capitel:grimmdsvorrede2
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| + | ====== Vorrede zum zweiten Band ====== | ||
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| + | Eine Zusammenstellung der deutschen Sagen, welche vorliegenden Band ausmachen und sich unmittelbar an die wirkliche Geschichte schließen, ist unseres Wissens noch nicht unternommen worden und deswegen vielleicht verdienstlicher, | ||
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| + | Was unsere Sammlung jetzt noch enthalten kann, kündigt sich deutlich als bloße, oft ganz magere und bröckelhafte Überbleibsel von dem großen Schatze uralter deutscher Volksdichtung an, wie die ungleich zahlreichere und besser gepflegte Menge schriftlicher und mündlicher Überlieferungen des nordischen Stammes beweist. Die Unstetigkeit der meisten übrigen Völkerschaften, | ||
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| + | Die äußere Gestalt, in der diese Sagen hier mitgeteilt werden müssen, scheint uns manchem gegründeten Tadel ausgestellt, | ||
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| + | Eine solche Grundlage von Liedern haben gewiß noch andere Stammsagen gehabt. Bekannt sind die Verweisungen auf altgotische Lieder, für die longobardische Sage läßt es sich denken4. Einzelne Überlieferungen gehen in der Gestalt späterer Volkslieder umher, wie die von Heinrich dem Löwen, dem Mann im Pflug und so weiter; merkwürdiger ist schon das Westfriesenlied der Schweizer. Andere sind im dreizehnten Jahrhundert gedichtet worden, wie Otto mit dem Bart, und der Schwanritter, | ||
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| + | Es ist hier der Ort, ausdrücklich zu bemerken, welche deutsche Sagen aus unserer Sammlung ausgeschlossen bleiben mußten, weil sie in dem eigenen und lebendigeren Umfang ihrer Dichtung auf unsere Zeit gekommen sind. Dahin gehören die Sagen: l) Von den Nibelungen, Amalungen, Wolfungen, Harlungen und allem, was diesen großen Kreis von ursprünglich gotischen, burgundischen und austrasischen Dichtungen bildet, in deren Mitte das Nibelungenlied und das Heldenbuch stehen. 2) Von den Kerlingern, namentlich Karl, Roland, den Haimonskindern und anderen Helden, meist austrasischen Ursprungs, doch auch in französischen, | ||
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| + | Sind auf solche Weise die Grenzen unserer Unternehmung gehörig abgesteckt, so glauben wir nicht, daß sich zu dem Inhalt des gegenwärtigen Bandes bedeutende Zusätze ergeben können, es müßten denn unverhofft ganz neue Quellen eröffnet werden. Desto mehr wird sich aber für die Vervollständigung der örtlichen Sagen tun lassen; wir haben zu dem ersten Teile glücklich nachgesammelt und so erfreuliche Mitteilungen empfangen, daß wir diese zuvor in einem dritten Teil herauszugeben wünschen, um uns dann desto ungestörter und sicherer zu der Untersuchung des ganzen Vorrates wenden zu können. | ||
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| + | Kassel, den 24. Februar 1818 | ||
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| + | Fußnoten | ||
| + | 1 Nur wenigen Schriftstellern des Mittelalters ist die Ausführlichkeit, | ||
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| + | 2 Kein deutscher Landstrich hat auch so viel Chroniken als Thüringen und Hessen für die alte Zeit ihrer Vereinigung. Es gibt deren gewiß über zwanzig gedruckte und ungedruckte von verschiedenen Verfassern, wiewohl sie auf ähnlicher Grundlage ruhen. | ||
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| + | 3 Wie die Liebe zum Vaterlande und das wahre Heimweh auf einheimischen Sagen hafte, hat lebhaft gefühlt: Brandes: Vom Einfluß des Zeitgeistes, | ||
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| + | 4 Man beschränkt sich hier auf das Zeugnis von Alboin, bei Paulus Diaconus, I, 27: »Alboini ita praeclarum longe lateque nomen percrebuit, ut hactenus etiam tam apud Bajoariorum gentem quam et Saxonum, sed et alios ejusdem linguae homines, ejus liberalitas et gloria, bellorumque felicitas et virtus in eorum carminibus celebretur.« | ||
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| + | 5 Eckehardus jun.: De casibus S. Galli (ap. Goldast, I, 15): »Hattonem franci illi saepe perdere moliti sunt, sed astutia hominis in falsam regis gratiam suasi; qualiter ad alpes (I. Adalpertus) fraude ejus de urbe Pabinberk detractus capite sit plexus, quoniam vulgo concinnatur et canitur, scribere supersedeo.« Otto Frising., VI, 15: »Itaque ut non solum in regum gestis invenitur, sed etiam in vulgari traditione in compitis et curiis hactenus auditur, praefatus Hatto Albertum in castro suo Babenberg adiit« etc. Edkehardus jun., I.c., pag. 29: »Chuono quidam regii generis Churzibolt a brevitate cognominatus – de quo multa concinnantur et canuntur.« | ||
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| + | 6 Chron. ursperg.: »Erbo et Boto, illius famosi Erbonis posteri, quem in venatu a bisonte (die Ausg. 1540, p. 256, und 1609, p. 185, lesen: ab insonte) bestia confossum vulgares adhuc cantilenae resonant.« Norberti vita Bennonis, ap. Eccard. C. Hist., II, S. 2165.: »Quantae utilitati, quanto honori, quanto denique vitae tutamini et praesidio fuerit, populares etiam nunc adhuc notae fabulae attestari solent et cantilenae vulgares.« Vergl. Mösers Osnabr. Gesch., II, 32. Vita Ludgeri (mehrmals gedr. hier nach einer alten Kasseler Handschrift): | ||
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| + | 7 Silva de romances viejos, pag. 286-298. | ||
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| + | 8 Eine besondere Sammlung dessen; was aus der Heiligenlegende zur deutschen Sage gerechnet werden muß, schickt sich besser für ein eigenes Werk. Dahin gehört zum Beispiel die Geschichte von Zeno (lombardisch), | ||
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capitel/grimmdsvorrede2.1679562522.txt.gz · Zuletzt geändert: (Externe Bearbeitung)
