maerchen:307._einaeuglein_zweiaeuglein_und_dreiaeuglein
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| + | ====== Einäuglein, | ||
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| + | Nach Büsching II. 17. | ||
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| + | Eine Frau hatte drei Töchter, die hießen Einäuglein, | ||
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| + | Die Frau aber hatte eine Ziege, die mußte Zweiäuglein alle Tage am Feldraine hüten. Als sie eines Tages draußen bei ihrer Ziege saß und vor Hunger und Traurigkeit bitterlich weinte, siehe da trat eine Fee zu ihr und fragte sie liebreich, was sie weine? Zweiäuglein erzählte der guten Fee ihr trauriges Schicksal und die gute Fee tröstete sie und sprach: Weil du ein so braves Mädchen bist, will ich dir helfen. Sage nur immer zu deiner Ziege: Zicklein meck! Tischlein deck! so wirst du immer genug zu essen und zu trinken haben und wenn du satt bist, brauchst du blos zu sagen: Zicklein meck! Tischlein weg! so wird Alles wieder verschwinden. So sprach die Fee und verschwand. Zweiäuglein aber, ganz überglücklich und von Herzen dankbar, versuchte sogleich das neu gelernte Kunststück. Und siehe, kaum hatte sie zu ihrer Ziege gesagt: Zicklein meck! Tischlein deck! da stand vor ihr ein Tischlein, sauber gedeckt und mit den herrlichsten Speisen und Getränken besetzt. Zweiäuglein langte sogleich tüchtig zu und aß sich zum erstenmal in ihrem Leben ordentlich satt. Dann sprach sie: Zicklein meck! Tischlein weg! und Flugs verschwand die ganze Bescheerung vor ihren sichtlichen Augen. | ||
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| + | Nun hatte Zweiäuglein alle Tage vollauf zu leben und verschmähte natürlich die magern Bissen, die ihr die böse Mutter reichte. Da wußten die zu Hause gar nicht, was das zu bedeuten habe, und eines Tages wurde ausgemacht, daß Einäuglein mit auf die Weide gehen sollte. Aber Zweiäuglein segte sich neben die böse Schwester auf den Feldrain und erzählte ihr so lange lauter langweilige Geschichten bis Einäuglein ihr eines Auge zufiel. Und Zweiänglein fing an zu singen: Einäuglein wachst du? Einäuglein schläfst du? Aber Einäuglein schlief ganz fest und schnarchte nur so. | ||
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| + | Da sprach Zweiäuglein ihr Sprüchlein und da erschien ihr Tischlein und da aß sie sich satt und dann sprach sie ihr anderes Sprüchlein und Alles war wieder verschwunden. Als endlich Einäuglein erwachte, da sprach Zweiäuglein: | ||
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| + | Da schickte die Mutter des andern Tages Dreiäuglein mit auf die Weide. Aber Zweiäuglein setzte sich neben ihre böse Schwester auf den Feldrain und erzählte ihr so lange lauter langweilige Geschichten bis Dreiäuglein ihre drei Augen zuzufallen anfingen. Allein anstatt nun zu singen: Dreiäuglein wachst du? Dreiäuglein schläfst du? sang sie aus Versehen: Dreiäuglein wachst du? Zweiäuglein schläfst du? da blieb das dritte Auge Dreiäugleins offen, ohne daß es Zweiäuglein merkte und mit diesem dritten Auge sah sie dann Alles mit an. Als sie nun nach Hause kamen, erzählte Dreiäuglein Alles haarklein der Mutter und diese war darüber so zornig, daß sie auf der Stelle Zweiäugleins Ziege schlachtete. | ||
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| + | Zweiäuglein war nun so arm wie vorher und saß wieder traurig und in Thränen auf dem gewohnten Feldrain. Da kam aber wieder die gute Fee und tröstete Zweiäuglein und sagte ihr, sie solle sich nur die Eingeweide von der geschlachteten Ziege geben lassen und an der Hausthürschwelle vergraben. | ||
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| + | Zweiäuglein that wie ihr geheißen ward und vergrub bei Sonnenuntergang in aller Stille die Eingeweide der Ziege an der Hausthürschwelle, | ||
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| + | Es kam aber gerade ein schöner fremder Herr am Hause vorbeigeritten. Als sie den von ferne sahen, ergriffen sie Zweiäuglein und steckten sie unter ein Faß. Der schöne fremde Herr kam heran und begehrte einen Zweig von dem wunderbaren Baume. Und sie versuchten alle nach einander den Baum zu erklettern, aber der Baum war wie lebendig und sie purzelten alle herunter und wenn sie nach den Früchten griffen, bogen sich die Zweige zurück, so daß sie auch nicht einmal ein Blättlein erlangen konnten. Da war der schöne fremde Herr sehr verwundert und sagte, der wahre Besitzer des Baumes sei wohl nicht zu Hause und ob denn Niemand im Haufe sei, der die goldenen Aepfelbrechen könnte. Nein, sagten die drei, Niemand. | ||
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| + | Aber Zweiäuglein unter dem Fasse hörte Alles mit an und nahm einen ihrer goldenen Aepfel aus der Schürze und ließ ihn leise unter dem Fasse hervorkollern, | ||
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