capitel:reinhardtswalder_sagenbuechlein_vorbemerkungen
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| + | ====== Vorbemerkung ====== | ||
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| + | Vor 500 Jahren lag mitten im Karswalde westlich von der heutigen Bahnlinie Arnsdorf–Pirna und südwestlich von den bekannten Torfstichen bei Arnsdorf eine fränkische Siedlung, Reinhardtswalde genannt. Sie war kirchlich mit Kleinwolmsdorf bei Radeberg verbunden. Der Wolmsdorfer Pfarrer wanderte wohl täglich nach Reinhardtswalde, | ||
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| + | Glückliche Menschen wohnten einst in jenem stillen, abgelegenen Walddorfe, die mit Feld- und Gartenbau und Fischzucht sich beschäftigten. – Da kam der Krieg! Fanatische Mordbrenner zogen durchs Land. Städte, Dörfer und Klöster gingen in Flammen auf. Die Hussiten standen eines Tages auch vor dem Städtchen Jockrim am Nordabhange des Stolpener Berges, verwandelten es in eine Trümmerstätte und berannten nun die Burg Stolpen, den Lieblingssitz des Meißner Bischofs. Doch vergeblich! – Bei Helmsdorf schlugen sie darauf in der Nähe der Kirche am Katharinenwasser ein großes Lager auf, von dem noch deutliche Reste zu sehen sind: Wall und Graben, im Volksmund die Hussitenschanze genannt. – Von hier aus durchstreiften die Hussiten Monate hindurch die ganze Umgegend, plünderten, | ||
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| + | Das niedergebrannte Dorf wurde nicht wieder aufgebaut. Nach Jahren hatte der Wald seine Stätte überzogen, und wo einst fröhliche Kinder spielten und lachten äst heute das Reh auf einsamer Waldwiese und geht zur Tränke am ehemaligen Dorfbächlein, | ||
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| + | Die heimatlos gewordenen und noch lebenden Bewohner des untergegangenen Dorfes fanden bei Verwandten und Bekannten in den umliegenden Ortschaften, | ||
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| + | Der Reinhardtswalder Kirche schräg gegenüber lag der Gasthof, der Krug von Reinhardtswalde. Vor ihm breitete sich der von einer großen Linde überschattete Dorfplatz aus. Hier war auch der steingefaßte Dorfbrunnen, | ||
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| + | Am oberen Ende des Dorfes, nach der Budißiner Landstraße zu, lag am alten Bischofswege die Reinhardtswalder Mühle. Die hohen Dämme der ehemaligen Mühlteiche sind noch zu sehen. Vor wenigen Jahren war auch noch ein Stück Mauer vorhanden, jedenfalls ein Rest der Reinhardtswalder Mühle. – | ||
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| + | Am Reinhardtswalder Wasser, das murmelnd durch den stillen Wiesengrund zieht und in der Nähe der Insel mit der Röder sich vereinigt, lagen links und rechts die Gehöfte. Noch sind da und dort deutlich die Rampen zu sehen, welche die Lage der Häuser kennzeichnen. | ||
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| + | Ueber die Geschichte von Reinhardtswalde wissen wir leider nicht allzuviel. In den alten Urkunden ist wenig zu finden. Wir sind in der Hauptsache auf das angewiesen, was uns die Volksüberlieferung berichtet, und Frau Saga ist da viel beschäftigt gewesen und hat mit dem immergrünen Efeu deutscher Dichtung das wüste Dorf lieblich umrankt und raunt und flüstert daselbst allerorten. | ||
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