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| - | ====== Vorwort ====== | ||
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| - | Dieses Buch kann als Begleiter auf der Rheinreise von Mainz bis Köln (Worms bis Cleve), soll aber besonders als Jugendschrift dienen. | ||
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| - | „Rheinlands schönste Sagen und Geschichten“, | ||
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| - | Daß mein Name im Verlaufe von dreißig Jahren auf dem Gebiete der Märchen- und Sagenlitteratur nicht ganz unbekannt geblieben ist, glaube ich besonders meinen „Harzsagen“ zu verdanken. Sie sind in erster Linie eine wissenschaftliche Arbeit, deren neueste Auflage der nach dem Tode Jakob Grimm’s von Wilhelm Scherer geltend gemachten Auffassung, der deutschen Mythologie gerecht zu werden, und Mannhardt’s Bestreben, die Konzentration der Sagenforschung auf die Wald- und Korndämonen durch eine Hinweisung auf die Walpurgisnacht zu erweitern, daher der Brockensage, | ||
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| - | Die Sage des Harzes, welcher später als die Rheinlande, wenn auch nicht so spät als das Vaterland der Edden, zum Christentum bekehrt wurde, und dessen Städte nur klein sind, trägt einen bäurischen Charakter. Daß ich ihr denselben zu erhalten suche, rechne ich mir zum Verdienste an. Einige „mündliche“ Rheinsagen habe ich während meines einjährigen Aufenthaltes in der Rheinprovinz gesammelt: sie stehen in meinen „Deutschen Sagen“ und sind im vorliegenden Buche nicht wiederholt, wohl aber in Trog, „Rheinlands Wunderhorn“, | ||
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| - | Unter den neueren Quellen in Prosa, die ich benutzte, fand ich außer bei Goethe (Rochusfest) die vollendetste Darstellung vor in dem Prachtwerke „Der Rhein. Von W. O. von Horn. Dritte Auflage. Wiesbaden, Niedner. 1881.“ Andere Schriften, welche ich benutzte, waren Otto Lehmann’s Rheinsagen, Hülle’s Drachenfels und seine nächsten Umgebungen, dann „Der Drachenfels“ (Bonn 1852), Schneegans’ Beschreibung Kreuznach’s und besonders der rheinische Antiquarius, | ||
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| - | Alles in dieser Sammlung ist in verschiedener Weise, je nachdem die Quellen sind, aus Büchern bearbeitet. Die wissenschaftliche Sagenkunde dabei bereichert zu haben, behaupte ich nicht. Doch sind meines Wissens die Rheinsagen, die ich aus dem rheinischen Antiquarius unter den Überschriften „Die Hoacht“ und „Die Überfahrt nach Remagen“ mitteile, in der Sagenlitteratur als neu zu betrachten, ebenso vielleicht die aus den Schriften von Wegeler (1854) und Steinbach (1879 oder 1880) gezogenen Sagen der Gegend von Laach, wenn man dabei von Genovefa und von Schlegels Gedichte absieht. Nach Steinbach’s beachtenswerter Bemerkung finden sich dort noch ungedruckte Sagen. | ||
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| - | Die einzige im grunde sehr umfassende Sammlung von Rheinsagen, die ganz in Jakob Grimms Geiste veranstaltet ist, findet sich zusammenhangslos in J. W. Wolfs niederländischen, | ||
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| - | Wenn in obiger Aufführung der Quellen ein Schriftstellername übergangen ist, so bitte ich um Entschuldigung: | ||
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| - | Auf den hohen wissenschaftlichen Wert der in Berlin von mir benutzten Bücherquellen wird bei dieser Jugendschrift kein großes Gewicht gelegt werden können, eher aber darauf, daß ich die rheinischen Heldengedichte und Volksbücher ungefähr in der Weise meiner verstorbenen Freunde Ferdinand Bäßler und Karl Barthel bearbeitet und den Inhalt derselben am Rheine sehr zugänglich gemacht habe. Übrigens halte ich die Rheinsage, wie ich sie hier charakterisiert habe, für vorzugsweise geeignet, der deutschen Volkssage und der ganzen volkstümlichen Litteratur mehr und mehr Boden bei der Erziehung und dem Unterrichte der Jugend zu gewinnen und so manches Fremde wieder daraus zu verdrängen. Die Gedanken unserer Mädchen und Knaben bewegen sich gerade jetzt seit der Herstellung des deutschen Reiches weit mehr in dem Ideenkreise Schneewittchens und der Zwerge in den vaterländischen Gebirgen als in dem der Rothäute. Wie die Alten sungen, die bei Richard Wagners Opern dicht gedrängt vor der Bühne sitzen, so zwitschern auch die Jungen – und sie haben in diesem Falle vielleicht noch mehr recht als die Alten. Möge denn für Jung und Alt dies Buch mit den Rittergeschichten und mit den Legenden „Der Drachenfels und die Einführung des Christentums“, | ||
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| - | Berlin, den 2. Oktober 1886. | ||
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| - | Heinrich Pröhle. | ||
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| - | Druck von Bajanz & Studer, Berlin S. | ||
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