maerchen:capitel21-16
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| + | ====== Die drei Ringe ====== | ||
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| + | bei Vetschau R | ||
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| + | Es war einmal ein König, der hatte bei seinem Palaste einen schönen Garten. In diesem Garten hatte er vor langen Jahren einen Apfelbaum gepflanzt, welcher jährlich drei Aepfel trug. Noch nie hatte er aber einen von den Aepfeln essen können, denn jedes Jahr verschwanden dieselben auf räthselhafte Weise. Der König hatte Jahre lang Wächter bei dem Baume aufgestellt, | ||
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| + | Einstmals jedoch stand ein kühner Soldat bei dem Apfelbaum Wache. Als die Uhr zwölf schlug, sah er, wie eine graue Wolke auf den Apfelbaum zuschwebte. Es währte nicht lange, so war dieselbe nicht mehr in der Nähe des Apfelbaumes zu erblicken, aber der Soldat hatte mit seinen scharfen Augen gesehen, dass sie unter einem Dornenstrauch, | ||
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| + | Am andern Morgen ging er zum König und theilte ihm die seltsame Geschichte mit. Darauf ging der König mit seinen Söhnen und vielen Arbeitern in den Garten. Als sie an den Dornenstrauch kamen, war nirgends eine Oeffnung zu sehen, in welche die Wolke hätte verschwinden können. Der König befahl, dass der Dornenstrauch ausgerissen würde, aber je tiefer die Arbeiter gruben und je kraftiger sie an dem Dornenstrauch rissen, um so mehr begann derselbe zu wachsen. Da sprachen sie einen kräftigen Zauber über den Strauch aus. Siehe da, nun wurden die Wurzeln des Dornenstrauches immer dünner, so dass die Arbeiter weiter graben konnten. Endlich kam eine Oeffnung zum Vorschein. Darauf holte man einen Stein und warf denselben in die Oeffnung hinein. Es wahrte sehr lange, bis man am Klange hörte, dass derselbe unten angelangt war. Darauf sprach der König: „Wer von Euch will hinunter steigen?“ Niemand meldete sich. Endlich trat der älteste Sohn des Königs vor und sprach: „Ich will den Zauber lösen, lasst mich in die Oeffnung hinunter. Darauf nahm man eine lange Leine, band den Königssohn daran fest und liess denselben hinab. Vorher hatte er aber gesagt, dass man ihn wieder hinaufziehen möchte, wenn er an der Leine ziehen würde. | ||
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| + | Als der Königssohn unten angelangt war, befand er sich in einem dunklen Gange. Er verfolgte denselben immer weiter, bis er über eine Brücke kam. Kaum war er über dieselbe gegangen, so gelangte er in einen grossen Saal. In dem Saale brannte in der Mitte ein helles Feuer; an demselben sassen drei schöne Jungfrauen. An der einen Seite des Saales war ein Brunnen, worin klares Wasser schimmerte; darüber hing ein grosses Schwert. Die drei Jungfrauen sprachen: „Wir sind verzaubert Wenn Du uns befreien willst, so trinke aus diesem Brunnen, denn sein Wasser ist das Wasser des Lebens und der Stärke. Dann nimm das Schwert und umgürte Dich damit. Hast Du das gethan, so wirst Du uns erlösen und Du selbst wirst glücklich sein." Der Königssohn schöpfte dreimal mit der Hand Wasser aus dem Brunnen und trank drei Züge. Kaum hatte er den letzten Tropfen getrunken, so fühlte er sich stärker als je zuvor in seinem Leben. Dann umgürtete er sich mit dem Schwerte, zog die Klinge und trieb damit alle die bösen Geister, welche auf ihn Kindrangen, zum Saale hinaus. | ||
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| + | Jetzt hatte er die drei Jungfrauen erlost. Da sprach die eine von ihnen: „Nun bringe uns auf die Erde, damit wir die Sonne wieder sehen. Vorher aber nimm diese Geschenke." | ||
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| + | Als die andern Brüder die schönen Mädchen sahen, wurden sie verblendet und sprachen leise einer zu dem andern: „Unser Bruder mag unten bleiben, wir wollen uns die schönsten Jungfrauen aussuchen und behalten.“ Deshalb liessen sie die Leine nicht wieder hinab und sagten zu ihrem Vater, welcher mit den Jungfrauen nach dem Schlosse gegangen war, sie hätten die Leine hinabgelassen, | ||
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| + | Der Königssohn hatte unten in der Tiefe viele böse Geister besiegt und grosse Schätze erobert Endlich kam ein guter Geist zu ihm und sprach: „Ich will Dich auf die Erde bringen. Dein Vater wird vor Schmerz sterben, die Jungfrauen sind voll Trauer und Deine Brüder voll Uneinigkeit.“ Noch war das Jahr nicht um, als der gute Geist den jungen Königssohn auf die Erde brachte. | ||
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| + | Er war nicht gar weit gegangen, so hörte er Glockengeläute. Als ein Wanderer des Weges kam, fragte er ihn, was das bedeute. „Ach,“ sagte derselbe, „es wird nun bald ein Jahr sein, seit der älteste Sohn des Königs verschwunden ist. Deshalb wird alle Tage geläutet, bis das Trauerjahr vorüber ist. Da sprach der Königssohn: | ||
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| + | Nach einigen Tagen kam der Hausmeister des Königs und fragte, ob der Ring fertig wäre. Erschreckt ging der Goldschmied nach der Werkstätte, | ||
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| + | Es dauerte aber nicht lange, so kam der Hausmeister des Königs wieder zu dem Goldschmied und sagte, er möchte einen Ring gemacht haben, worauf Sonne und Mond waren. Der Goldschmied fragte seinen Gesellen, ob er sich getraue, auch dieses zweite Kunstwerk zu fertigen. Der Gesell sagte: „Ist mir das erste gelungen, so wird auch das zweite gelingen.“ Nach neun Tagen kam des Königs Hausmeister wieder, um den Ring abzuholen. Der Goldschmied ging wieder zu dem Gesellen in die Werkstatt und fragte, ob der Ring fertig wäre. Lächelnd griff der Gesell in die Tasche und gab dem Meister den Ring. Wiederum lobten der Goldschmied und Hausmeister den Gesellen über die Massen. | ||
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| + | Zum dritten Male kam der Hausmeister des Königs und bestellte einen Ring, worauf Sonne, Mond und Sterne wären. Diesmal sagte aber der Gesell zu seinem Meister: „Jetzt arbeite ich nicht mehr, ich gehe auf die Wanderschaft.“ Eilig lief der Goldschmied zum König und erzählte ihm, dass sein Gesell, welcher die beiden Ringe gefertigt habe, nicht mehr arbeiten wolle, er selbst besässe die Geschicklichkeit nicht, einen solchen kunstreichen Ring zu machen. Der König sagte: „Ich werde meinen Feldhauptmann schicken, der soll den Gesellen einsperren bei Wasser und Brod; dann wird er sich schon besinnen und den Ring machen.“ Darauf ging der Feldhauptmann mit, dem Goldschmied in dessen Haus, um den Gesellen in das Gefangniss zu führen. Als sie dort angelangt waren, sprach der Gesell nach einigem Bedenken: „Ich will den Ring fertigen, aber nur vor den Augen des Königs.“ Da führte ihn der Feldhauptmann in das königliche Schloss. Hier gingen sie in den grossen Saal, in welchem der König, seine Söhne und die drei Jungfrauen sich befanden. Kaum waren sie eingetreten, | ||
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