, er käme gewiß bald wieder. Dagegen hat der Schneider nichts. Dann, wer ihnen an dem Tag begegne, der müsse mit und am Glück des Schneiders mitbauen. Das ist diesem auch recht. | ||
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| + | Nun gehen sie miteinander fort und erzählen sich etwas; da kommt ein Mann, der hat zwei dicke Bäume unter dem Arm und einen beindicken Baum darum gewickelt. Der Handswerksbursch fragt, was er denn da hätte? Der Mann antwortet, er hätte nur ein bischen Herdholz geholt. Wenn er so stark wäre, daß er so große Bäume tragen. und so dicke umwickeln könne, so wäre es gut für sie, er möchte mitgehen. Der Mann thut' | ||
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| + | Bald darauf finden sie einen, der hat ein hölzernes Bein. Der Handwerksbursch frägt, ob er nicht gut fort könne. Ach, antwortet der andere, gerade mit seinem hölzernen Beine könne er schneller laufen, wie irgend ein Mensch. Er möchte mitgehen, spricht der Handwerksbursch zu ihm. Der thut's auch. Zuletzt begegnet ihm einer, der nur ein Auge hat, mit dem andern ist er blind. Der Handwerksbursch frägt, ob er nicht gut sehen könne. Der aber antwortet, mit seinem einen Auge könne er meilenweit alles aufs Genaueste sehen. Das wäre gut, er solle mitgehen. Der thut's auch. | ||
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| + | Als die sechs mit einander fortgehen, kommen sie in eine Stadt, da steht an allen Ecken angeschlagen, | ||
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| + | Am andern Morgen geht der Schneider wieder hin, nimmt aber seine Gesellschaft, | ||
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| + | Das will sie und der König nicht gelten lassen, und sie wollen sehen, wie sie den Schneider mit seiner Sippschaft auf gute Manier los werden. Der König hat für den Fall, daß er seine Tochter einmal verliert, denn sie hat nie heirathen wollen, das hat aber keiner wissen sollen, ein großes eisernes Zimmer machen lassen, das hat rings mit Feuer umlegt werden können. In dies Zimmer wird der Schneider mit seiner Gesellschaft hineingeführt. Unser zweiter Handwerksbursch hat aber einen Weg auszugehen gehabt. Eine lange Tafel mit den schönsten Speisen steht da; die Gesellschaft wird von der Dienerschaft gebeten, recht fleißig zuzuholen; das thun sie auch. Wein und Braten und allerlei Raritäten schmecken ganz herzlich und sie thun sich alle bene. Da wird es aber nach und nach so warm in dem Zimmer die Diener haben nämlich Feuer darum herlegen müssen, damit die Gäste verbrennen sollen da sagt der Schneider zu dem mit dem schiefen Hute: er möge doch einmal seinen Hut etwas gerade sehen, es würde ja eine heillose Gluth hier. Der thut's und da wird es so kalt, troß des unbändigen Einheizens, daß sie alle da sitzen und anfangen zu frieren und zu zittern, daß die Zähne klappern. | ||
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| + | Der König kommt dazu, meint, sie sind verbrannt und sieht nun, wie sie alle stocksteif da sitzen und frieren. Voll Wuth läßt er die Bedienten, die da haben heizen sollen, hineinwerfen und den Schneider mit seinen Gesellen herauskommen. Da verbrennen die Diener; der Schneider aber wird der Schwiegersohn des Königs; denn dieser sieht doch ein, daß er gegen diese Sippschaft nichts ausrichten kann. Die Tochter hat sich also auch bequemen müssen und auf der Hochzeit ist der Handwerksbursch auch und spricht: Sich, jezt bin ich wieder da und will dir nur sagen, daß ich dich glücklich gemacht habe, dafür, daß du meine Schuld von achtunddreißig Thalern damals bezahlt hast. Ich bin des Todten Geist. Sei glücklich. Da ist er verschwunden und damit ist das Mährchen aus. | ||
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