maerchen:der_foerstersohn
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| + | ====== Der Förstersohn ====== | ||
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| + | Ein Förster wohnte ganz abgelegen im Walde hier am [[region: | ||
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| + | Einst gieng der Förster auf die Jagd und wie er so allein im Tannenwald dahin gieng, kam er wieder mit seinen Gedanken auf dies Capitel und bat den lieben Gott, er möge ihm aus der Verlegenheit helfen. Kaum hatte er aber dies gethan, so kam ein baumlanger Mann auf dem Waldwege dahergegangen, | ||
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| + | Den Tag hatte der Waidmann ganz unvernünftiges Glück. Drei Hirsche und dazu die allergrößten mit den stärksten Geweihen fanden ihren Tod durch ihn und lagen auf der Stelle, wo sie getroffen waren. Das war eine Freude, als der Förster des Nachmittags nach Haus kam und der Jägerbursch mit dem Pferd fort mußte und ein Thier nach dem andern nachh Haus brachte, eins immer schwerer wie das andere. Der Förster hatte genug zu thun, die Hirsche zu zerwirken. Des Abends spät war er erst mit der Arbeit fertig. Dazu kam noch die frohe Aussicht, daß auf nächsten Sonntag der Kleine getauft werden sollte und daß der Pathe so leicht gefunden und gewiß nichts gewöhnliches war. Der Sonntag kam. Die Hebamme mit dem Förster und dessen Frau machten sich recht blank, der Vater zog sein bestes Jägerhabit an und die Frau Försterin hatte ihre schönste goldene Mütze auf und einen grünseidenen Rock mit einer Kontusch an von eben demselben Zeug. So giengs zur Kirche. | ||
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| + | Als sie ankamen, zogen eben die Leute aus der Kirche heraus ganze Schaaren, denn dazumal gieng man recht fleißig zur Kirche und war gottesfürchtiger, | ||
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| + | Das Kind wächst zusehends und wird ein prächtiger Junge. Kaum hat er das zehnte Jahr erreicht, da bittet er den Vater, ihn mit zur Jagd zu nehmen, denn schießen hat er schon gekonnt, wie ein Alter. Der Vogel in der Luft ist reif gewesen, wenn der Junge nach ihm gezielt und geschossen hat. Natürlich nimmt ihn der Vater auch mit, giebt ihm das leichteste Gewehr, was er gehabt hat, und der Sohn erlegt gleich, als sie sich angestellt haben, einen recht feisten Rehbock. Der Vater muß aber leer nach Haus. So geht es jedesmal, wenn der Junge mit seinem Vater auf die Jagd geht, so daß er ihn endlich gar nicht mehr mitnehmen will; denn das grollt, wenn der Junge immer etwas schießt, und der Alte noch nicht einmal ein Stück zu sehen kriegt. | ||
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| + | So wird der Sohn vierzehn Jahre, geht zur Confirmation und kommt bei einem andern Förster als Jäger in die Lehre. Nach einem Jahr hat er schon ausgelernt und kommt bei einem Grafen als Jäger in Dienst. Es dauert gar nicht lange, so ist er als der beste und geschickteste Jäger weit und breit berühmt und keine Jagd ward im Harz gehalten, bei der er nicht ist. Einst sagt er zu seinem Herrn, er wolle einmal eine recht weite Tour machen und in ein paar Tagen nicht zurückkommen; | ||
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| + | Gleich ist der Jäger auf und nun gehts leise fort. Kaum sind sie aber eine viertel Stunde gegangen, so hören sie ein wildes Schwein grunzen und nicht lange darnach sehen sie einen ungeheuren Eber aus der Hecke kommen. Der Jäger zielt und drückt, das Thier thut noch einen Satz und verendet. Nun geht's gleich hin und da liegt das größte Schwein, was je angeschossen ist. Da sagt der Riese zum Jäger: Du hast deine Sache gut gemacht. Dieser Eber, ist ein böser Zauberer gewesen, der sich des Nachts in allerlei Gethier verwandelt hat. Diesmal ist es ein Eber gewesen, du bist dazu ausersehen, ihn zu fällen und seinen Zauber ferner zu brechen. Komm mit und sei stark und muthig, ich stehe dir bei bei der verzweifelten Geschichte. Du hast noch ein saures Stück Arbeit vor dir, es hängt aber dein Glück und dein Leben davon ab. Siehst du dort jenes große Haus, das ist ein Schloß, das er verwünscht hat, darin liegt ein König verwünscht, | ||
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| + | So kommen sie vor das Haus. Alles ist zu, Thür und Fenster wie festgemauert. Der Riese schlägt die Thür auf und winkt dem Jäger hineinzugehen; | ||
| + | sollst du dir genug nehmen und sehen, wie du wieder herauskommst, | ||
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| + | In dem Augenblick aber kommt eine ganze Menge Zwerge, die tragen was zu essen auf, den Tisch ganz voll und sehen den schönsten Wein dabei; sagen dann: Komm, guter Freund, und iß und trink. Das Essen ist fett, der Wein ist gesund; pflege dich. Auch seßen sie sich mit hin und essen und trinken. Dem Jäger schenken sie auch das Glas voll; er aber sagt, er möchte keinen Wein, er könne ihn nicht vertragen. Überhaupt tränke er gar nicht. Gegessen hat er aber tüchtig; es hat ihm geschmeckt und er ist ungeheuer hungrig gewesen. Sie nöthigen ihn zum Trinken immerfort, er thut ihnen aber den Willen nicht. Als er nun satt ist, und noch immer nicht getrunken hat, da ist's mit einemmal aus, der lange Tisch mit den Speisen und Weinen und die Lichter, und die ganze kleine Gesellschaft ist weg; da sizt der Jäger im Finstern, daß ihm Zeit und Weile lang wird. Alles ist todtenstill; | ||
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| + | Da schlug' | ||
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| + | Bei der Langeweile, die er hat, probirt er die frisch gemachte Wurst und sie schmeckt ganz capital. Als er sie probirt, richtet sich die weiße Gestalt wieder auf und sagt: er möchte sie doch auch einmal kosten lassen. O, sagt er, wer todt ist, braucht nichts zu essen. Da thut sie einen tiefen Seufzer, legt sich zurück und ist wieder todt. Obgleich er sich schon an die Gegenwart der Leiche gewöhnt hat, so überläuft' | ||
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| + | Des Abends findet er wieder seinen Tisch gedeckt, er sättigt sich wieder und holt wieder einige Wachskerzen aus der Küche herauf. Als es Abends elf Uhr ist, wird's wieder draußen lebendig, und nun kommt die Gesellschaft der kleinen Kerle herein, die bei Tisch diesmal gefehlt hat. Jezt sehen sie aber alle so ärgerlich und ernst aus, daß dem Jäger ordentlich anfängt zu grauen. Nun treten fie alle um ihn herum und sagen, sie wollten ihm diesmal die Haare vom Kopfe sengen. Er solle aber ja stille halten, sonst koste es ihm das Leben. Das thut doch, antwortet er. Wartet, ich will euch einmal die Haare vom Kopfe sengen, wie euch das gefällt. Glaubt nicht, daß ich mir von euch etwas gefallen lasse. Da wollen sie mit Gewalt an ihn. Er aber nimmt sein Licht und steckt dem ersten besten und dann dem zweiten und dritten die Haare auf dem Kopfe an, daß sie schreiend und winselnd davon laufen. Einer davon stürzt sich verzweifelnd, | ||
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| + | Als der Jäger wieder erwacht, liegt er in einem schönen seidenen Bette, die Diener und Ärzte stehen an seinem Lager und verbinden seine Brandwunden, | ||
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